19./20. August 2022 – Erholsames Split & Fazit
Wenn ich ehrlich bin, habe ich in Split gefühlt mehr geschlafen als was anderes… Das lag wohl auch daran, dass wir am morgen früh die Fähre genommen haben und es leicht regnete, als wir Split erreichten. Trotz Regen war es 32 Grad und dieses tüppige Wetter macht mich generell schläfrig. Nach einer zweistündigen Stadtführung, bei der ich doch noch allerlei Neues gelernt habe, gönnten sich Lucy und ich ein Essen in einem fancy Restaurant. Danach nahmen wir den Weg zum Aussichtspunkt auf dem Hügel unter die Beine – phuu, pflotschnass waren wir und das nicht wegen des Regens… Von dort oben hat man einen guten Ausblick über den Diokletianpalast, den Hafen und die belebte Promenade. Danach schlenderten wir entlang des Ufers zurück und besuchten den Markt, dessen Atmosphäre mir bereits letzten Sommer gefiel.
Zurück im Hotel, welches sich etwas ausserhalb befand, war erst mal Duschen angesagt. Kaum hatte ich mich auf das Bett gelegt, schlief ich auch schon ein und wachte über zwei Stunden später völlig verdattert wieder auf. So einen langen Mittagsschlaf hab ich ja schon ewigs nicht mehr gemacht, war wohl nötig ;) Lucy ging es genau gleich, sie erwachte mit den Worten „welcher Tag ist heute!?“ :)
Den Abend verbrachten wir nochmals in der Gruppe, Abschiede sollen schliesslich gefeiert werden. Unser Guide Filip hat uns als Erinnerung eine kleine Collage erstellt und mitgebracht. Bei einem traditionellen Pašticada (dalmatinischer Rinderbraten mit Gnocchi) liesen wir die vergangenen zwei Wochen Revue passieren, wie viel wir doch gemacht haben! Der Hauptgang reichte nicht aus, um alles Erlebte zu besprechen, also mussten wir uns wohl oder übel noch einen Bananensplit bestellen. Ich meine, einen BananenSPLIT… Ihr versteht? ;)
Mir kommt es völlig unwirklich vor, dass ich vor einem Monat noch Zuhause war und kurz darauf meine Tour in Berlin gestartet habe. Einerseits fühlt es sich wie eine Ewigkeit an und andererseits wie gestern, schwierig zu beschreiben. Falls ihr auch schon Mal so unterwegs wart, wisst ihr vermutlich, wovon ich spreche. Um meine Reise abzuschliessen, möchte ich wie immer eine kleine Zusammenfassung erstellen und ein Fazit ziehen:
Während 28 Tagen bin ich durch 9 Länder und 15 Städte gereist. Ganz ehrlich, ich musste sie zählen, habe irgendwann den Überblick verloren ;) Mit blutten Zahlen lässt sich diese Reise jedoch schlecht beschreiben, waren es doch vielmehr die eindrücklichen Landschaften, die magischen Momente, die tragischen Geschichten, die spannenden Menschen und das viele Hintergrundwissen, welche diese Tour unvergesslich gemacht haben. Ich hab so viel gesehen, so viel erlebt und so viel gespürt. Tatsächlich war es für mich eine emotionale Reise, hab ich doch dreimal geweit (1x wegen der Verzweiflung einer schlaflosen Nacht in Berlin, 1x wegen den herzzerreissenden Geschichten in Mostar und 1x heute Morgen in Split beim Verabschieden von Lucy und Debbie). Diese Emotionen werte ich positiv, da mich das Geschehene berührt hat. Genau das erfüllt mich, dann darf auch mal ein Tränchen fliessen. Abgesehen davon hab ich unglaublich viel gelacht und hatte oftmals regelrecht Bauchschmerzen vom Giggelen, weil ich mich kaum mehr beruhigen konnte. Die Unbeschwertheit, welche mir diese Reise (zurück-)gegeben hat, finde ich grossartig. Wie oft sind wir im Alltag „nur“ am Funktionieren und bringen kaum alle unsere Termine unter einen Hut? Viel zu häufig, wenn ihr mich fragt. Diese Muster und Strukturen zu durchbrechen ist äusserst schwierig, haben wir doch alle unsere Verpflichtungen. Ich konnte auf den endlosen Stunden auf den Strassen und Schienen viel nachdenken und habe mir ein neues persönliches Ziel gesetzt: Im Alltag hin und wieder eine kleine Rebellin zu sein, um diese Unbeschwertheit auch Daheim wieder mehr zu (er-)leben und mir bewusste Auszeiten zu nehmen. Wird nicht einfach, aber ich glaube fest daran, dass die letzten vier Wochen ein guter Schritt waren. Und die kommenden Tage auf Sizilien helfen ganz bestimmt auch ;) A presto miei amici!
