NIEDERLANDE


7. bis 12. Mai 2023


Wie irre fahren sie Fahrrad und sie haben definitiv einen grünen Daumen – die Holländer. Auf den grünen Daumen komme ich später nochmals zurück… Superfreundlich scheinen sie ebenfalls zu sein, jedenfall diejenigen, die ich auf meinen Reisen und hier kennenlernen durfte. Immer ein Lächeln und einen flotten Spruch auf den Lippen, auf den Mund gefallen sind sie wahrlich auch nicht. Auch dank diesen Dingen habe ich mich innert wenigen Minuten wohl gefühlt, als mich Malou und ihr Partner Bas am Sonntag vom Flughafen abholten. Malou habe ich vor rund dreieinhalb Jahren auf meiner Neuseeland-Reise kennengelernt und sofort ins Herz geschlossen. Seit damals ist wohl keine Woche vergangen, in der wir uns nicht minutenlange Sprachnachrichten auf Englisch hin- und hergeschickt haben oder telefonierten. Sie besuchte mich 2020 in der Schweiz und nun, fast drei Jahre später, habe ich es endlich in die Niederlande geschafft. Diese kleine Auszeit kam mir sehr gelegen, hatte ich in den letzten Monaten doch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Umso mehr freute ich mich auf das Wiedersehen mit einer guten Freundin und auf das Entdecken eines neuen Landes.

 

Nun ja, das Wetter ist nicht schön zu reden. Wie auch Zuhause war es äusserst wechselhaft, sprich Sonne und Regen lieferten sich ein Wettrennen. Nachdem es in Amsterdam praktisch den ganzen Tag wie aus Kübeln geschüttet hat, sitze ich nun in Utrecht an einem kleinen See, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und schaue dabei den Baby Enten zu, wie sie die Welt entdecken. Möchtet ihr wissen, was ich die letzten Tage erlebt habe? Ok, dann mal los :)

 

Auf dem Weg vom Flughafen nach Haarlem, einem Vorort von Amsterdam, machten wir einen kurzen Halt, um den Flugzeugen beim Landen zuzuschauen. Und was soll ich sagen, innert zwei Minuten flog doch tatsächlich eines der grössten Passagierflugzeuge der Welt wenige Meter über unsere Köpfen hinweg. Was für ein Gefühl – und Lärm! Wir waren alle drei aus dem Häuschen. Nachdem ich am Sonntagnachmittag mein Zimmer in Malous und Bas neu renovierter Wohnung bezogen hatte, fuhren wir ans nahegelegene Meer. Die Wasseroberfläche war rau und am Himmel tanzten die Wolken, genau wie ich es liebe für einen solchen Strandspaziergang. Anschliessend asen wir Pancakes und schauten Formel 1. Dabei stellte ich fest, dass ich erstaunlich viel verstehen konnte, da Holländisch eine Mischung aus Englisch, (Schweizer) Deutsch und Französisch zu sein scheint. Bas staunte nicht schlecht, als ich ihm ab und zu antwortete, obwohl er die Frage auf Holländisch und eigentlich an Malou gestellt hatte. Mir gefällt der Klang der Sprache sehr gut und das „Singsang“, welches dabei entsteht. Wer weiss, vielleicht lerne ich sie mal noch?

 

Am Montag besuchten wir DIE Touristenattraktion schlechthin: Keukenhof. Auf diesem Gelände sieht man nebst tausenden Touristen auch Millionen von Blumen. Und ich übertreibe nicht, es sind Millionen! Von Tulpen in allen möglichen Farben und Mustern zu Hortensien, Lilien und Orchideen. Was für eine Pracht! Obwohl ich mich für Blumen nicht ganz so begeistern lasse wie einige meiner Familienmitglieder, lies der Anblick mein Herz dennoch ein bisschen höher schlagen. Dies lag vor allem auch daran, dass ich positiv überrascht war, wie viele Blumen noch in voller Blüte standen und wie gut sich das Wetter hielt. So genossen wir die Zeit im Keukenhof sehr und ich tauchte in die lang ersehnte Ferienstimmung ein. Wie auch auf dem Hinweg entdeckte ich während der Radtour wunderschöne Orte und viele Tiere. Malou musste lachen, weil ich teilweise derart begeistert war und kurz absteigen wollte, um mir alles genau anzuschauen. Da waren doch tatsächlich unzählige Kiebitze am ihre lustigen Runden fliegen und Gänse zeigten ihren Küken die Umgebung. Natürlich konnten mich nicht nur die Tiere begeistern, sondern auch die Landschaft. Windmühlen sowie unzählige Dämme und Deiche zieren das Land. Natur pur gibt es nicht nur dort, sondern auch in den Städten, wie ich später sehen sollte. Abends probierte ich einige der traditionellen Speisen aus: Bitterballen, Kroketten und Frites. Zum Dessert gab es Brot mit Butter und Schokostreuseln – ebenfalls eine Spezialität hier.

