„Echt jetzt?“ und „Warum tust du dir das an?“, diese beiden Fragen höre ich öfters, wenn ich meinem Umfeld von meinem neusten Unterfangen erzähle. Eine Freundin fragte „willst du damit abnehmen?“. Und nein, mit der Biotta-Saftkur will ich nicht abnehmen, sondern entschlacken. Sprich meinen Körper von sogenannten Schlacken befreien oder anders ausgedrückt: mich reinigen (lassen). Klingt unappetitlich? Nöö, aber hart ist es auf alle Fälle. Aber ich mache das, um mir etwas Gutes zu tun. Und weil mich eine Freundin gefragt hat, ob wir dem Projekt „Saftkur“ gemeinsam widmen wollen (Tipp: Das hilft echt!). Besonders in Zeiten wie diesen ist es wichtig seinen Körper und Geist fit zu halten. Und ganz ehrlich, ich verpasse aktuell keine superleckeren Abendessen im Restaurant, keine Apéros mit Freunden und schon gar keine wilden Partys, nach denen manche/r auch eine Kur nötig hätte ;) Ich fühle mich körperlich zwar jetzt bereits fit – Corona-Jogging sei dank! – aber habe auch das Bedürfnis, wieder mal an meine Grenzen zu gehen und Essen (danach) bewusster zu geniessen. Gerne lasse ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben, wie immer ist Lesen auf eigene Gefahr. Aber hey, ihr dürft währenddessen ja was Leckeres essen und das ist im Vergleich zu mir ja echt lässig. Ich höre meinen Magen bereits jetzt knurren…
Planung
Eine Saftkur will geplant sein. Ich glaube, dass vor allem das Timing für den Erfolg entscheidend ist. Wie schon geschrieben eignet sich die aktuell sehr ruhige Zeit sicher besonders gut, für Ablenkung will aber auch gesorgt sein. Ich hab mich entschieden, dass ich das Projekt während den Schulferien durchführe. Dann bin ich am Arbeiten und habe somit eine Tagesstruktur und einiges los. Wäre ich die ganze Zeit zu Hause, dann könnte ich es wohl gleich sein lassen. Die Abende werden eine genug grosse Herausforderung, glaubt mir! Chips und Co hab ich vorsorglich neumet versteckt, wenn ich Glück habe, erinnere ich mich vor lauter Hunger nicht mehr an den Ort ;) Wichtig finde ich es auch, dass man seinem Umfeld davon erzählt, das könnte ich kritischen Momenten hilfreich sein. Ich bin ja echt gespannt, ob ich miesepetrig werde und ob sich die vorausgesagten Kopfschmerzen in Grenzen lassen halten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu Letzt, nehmt euch trotzdem in Acht da draussen und nein, ein Snickers rüberschieben ist nicht ;)
Vorbereitungstag
Dieser Tag dient dazu, den Körper und Geist auf die bevorstehenden Tage vorzubereiten. Dass ich während fünf Tagen nichts ausser Saft, Wasser, Tee und Leinsamen zu mir nehme, betrachte ich erstaunlicherweise ziemlich gelassen. Aber fragt mich in drei Tagen nochmal! Ich muss aber auch zugeben, dass ich in den Tagen vorher nochmals ziemlich den „Gönn dir“ drin hatte :) Zwar hab ich nicht übermässig, aber sicher sehr bewusst gegessen und getrunken. Das war mir symbolisch gesehen wichtig und so hab ich heute Morgen nach einem leckeren und gut verdaulichen Frühstück langsam angefangen umzustellen. Biotta gibt auch einige geeignete Rezepte an, ich versuche meinen eigenen Weg und so gab es zum Znacht nun die letzte feste Nahrung. Die Zoodles (quasi Nudeln aus Karotten und Zucchetti) an etwas Tomatensauce waren noch leckerer als sonst und ich habe jeden Bissen genossen. Der Spass soll aber nicht von langer Dauer sein, denn um das Entschlacken von Beginn an richtig anzukurbeln, wird eine Darmentleerung durch Glaubersalz empfohlen. Jep, das klingt nicht nur eklig, es ist es auch. Und damit meine ich nicht den Vorgang, sondern den Geschmack dieses unscheinbaren Salzes. Igit igit! Aber funktionieren tut’s wahrhaft wunderbar (nicht so extrem, wie ihr euch das jetzt vielleicht vorstellt… Aber die Verdauung wird auf jeden Fall angekurbelt.) und so freue ich mich nun auf eine hoffentlich gute Nachtruhe, damit ich morgen ausgeruht und möglichst entspannt komplett auf die Saftkur umstellen kann.