17./18. August 2022 – (ehemals) traumhaftes Hvar
Vom touristischen Dubrovnik fuhren wir mit der Fähre auf die noch touristischere Insel Hvar. Letzten Sommer war es hier deutlich ruhiger, jetzt ist enorm viel los und die schöne Insel verwandelt sich vor allem nachts in eine wahre Partymeile. Obwohl ich ganz gerne mal in den Ausgang gehe, war es mir gestern Abend echt zuviel, als ich im völlig überfüllten Club stand, von gefühlt hundert Händen betatscht wurde und es unmöglich schien einen Drink zu bestellen. Was macht Frau Z in solchen Situationen? Sie verabschiedet sich höflich und sucht sich einen gemütlichen Ort. Wie auch jetzt, denn ich sitze neben dem Pool im Hotel und geniesse die Ruhe ;) Echt schade, dass sich Kroatien zu einem solchen Touri-Magnet verwandelt (hat). Viele Teile stehen zum Glück unter Naturschutz, das bleibt hoffentlich so…
Da die Fahrt rund dreieinhalb Stunden gedauert hat, kamen wir erst abends in Hvar an. Dafür bestaunten wir einen atemberaubenden Sonnenuntergang unterwegs. Zu später Stunde besuchten wir noch ein familienbetriebenes Restaurant auf der Insel. Fisch gehört bekanntlich nicht zu meinen Leibspeisen, zum Glück gibt’s immer leckere Alternativen. So auch heute auf dem Schiff, welches uns während sieben Stunden rund um Hvar chauffiert hat. Und ich sage euch, es war ein wunderbarer Tag auf See! Völlig in Gedanken versunken konnte ich stundenlang auf dem Deck sönnele. Das Kompliment, jetzt sei ich „von der Sonne geküsst“, nehme ich gerne an :)
Zudem konnte ich sage und schreibe an sechs(!) verschiedenen Orten bädele und unzählige Male aus 3.5 Metern vom Schiff hüpfen. Einmal mit Lucy an der Hand, welche moralische Unterstützung benötigte, die ich ihr natürlich gerne gab. Ich finde ja, dass mir die Rolle der grossen Schwester auch ganz gut stehen würde… Die Kleine zu sein, beherrsche ich nämlich schon perfekt, gell Schwesterherz? ;)
Und das war’s auch schon über die letzten beiden Tage. Etwas wehmütig realisiere ich, dass ich mich morgen bereits von der zweiten Gruppe verabschieden muss… In der Zwischenzeit verstehe ich alle verschiedenen englischen Akzente wunderbar, was gar nicht mal so einfach ist! Die Dialekte sind mindestens so kompliziert wie in der Schweiz, really ;) Praktisch alles zu verstehen und gute Gespräche zu führen macht mich stolz, denn das war ein persönliches Ziel dieses Trips. Auch die weiteren Ziele scheine ich erreicht zu haben: unschöne Erfahrungen hinter mir zu lassen und wieder im Moment zu leben. Oh yes, das mache ich definitiv! Nun bleibt mir noch ein Tag in Split morgen, bevor es am Samstag früh nach Italien geht. Oder genauer gesagt nach Sizilien, worauf ich mich wahnsinnig freue! Dort erwarten mich eine gute Freundin, leckeres Essen, schöne Strände und ganz bestimmt viel Karin-Zeit. Ich Glückskind! :)
15./16. August 2022 – Touristisches Dubrovnik
Dubrovnik liegt am untersten Zipfel von Kroatien, umgeben von Montenegro, und wird auch „Perle der Adria“ genannt. Da ich letzten Sommer bereits drei Tage hier verbracht habe, war ich beim Anblick der Altstadt direkt an den Klippen nicht mehr ganz so entzückt. Schön anzusehen ist es jedoch allemal! Während der Stadtführung erfuhren wir einiges über die Geschichte Kroatiens. Sie ist ähnlich wie in den letzten Ländern, jedoch etwas weniger dramatisch wie es scheint… Aber die Zahl der Touristen hier finde ich bedenklich, die Stadt ist buchstäblich am Überlaufen. Dies liegt vor allem an der Erfolgsserie „Game of Thrones“, welche hier gedreht wurde. Beim Abendessen genoss ich die Sicht aufs Meer - wie schön es doch ist wieder am Wasser zu sein!