 

Der Dienstag war – wie bereits angetönt – eine äusserst nasse Angelegenheit. Gut, dass uns beiden glücklicherweise nie der Gesprächsstoff ausgeht und wir zudem wasserdicht sind ;) So liefen wir durch die Gassen von Amsterdam und besuchten immer wieder interessante Orte wie das Moco Museum (eindrückliche Bilder von Bansky und The Kid!), die in eine Brauerei und Bar umgewandelte Kirche sowie einen der unzähligen Sex-Shops. Während der Bootstour waren wir zum Glück vom Regen geschützt und ich war beeindruckt, wie viele Kanäle es in Amsterdam gibt – Venedig scheint nichts dagegen zu sein. Als sich der Himmel gegen Abend mit einem Regenbogen versöhnlich zeigte, setzten wir uns für ein Glas Rosé hin und lernten ein Päärchen aus Guernsey (wer nicht weiss, wo das ist - ihr gehört zur Mehrheit der Menschheit ;)) kennen. Was für ein toller Tag, trotz nassen Füssen. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal in Amsterdam.

 

Mittwochs fuhren wir mit den Fahrrädern (meines hatte übrigens Rücktritt und erinnerte mich an mein erstes Kindervelo…) ins Zentrum von Haarlem. Wir sahen uns die Windmühle und danach das alte Koepelgevangenis (Gefängnis) an, welches heute viel Platz für Büros, ein Cafe und sogar ein Kino bietet. Die Atmosphäre ist einmalig, was auch an der erhaltenen Infrastruktur aus Gefängnis-Zeiten liegt. Im Herzen von Haarlem befindet sich ein grosser Platz mit vielen denkwürdigen Gebäuden. Und ihr solltet mal den Velounterstand sehen, da gibt es tatsächlich noch mehr Velos als Blumen im Keukenhof ;) Abends leistete uns Bas Gesellschaft und wir fuhren gesättigt und glücklich nach Hause. 

 

Am Donnerstagmorgen chauffierte Malou mich an den Bahnhof, von wo aus ich mit dem Zug nach Utrecht reiste. Sie buchte mir ein Zimmer in einem der Hotels, in dessen Hauptsitz sie arbeitet. Das spontane Upgrade vor Ort lehnte ich natürlich nicht ab und so hatte ich gefühlt eine Suite für mich alleine mit Blick auf die Stadt. Da es noch früh morgens war, schlenderte ich einfach mal drauf los und erkundigte Utrecht. Was soll ich euch sagen, ich war von der ersten Minute an begeistert! Ich hatte bewusst nicht vorgängig recherchiert, da ich es mag, mir selbst ein Bild zu machen. Egal wo man hinschaut, überall finden sich liebevoll arrangierte Grünflächen sowie schön dekorierte Cafes und Restaurant. Besonders die Gegend um die Grachten (Kanäle) versprüht einen unwiderstehlichen Charme. Und Utrecht ist definitiv eine Studentenstadt, ich sehe hier praktisch nur junge Menschen. Auf ihren Fahrrädern versteht sich. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele auf einmal gesehen. Was in Asien die Roller sind, sind in den Niederlanden die Fahrräder.