Safttage Nr. 1 und 2
Am Montagmorgen gibt es 1 dl Saft und dazu zwei gestrichene Teelöffel Leinsamen, die ich nur mit Mühe und viiiiel Wasser runterbringe. Ich merke bereits am Vormittag, dass sich mein Körper umstellt und dass mein Bauch dauernd knurrt, das ist ja nicht besonders überraschend. Seit dem Morgen habe ich leichte Kopfschmerzen, welche sich im Verlaufe des Tages zu einer halben Migräne entwickeln – wirklich schmerzhaft und für die Konzentration nicht besonders förderlich! Am Mittag wird neben mir leckeres Thai gegessen und ich selbst schlürfe wiederum 1 dl Saft, mehr liegt nicht drin. Warum genau tue ich mir das nochmals an? Ah ja, soll ja gesund sein. Um die plötzlich sehr lang scheinende Mittagszeit rumzubringen, gehe ich etwas spazieren. Dabei merke ich jedoch, dass mein Körper ziemlich schlapp ist. In dieser Woche soll man allgemein nur wenig Sport machen und alles langsam angehen lassen, der Körper läuft ja schliesslich auf Sparflamme. Den Nachmittag bringe ich trotz starken Kopfschmerzen, knurrendem Magen und ziemlicher Erschöpftheit erstaunlich gut über die Bühne. Meine Bürogspändli meinen gar, dass ich erstaunlich gute Laune hätte – nun ja, Jammern bringt ja nicht viel gell. Nach dem Feierabend mache ich nochmals einen Spaziergang zu meinem Lieblingsplatz im Wauwilermoos und geniesse die Ruhe. Dabei merke ich, dass mein Körper zwar ziemlich rebelliert, gleichzeitig aber zu merken scheint, dass ich das bewusst mache und nicht wirklich am Verhungern bin. Zuhause gibt es eine warme Tomatensuppe (X-Mal besser als kalter Saft!) und wiederum zwei Teelöffel Leinsamen. Den ganzen Tag über habe ich sehr viel getrunken, was für die Umstellung und die gesamte Kur total wichtig ist! Als Warmblüterin ist mir selten kalt, nun friere ich jedoch ständig. Deshalb kuschle ich mich mit der Bettflasche unter die warme Decke. Nach zehn Minuten vor der Glotze schlafe ich ein, so erschöpft bin ich. Da dies meine Kopfschmerzen etwas lindert, verschiebe ich meinen müden Körper ins Bett und gönne mir fast 10 Stunden Schlaf – wann es das zum letzten Mal gab…?!
Am Dienstagmorgen wache ich auf wie Dornröschen. Zwar nicht durch einen Kuss, aber wie neu geboren und alle Beschwerden scheinen wie weggeblasen – herrlich! Mein Magen knurrt immer noch, das macht er praktisch den ganzen Tag. Aber sonst fühle ich mich ziemlich fit und meine gute Laune erleichtert mir den zweiten Tag sehr. Der Mittag war wieder eine Herausforderung, da im Lehrerzimmer Pizza und Kebab gemampft wurde. Mmpf, wie gerne hätte ich auch einen Bissen gehabt! Aber nein, ich bleibe beharrlich und besinne mich darauf, dass ich das alles ja freiwillig mache und schon fast die Hälfte hinter mir habe. Abends gehe ich eine grössere Runde mit einer guten Freundin, das Quatschen über Gott und die Welt tut mir gut. Nach dem essenstechnischen Highlight des Tags (Tomatensuppe ahoi) gönne ich mir als Belohnung ein Basenfussbad, welches die Entschlackung zusätzlich unterstützen soll. Dazu gibt es Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück, wie passend ;) Bin gespannt, wie es mir an Tag 3 und 4 ergeht, bevor ich am Freitag dann langsam wieder umstelle. Zwischenfazit: Harter Start, jetzt läuft’s zart :)
Endspurt