Am Dienstag hatten wir einen komplett freien Tag, was ich immer eine willkommene Abwechslung finde. So schliefen wir erst mal aus, frühstückten ausgiebig und machten uns dann auf den Weg in die Altstadt. Dort trank ich den wohl teuersten Eiskaffee der Welt – 15 Franken! :( Das gab uns immerhin genügend Energie, um die steilen Treppen der Stadtmauern zu bezwingen. Dies hatte ich beim letzten Besuch nicht gemacht und freute mich über die schöne Aussicht. Nach einem frühen Abendessen ging es zurück ins Hotel, wo wir den Tag gemütlich ausklingen liesen. Ähnlich wie heute, ich liege nämlich seit 10 Uhr morgens am Strand und geniesse das Gefühl der Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Endlich wieder sünnele und im Meer bädele :) Mitte Nachmittag nehmen wir dann die Fähre nach Hvar, einer der bekanntesten Inseln hier. Letzten Jahr konnte ich nur einige Stunden dort verbringen, dieses Mal haben wir zwei Tage zur Verfügung. Auf den Bootstrip morgen freue ich mich besonders, davon kann ich NIE genug kriegen. Ihr seht also, dass ich die verbleibende Zeit auf meiner Reise in vollen Zügen geniessen und es mir absolut prächtig geht. Living life to the fullest! :)
Ah ja, vielleicht habt ihr meine neue Reisebegleitung bereits gesehen. Darf ich vorstellen? Nick der Ninja. Die Story dahinter: Lloyd und ich sahen den grünen einarmigen Kerl in einem Restaurant und er gefiel uns beiden auf Anhieb. Lloyd fragte den Kellner, ob er ihn mir schenken dürfe, wenn er (Nick) dafür mit mir um die Erde reisen könne. Die Antwort war ja und so sind Nick und ich ab sofort unzertrennlich. Der kleine Kerl verbringt die meiste Zeit schlafend in meinem Reiseportemonnaie, hin und wieder hole ich ihn für ein Foto aus dem Schönheitsschlaf. Ihr werdet ihn also auch ab und zu mal zu Gesicht bekommen ;)
13./14. August 2022 – Malerisches Kotor
Hab grad das superleckere Nutella-Bounty-Eis fertig geschleckt, schaue mir nun ausserhalb der Stadtmauern von Kotor die Festung auf dem Hügel San Giovanni an und tippe fleissig in die Tasten. Dort oben war ich gestern und ich kann euch gar nicht beschreiben, wie unfassbar toll ich es fand! Als wir gestern in der Stadt Kotor, welche sich an der dalmatinisch-montenegrinischen Adriaküste befindet, ankamen, war ich sofort Feuer und Flamme. Die Stadtmauern umfassen nicht nur die Altstadt selbst, sondern schlängeln sich danach den Hügel hinauf bis zur ehemaligen Burg. Die gesamte Strecke beläuft sich auf 6 km. Ihr könnt euch also vorstellen, wie weit man laufen muss, bis man oben ist. Wobei es eher einer Wanderung gleicht, wenn man die rund 1‘500 unebenen Stufen hochläuft. Bereits nach kurzer Zeit hat man einen wunderbaren Blick über die alten Dächer von Kotor sowie die Bucht. Da ich nach den intensiven letzten Tagen etwas Ruhe benötigte, machte ich mich alleine auf den Weg und hielt immer wieder inne, um die Aussicht zu geniessen. Ganz