 

Da ich gestern noch die gekauften Mitbringsel aus Amsterdam probieren wollte, machte ich es mir am Nachmittag im Hotelzimmer gemütlich. Laut Rat von Freunden sollte ich mir genügend Flüssigkeit und Snacks besorgen, was ich natürlich befolgte. „Leider“ blieb die erhoffte Wirkung aus, irgendwie hätte ich das gerne mal erlebt... Das hätte sicher ein Gschichtli von Laura gegeben! Nun ja, vielleicht besser so und entspannt sowie gut drauf war ich allemal. Wer die Anspielung jetzt noch nicht versteht, bitte melden ;)

 

Während einem ausgiebigen Spaziergang heute Vormittag entdeckte ich viele tolle Pärke, Gebäude und Tiere. Ich liebe es mich einfach treiben zu lassen, so ganz ohne Ziel. Das ist für mich ein Gefühl der Freiheit, wie ich es Zuhause zwar auch habe, aber an einem völlig neuen Ort noch deutlicher empfinde. Und so sitze ich jetzt hier an diesem See, spüre immer noch die Sonne auf meiner Haut, höre die plappernden Holländer neben mir und tippe diesen Blog. Und lebe ganz im Moment, genau so, wie ich es möchte. Und lasse euch daran teilhaben, in der Hoffnung, dass ihr es auch spürt.



13. Mai 2023 (unerwarteter Zusatztag)


Stell dir vor, du stehst am Flughafen und bist als nächstes an der Reihe, um dein Gepäck abzugeben. Du wartest nur noch darauf, dass man dir das Zeichen gibt, um an den nächsten freien Schalter zu gehen. Da wird plötzlich durch die Halle gerufen „Passagiere nach Basel?“. Du antwortest mit „Ja“ und eine Mitarbeiterin erklärt dir mit einem leicht bedrückten Gesichtsausdruck, dass dein Flug soeben storniert wurde. Oha! Ich hab ja schon viel erlebt, aber das noch nicht… Als ich nach dem Grund frage, kann man mir das nicht beantworten, sondern schickt mich an einen anderen Schalter. Dort stehen bereits viele gestrandete Passagiere und allen steht eine mittlere bis sehr grosse Verzweiflung ist Gesicht geschrieben. Mir wird vorsorglich ein Platz im nächsten Flieger gebucht und gesagt, dass ich mich selbstständig über weitere Möglichkeiten informieren solle.

 

Dass der nächste Flug in 24 Stunden ist, erfahre ich erst später und bin erstmals leicht geschockt. Und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mich die Situation kurzzeitig überfordert hat. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euren Plan im Kopf habt und gar nicht damit rechnet, dass er schiefgehen könnte? Flexibel sein gehört zwar zu meinen Stärken und grundsätzlich habe ich nie etwas gegen einen zusätzlichen Ferientag einzuwenden, jedoch wollte ich unbedingt den letzten Schultag am Samstag mit meiner Klasse erleben und entsprechend suchte ich etwas planlos nach Lösungen.

 

Mit einer anderen Betroffenen diskutierte ich eine Autofahrt bis nach Biel (dort hin musste sie nämlich dringend, da eine gute Freundin von ihr heiratete). Da ich von Biel aus jedoch nur sehr umständlich nach Zürich, geschweige denn nach Hause komme, verwarf ich diesen Plan schnell wieder. Jemand anderes brachte mich auf die Idee einen Nachtzug zu nehmen. Gar nicht mal so schlecht, also googelte ich kurzerhand nach Zügen und buchte einen, der zwei Stunden später abfahren sollte. Perfekt, so wäre ich am fast pünktlich in der Schule. Leider hab ich dabei übersehen, dass es kein Schlafwagen ist, sondern ein normaler Sitzplatz. 13 Stunden waren mir dann doch zu lang und ganz ehrlich, ich wäre wohl komplett am A*** in Zürich angekommen, wäre ungeduscht und mit Sack und Pack in der Schule gelandet und hätte wohl nur mit einer Infusion Kaffee am Unterricht teilnehmen können. Das wollte ich mir und den anderen nicht antun. Mein Natel hatte kaum noch Batterie und ich war echt müde vom langen Stehen, also suchte ich mir einen ruhigen Ort zum Nachdenken. Und dann wurde mir klar, dass ich nun entweder weiter grübeln kann (und dennoch keine sinnvolle Lösung finden würde) oder ich es einfach akzeptiere und das Beste daraus mache. Gibt dir das Leben Zitrone, dann mach Tequila, ääh Limonade, daraus – nicht wahr?