Ich nehm’s zurück… Die Safttage (hört ihr die Ironie?) Nr. 3 und 4 waren zwar deutlich angenehmer als der erste Tag. Das ständige Knurren meines leeren Bauches, die immer übler werdenden Rückenschmerzen und die blöden Leinsamen gehen mir langsam aber sicher ziemlich auf die Nerven. Und obwohl die meisten Säfte ziemlich gut sind, bringe ich sie kaum noch runter. Respekt an alle, die nach fünf Tagen noch nicht die Schnauze voll haben. Für mich reicht es vorerst mit Säften und Kräutertee…
Die sicherlich liebevoll (haha!) gemeinten Kommentare von meinen Liebsten „Karin, willst du nicht doch ein Stück Pizza?“ oder „Wie kannst du bloss auf die Spaghetti Bolognese von Mama verzichten?“ habe ich mit einem Lachen quittiert. Grundsätzlich fühle ich mich wirklich gut, mit einigen Nebenwirkungen war ja zu rechnen, wenn man dem Körper während Tagen die (Nahrungs-)Grundlage entzieht. Die Müdigkeit hält sich in Grenzen, dafür bin ich ständig am Frieren. Heute war es so schlimm, dass ich über den Mittag nach Hause gefahren bin und mich mit einer Wärmeflasche unter die Decke gekuschelt habe. Wichtig scheint mir, dass man seine Bedürfnisse während der Saftkur wirklich ernst nimmt – das soll man ja sowieso. Dank viel Schlaf, gemütlichen Spaziergängen, Zeit mit lieben Menschen und entspannten Stunden auf dem Sofa bin ich nun fast am Ziel und bin wirklich stolz auf mich. Halt, was war denn mein Ziel? Nun ja, natürlich entschlacken und an meine Grenzen gehen. Beides ist mir gelungen. Ihr glaubt gar nicht, wie unglaublich fest ich mich auf morgen freue! Leicht verdauliches Essen wie Knäckebrot, Avocado und Früchte sind eingekauft und ich kann es kaum erwarten wieder in etwas reinzubeissen ;)
Was ich am meisten vermisst habe? KAFFEE! Ein liebevoll aufgeschäumter Cappuccino oder ein leckerer Latte Macchiato mit Vanillesirup – dafür hätte ich wirklich viel gegeben! Oder Thai, eines meiner liebsten Menüs am Mittag. Und Spaghetti, mmmh. Das Wasser läuft mir grad im Mund zusammen, aber bald ist es geschafft. Wird mir auch was fehlen, was während dieser Woche anders war? Gute Frage… Ich koche leidenschaftlich gerne, die frei gewordene Zeit wusste ich aber auch anders zu nutzen. Und die Einkäufe mit Maske habe ich ehrlich gesagt diese Woche gaaaar nicht vermisst. Dennoch freue ich mich nun auf Samstag, denn dann darf ich wieder ziemlich normal essen und mein Einkaufswägeli nach Belieben füllen – Yeah! Der Austausch mit meiner Leidensgenossin hat mir übrigens sehr geholfen, wir haben während der ganzen Zeit ziemlich viel Humor bewiesen, was total wichtig ist. Und wir haben für nächste Woche einen Mädelsabend geplant, an dem definitiv lecker gegessen und angestossen wird. Man soll sich für Erfolge schliesslich belohnen, nicht wahr? ;)
So, das war’s! Obwohl das Projekt „Saftwoche“ noch nicht ganz vorbei ist, ziehe ich nun ein Fazit. Jetzt läuft definitiv nichts mehr schief, mein Ego ist dafür zu gross ;) Die Biotta-Kur hilft nachhaltig beim Entschlacken (das weiss ich vom letzten Mal vor 10 Jahren), ist jedoch auch echt herausfordernd. Das Ganze gilt einer Achterbahnfahrt, mit teilweise extremen Hochs und Tiefs. Oder in den absolut zutreffenden Worten: Kein Zuckerschlecken! Gut geplant ist halb gewonnen und der Wille ist entscheidend. Ich selbst nutze nun die Gelegenheit mein Essverhalten kritisch zu hinterfragen und allenfalls etwas anzupassen. Eine ausgewogene Ernährung und Sport sind für ein gesundes Leben zentral, das wissen wir alle. Aber hey, auch „Gönn dir“ bedeutet Lebensqualität und ich freu mich jetzt unglaublich auf ein Wochenende mit leckerem Essen, viel Bewegung an der frischen Luft und einem Gefühl der Leichtigkeit. Na dann, Prost!