oben schaute ich zu, wie die Sonne langsam hinter den felsigen Hügeln unterging und sich die Wolken leicht rosa färbten. Ich genoss diesen Anblick dermassen, dass ich komplett die Zeit vergass und mich erst in der einbrechenden Dunkelheit auf den Rückweg machte. Als es anfing zu regnen, fand ich den Ausflug erst recht perfekt, da ich den Duft von Sommerregen liebe. Welch wunderbarer Abend und dank dem Düreschnuufe fühle ich mich nun wieder tiefenentspannt und absolut glückselig. Vacation mood on :)
Heute Morgen stand eine Kajaktour in der Bucht auf dem Programm – juhuui! Ich liebe es bekanntlich auf und im Wasser zu sein, also genau mein Ding. Tamara (ehemalige Armeeangehörige aus den Staaten) und ich fanden schnell einen Rhythmus und ich konnte die Sicht auf die Berge und die umliegenden Dörfer geniessen. An einem kleinen Strand hüpften wir ins Wasser und mein Herz hüpfte wortwörtlich mit, weil ich das Baden und vor allem das Meer derart vermisst hatte! Nach drei Stunden waren wir zurück und ich erkundigte mit Lucy die kleinen Gassen der Altstadt. Lucy ist übrigens die „Queen of Relaxing“, diese Frau weiss wie man sich entspannt ;) Dank ihr nehme auch ich mir immer wieder kleine Auszeiten während dieser intensiven Gruppenreise.
Wie gross die Bucht tatsächlich ist, konnten wir während einer dreistündigen Bootstour herausfinden. Die Fahrt war definitiv nichts für schwache Mägen, läck war das eine holprige Angelegenheit! Das macht mir zum Glück nichts, da ich das Gefühl vom Wind in den Haaren und den Spritzern des Meerwassers auf der Haut liebe und alles um mich herum vergesse. Nach einer halben Stunde erreichten wir die ehemaligen Tunnel, welche Seeleute als Verstecke genutzt hatten. Dort drin schaukelt immer noch ein altes Schiff vor sich hin, ein bisschen unheimlich… Danach bestaunten wir die sogenante blaue Höhle, um kurz darauf vom Boot ins Wasser zu springen und uns in den Wellen treiben zu lassen. Wie herrlich! Das Wetter war angenehm warm, nur die Sonne hatte zeitweise eine kleine Sendepause. Macht nix, mit den imposanten Wolken in der hügeligen Landschaft fand ich es umso eindrücklicher. Dramatik pur! Auf dem Rückweg schauten wir uns die Insel „Our Lady on the Rocks“ an, auch das ist ein ehrwürdiger Ort und absolut malerisch.
Ihr seht, ich habe eine grossartige Zeit in Montenegro und würde gerne noch mehr dieses wunderbaren Landes erkundigen. Also wieder ein Ort, an den ich definitiv zurückkehre eines Tages. Morgen geht unsere Reise weiter nach Kroatien, dem letzten der neun Länder. Obwohl ich letzten Sommer beim Segeln bereits viel von Kroatien bewundern konnte, freue ich mich sehr darauf und kann es kaum erwarten, einige ruhigere Tage auf dem Boot und am Wasser zu verbringen. Meine Reise ist danach ja noch nicht beendet, das zehnte Land ruft bereits leise nach mir… Ahnt ihr bereits wohin es mich zieht? Tipp: Dolce far niente, ich komme!