 

Da ich auf keinen Fall 24 Stunden in einem Flughaftenhotel verbringen wollte (ihr kennt mich ja, das wäre für mich echte Folter!), suchte ich ein Hotel in Amsterdam. Wow, gar nicht mal so einfach! Und alles andere als günstig, wie ihr euch vorstellen könnt… Mit dem Hintergedanken, dass Easyjet oder meine Reiseversicherung idealerweise dafür aufkommen würden, buchte ich ein Hotelzimmer möglichst nahe beim Bahnhof. Unter keinen Umständen wollte ich noch durch halb Amsterdam laufen, das wäre wirklich zu viel des Guten. Einmal tief durchgeatmet und das Zimmer war gebucht. Hatte ich nicht noch 12 Stunden vorher gesagt, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal in Amsterdam war? Haha…

 

Also zurück mit dem Zug in die Grossstadt und kurzerhand das gemütliche Hotelzimmer bezogen. Dass man darin kein Auge zumacht, da es direkt neben den Tramlinien und zudem in einer belebten Strasse liegt, wurde mir erst später bewusst. Was macht man, wenn man unverhofft einen weiteren Tag (und eine Nacht!) in Amsterdam erhält und es der Wettergott dieses Mal gut meint? Natürlich nicht faul im Hotelzimmer rumliegen, sondern die Stadt erobern :) So genoss ich zuerst den tollen Sonnenuntergang und lief danach erneut durch die Gassen. Schliesslich fand ich ein einladendes Irish Pub. Ich wollte EIN Bier trinken. Nun ja, mir gefiel die Stimmung dermassen gut und zudem lernte ich immer wieder jemanden kennen. Wie ihr wisst bin ich kein unanständiger Mensch, also leistete ich natürlich Gesellschaft und staunte nicht schlecht, als sich einer meiner Bekanntschaften als ein populärer TED Talk Speaker herausstellte. Was für coole Geschichten er auf Lager hatte! Ich sag’s euch Leute, ich staune immer wieder über solche „Schicksalsbegegnungen“ und finde sie unglaublich spannend und wertvoll. Traut euch und setzt euch doch auch mal alleine in eine Bar, ihr werdet es nicht bereuen!

 

Nach einer kurzen Nacht (wegen des Lärms versteht sich, keine Interpretationen an dieser Stelle bitte), lachte mir die Sonne ins Gesicht und ich machte mich auf, Amsterdam bei bestem Wetter erneut auszukundschaften. Wie so oft lief ich ohne Ziel los, holte mir unterwegs einen Kaffee und setzte mich später für einige Zeit ans Wasser. Danach schlenderte ich rund eine Stunde weiter und landete in einem wahren Paradies: Dem Vondelpark. Dort gibt es nebst anderen Touristen und sicherlich auch vielen Einheimischen, die sich an den Sonnenstrahlen erfreuen, auch viele Tiere zu entdecken. Ihr wisst ja, vom Anblick von Küken kann ich nicht genug kriegen und dort gibt es aktuell alle paar Meter mehrere der härzigen Tierchen zu sehen – entzückend! Auch Reiher, Störche, Gänse und sogar Schildkröten kann man beobachten. Der Park ist riesig und so dauerte es eine Weile, bis ich ihn durchquert hatte. Nach einem Nickerchen machte ich mich langsam auf den Rückweg, um noch weitere Teile der Stadt zu sehen. Das Museumsquartier macht seinem Namen alle Ehre und ich staunte generell nicht schlecht, wie unglaublich viele Menschen sich auf den Plätzen und Strassen tummelten. Am Dienstag schien die Stadt halb ausgestorben zu sein (kein Wunder bei diesem Regen!) und nun musste ich mich ständig durch Menschenmengen schlängeln. Davon hatte ich bald genug und suchte mir nochmals einen ruhigeren Ort, bevor ich mein Gepäck aus dem Hotel holte und Richtung Flughafen fuhr. 

 

Nun sitze ich in der komplett überlaufenen Abflughalle auf dem Boden und warte bei gefühlt 50 Grad auf das Boarding. Draussen zeigt sich die Sonne immer noch in ihrer vollen Pracht und ich werde leicht wehmütig. Nicht nur wegen des anscheinend schlechten Wetters in der Schweiz, sondern weil ich dieses schöne Land ungern verlasse. Damit meine ich nicht unbedingt Amsterdam, das war mir heute wirklich zu überlaufen und ich befürchte, dass dies meistens der Fall ist. Gesehen haben sollte man es auf jeden Fall, bei meiner nächsten Hollandreise möchte ich aber sicherlich mehr vom Land sehen und es – wenn möglich – wieder mit einem Besuch bei Malou verbinden. Dank je wel nederland, het was geweldig :)