12. August 2022 – Emotionales Mostar
Ok, ich wandere doch aus. Hab mich nur noch nicht entschieden, ob nach Bosnien und Herzegowina oder nach Montenegro ;) Spass beiseite was das Auswandern betrifft, ich hab mich aber schon ein bisschen verknallt… Diesen Blog widme ich Bosnien und Herzegowina, welch ein Juwel!
Ich hab euch im letzten Blog ja bereits ein wenig die Landschaft beschrieben. So von wegen Kurven und Bären, erinnert ihr euch? Es ist wild und wunderschön, die Landschaft erinnert mich an viele bereits besuchte Länder und ist dennoch einzigartig. Immer wieder fährt man an ruhigen Seen vorbei, welche sich seit jeher in den Tälern Bosniens wohl zu fühlen scheinen. Türkise Flüsse schlängeln sich ihren Weg durch die zerklufte Bergwelt und der wolkenverhangene Himmel scheint hier besonders nah zu sein. Ihr merkt schon, meine romantische Ader wurde getroffen… Auf der Fahrt von Sarajevo nach Mostar machten wir einen Stop in einem verhältnismässig kleineren Ort namens Konjic. Zu viert erkundeten wir das härzige Städtchen, während der Rest sich die Bunker vom ehemaligen Ministerpräsident von Jugoslawien Tito ansah. Ganz ehrlich, ich hab schon (zu) viele Bunker gesehen, dann doch lieber einen Spaziergang durch eine unbekannte Ortschaft. Durch Konjic fliesst ein kleiner Fluss und die beiden Stadtteile werden durch eine Brücke verbunden. Viel mehr gab es nicht zu sehen, wir waren dafür offensichtlich eine Sehenswürdigkeit. Ständig winkten oder hupten uns vier Mädels Auto- und Lastwagenfahrer zu, wir konnten uns kaum mehr halten vor lauter Lachen :)
In Mostar angekommen, führte uns der lokale Guide Dzenan durch seine Stadt. Mostar liegt in der Region Herzegowina und wurde während des Krieges sehr stark beschädigt. Auch hier sieht man bis heute Spuren davon und Dzenan konnte mir auf Deutsch etwas detailliertere Informationen über die Konflikte zwischen den Bosniern, Serben und Kroaten geben. Da ich immer noch nicht alle Zusammenhänge verstehe, fragte ich zu später Stunde und etwas Bier und Wein intus nach. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich einmal mehr tief betroffen war, was mir die drei anwesenden Männer erzählten, welche den Krieg selbst miterlebt haben. Welch emotionale Geschichten und Schickalsschläge sie durchgemacht haben! Alle drei sind in meinem Alter, was mir noch mehr zu denken gibt. Besonders den Genozid in Srebrenica haben sie immer wieder erwähnt. Die drei stammen jeweils aus unterschiedlichen Gruppierungen, verstehen sich jedoch sehr gut und kritisieren die immer noch anhaltenden Konflikte aufs Schärfste. Respekt dafür!
Mostar hat nebst emotionaler Geschichte auch viel Schönes fürs Auge zu bieten. Die Brücke, welche zerbombt und wieder aufgebaut wurde, ist das Highlight. Unter ihr windet sich der klare (und kalte!) Fluss Neretva. Aus 23 Meters springen wagemutige athletische Männer in die Tiefe, wenn sie von den Touristen vorgängig Geld eingesammelt haben. Das Geld wird in die Reinigung investiert, damit Mostar sauber bleibt und nicht aussieht wie das dreckige Umland, erkärte uns Dzenan mit einem Schmunzeln. Wir durften somit auch zusehen und der junge Herr erhielt anschliessend einen tosenden Applaus. Über den Dächern von Mostar sticht der 107 Meter hohe Kirchturm heraus, leicht überproportioniert wenn ihr mich fragt ;) Auch hier stehen Kirchen direkt neben Moscheen, was eine Seltenheit ist. Wirklich ein schöner Ort, der Spuren hinterlassen hat.
Leider hatten wir nur eine Nacht in Mostar, da unsere Reise bereits weiter nordöstlich nach Montenegro führte. Dort bin ich jetzt und will noch gar nicht zu viel verraten, ausser: Es ist wuuuunderschön! Und falls ich nicht auswandere, dann will ich definitiv nochmals zurückkommen und selbst über die kurvigen Strassen, die atemberaubenden Pässe und durch die wilde Schönheit fahren. Kommt jemand mit? :)
10./11. August 2022 – Vielseitiges Sarajevo
Sarajevo ist so viel mehr als ein ehemaliger Kriegsschauplatz und ich weiss gar nicht, wo ich beginnen soll… In dieser Stadt ist so viel Geschichte und wenn ich jetzt diesen Blog schreibe, während meine Augen immer wieder auf die andere Seite des Flussufers schweifen und an den Einschusslöchern hängenbleiben, welche an praktisch jedem Gebäude noch deutlich zu sehen sind, scheint es, als ob die Überbleibsel des Krieges ihre eigenen Geschichten erzählen. Genau so kompliziert wie der vorherige Satz ist die Geschichte im Balkan, ganz besonders hier in Sarajevo. Und ich muss zugeben, dass ich definitiv eine Bildungslücke hatte, die mir bis anhin nicht unbedingt bewusst war. Versuchen wir mal etwas Chronologie reinzubringen:
Im Juni 1914 wurden der damalige Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie bei einem Attentat in Sarajevo getötet. Diese Tat soll der Auslöser des ersten Weltkrieges gewesen sein. Mehr Details erspare ich euch an dieser Stelle, ihr seid ja schliesslich nicht im Geschichtsunterricht ;) Heute erinnern Tafeln, Bilder und ein Fussabdruck an das Geschehene. Dieses Ereignis ist zwar geschichtlich von grosser Bedeutung, für mich persönlich sind die Jahre 1992 bis 1995 jedoch spannender.
Die Vorgeschichte über das ehemalige Jugoslawien lasse ich an dieser Stelle bewusst aus, das würde diesen Blog definitiv sprengen. Dafür lasse ich euch daran teilhaben, was uns während der beiden Touren über die oben genannten Jahre erzählt wurde. Anmerkung: Beide Tourguides waren zu dieser Zeit Kinder resp. Jugendliche und haben den Krieg selbst miterlebt. Ihr könnt euch somit vorstellen, dass ihre Schilderungen dadurch noch eindrücklicher waren. Beiden war es wichtig, dass wir ein gesamthaftes Bild der damaligen Situation erhalten. Nun, also denn: Die Bosnier stimmten im Frühling 1992 über die Unabhängigkeit ab. Die bosnischen Serben boykottierten dies jedoch und kesselten die von Bergen und Hügeln ummantelte Stadt Sarajevo zusammen mit der jugoslawischen Volksarmee ein. Gegen diese Belagerung wurde erfolgslos demonstriert, auf einen Krieg war niemand vorbereitet. Wenn wir ehrlich sind, rechnet wohl kaum jemand von uns damit, dass sein eigenes Land plötzlich angegriffen wird und man sich im Krieg wiederfindet, oder?
Mohamed und Samra schilderten die damaligen Verhältnisse so: Die meiste Zeit verbrachten wir in den Kellern und Bunkern, häufig ohne Strom, Wasser und auf engstem Raum. Das Schlimmste waren jedoch die Granaten, davon fielen durchschnittlich 329 Stück täglich (!) auf uns nieder. Obwohl das Essen rationiert wurde, gab es oftmals nicht genug und Alltägliches wie Eier wurde zu einem kostbaren Gut. Die örtliche Brauerei war dank einer eigenen Quelle der einzige Ort, an dem man Wasser holen konnte. Dies war jedoch äusserst gefährlich, da die serbischen Scharfschützen ihre Gewehre bereits im Anschlag hatten. Und es war ihnen egal, ob man ein Mann, eine Frau oder ein Kind war. Absichtlich wurden offiziell keine Zivilisten getötet, jedoch beläuft sich die Opferzahl derjenigen in Sarajevo auf 11‘500, 1‘000 davon Kinder. Über 50'000 Menschen wurden verwundet. Eine der Strassen, an denen die Front war, wird bis heute „Sniper Alley“ (Scharfschützenweg) genannt. Die sogenannten Rosen von Sarajevo und viele weitere Denkmäler erinnern an die Bluttaten. Trotz der Tragödie gab es auch schöne Momente, wie beide betonten. So beispielsweise einige Hochzeiten, welche dennoch gefeiert wurden oder die Miss Sarajevo-Wahl, der das Lied von U2 gewidmet ist. Mohamed wie auch Samra betonten, dass die Seele der Stadt nie gebrochen werden konnten. Und das glaube ich den beiden sofort, wenn ich die fröhlichen und sehr zuvorkommenden Menschen hier sehe.
Nach 1'425 Tagen, also fast vier Jahren, war die Belagerung 1996 dank dem Dayton-Abkommen endlich vorbei. Als wir die beiden fragten, was der Grund des Krieges gewesen sei, schüttelten sie den Kopf und meinten, dass sich dies nicht innert einigen Minuten erklären lasse. Die Sache sei wegen den verschiedenen Religionen, die im ganzen Balkan aufeinandertreffen, äusserst kompliziert gewesen und teilweise immer noch. Diesen Eindruck hatte ich auch, als ich das erste Mal durch Sarajevos Strassen lief. Hier treffen diverse Glaubensgemeinschaften aufeinander, wie ich es zuvor noch nie gesehen habe. Ein Beispiel? Kirchtürme neben Moscheen, das ist hier nichts Besonderes. Wenn ich ehrlich bin, war ich vom islamischen Einfluss erstaunt, damit hatte ich nicht gerechnet. In der Stadt gibt es 99 Moscheen und nie zuvor habe ich die Gebete der Muezzin so deutlich gehört wie hier. Man nennt Sarajevo übrigens auch „kleines Istanbul“. Dies wird einem vor allem vor Augen geführt, sobald man die aufgemalte Grenze der beiden Stadtteile überquert. Wo vorher noch relativ moderne Gebäude zu sehen waren und hippe Restaurants Touristen anlocken, steht man einige Meter später plötzlich in einer ganz anderen Welt. Bei den unzähligen Marktständen glänzt und glitzert es, überall werden orientalische Speisen und Waren angeboten. Und der Duft von frischem Burek sowie dampfenden Shisha dringt in die Nase – mmmh! Die Menschen drängeln sich durch die vielen kleinen Gassen oder trinken gemütlich bosnischen Kaffee. Der sei anscheinend noch stärker als der türkische – ich hab ihn nicht probiert, will ja noch schlafen können… Hab mir heute übrigens eine goldene Dschinni-Wunderlampe gekauft, vielleicht hilft diese ja bei der Erfüllung meiner Wünsche? Was Aladdin kann, kann ich schon lange ;)
Nun nochmals zu etwas Geschichtlichem: Wir besuchten den Tunnel, welcher unterhalb des Flughafens gebaut wurde. Dank des rund 800 Meter langen Tunnels konnten einige Tausend Bosnier Richtung Berge flüchten, humanitäre Hilfsgüter in die Stadt gebracht sowie Verwundete transportiert werden. Und auf diese Weg gelangten auch Waffen in die Stadt. Der Tunnel sei von entscheidender Bedeutung gewesen. Das Brisante an der Geschichte? Das Gebiet um den Flughafen war unter Aufsicht der UN, welche sich jedoch anscheinend nicht so neutral verhielt wie man erwarten könnte und deshalb kam man auf die Idee des Tunnels. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen…
Nach diesem geschichtsträchtigen und ehrlicherweise sehr ermüdenden Besuch fuhren wir in die Höhe. 1984 fanden die olympischen Winterspiele in Sarajevo statt und wir sahen uns die nun halb verrottete Bobbahn an. Diese ist heute eher ein Gemälde aus Graffiti als eine Sportanlage ;) Vom Berg Trebevic, wo auch eine Gondelbahn hinführt, hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und es wird einem bewusst, wie eingekesselt sie ist. Definitiv nicht zum Vorteil bei einem Angriff, wie wir gehört haben.
Auf der Hinreise, welche wegen eines vergessenen Gepäcksstück statt 7 rund 9 Stunden gedauert hat (meine lieben Nerven!), konnte ich die Landschaft ausgiebig begutachten. Sehr viele Häuser in Bosnien und Herzegowina sind nicht fertig gebaut oder stehen komplett leer. Dieses Phänomen kenne ich aus Ägypten, hier sei einer der Hauptgründe die Auswanderung. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt im Ausland, dies aus verschiedenen Gründen. Die Region Bosnien, in der wir aktuell sind, betreibt noch sehr viel Landwirtschaft. Gefühlt jedes dritte Anwesen ist ein Bauernhof, wo Hühner herumrennen und alte Traktoren herumstehen. Die Bosnier scheinen gerne anzupflanzen, vor den Häusern befinden sich jeweils prächtige Gärten und jedes kleine Fleckchen Erde wird dazu benutzt, Mais anzupflanzen. Des Weiteren gibt es hier viele dichte Wälder, welche die hügelige Landschaft zieren. Generell ist es sehr grün hier, viel weniger karg als noch in Serbien. Während der kurvigen Fahrt überlegte ich mir, ob es hier wohl Bären gäbe. Kurze Zeit später riefen zwei meiner Mitreisenden, dass sie wohl einen Bären gesehen hätten. Obwohl ich ihn nicht selbst gesehen habe, musste ich schmunzeln. Hatte ich nicht soeben noch von Bären geträumt? ;)
In der Zwischenzeit geht die Sonne langsam hinter den Hügeln unter und ich spüre ein leichtes Frösteln. Ob es nur am leicht kühlen Wind liegt, der hier weht? Ich glaube, dass mich die Geschichte dieses Landes und besonders dieser Stadt mehr berührt, als mir lieb ist. Wir haben heute viel Spannendes und zugleich Tragisches gehört, erlebt und auch diskutiert. Nicht allzuweit entfernt tobt ein sehr ähnlicher Krieg und ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich die Menschen dort fühlen mögen. Seien wir dankbar für unser Leben in Sicherheit und möge sich unsere Hoffnung erfüllen, dass diese Leidenszeit bald vorbei ist – nicht nur in der Ukraine.
8./9. August 2022 – Authentisches Belgrad
Meine Güte, diese Hitze will kein Ende nehmen… Da die Klimaanlage im Bus nicht richtig funktionierte, kam ich mir buchstäblich vor wie im Steamer. Durchgegart kamen wir nachmittags in Belgrad an, wo bereits ein Guide für eine Stadtführung auf uns wartete. Milan erzählte uns die Geschichte Belgrads, welche superkompliziert ist. Um sie einigermassen zu verstehen, musste er etwas ausholen und hat uns zuerst die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien aufgezeigt. Ich kapiere zwar immer noch nicht ganz alles, aber einige Zusammenhänge sind nun deutlich klarer und ich kann besser nachvollziehen, weshalb es bis heute Reibereien untereinander gibt. In Belgrad sind bis heute viele Spuren des Krieges zu sehen, was es für mich authentisch macht. Versteht mich nicht falsch, aber im Gegensatz zu anderen Städten wie Wien oder Berlin wurden hier nicht alle Gebäude sorgfältig restauriert und alles erscheint in neuem Glanz. Das hat sicherlich etwas Reizvolles, mir persönlich gefällt das „Echte“ jedoch besser. Zudem spüre ich diese Stadt deutlicher als die bisher besuchten Orte, weshalb, kann ich nicht genau erklären. Vielleicht liegt es an den leicht konservativen und dennoch aufgeschlossenen Menschen? Oder an den vielen Musikern, welche ihr Talent in den Strassen Belgrads zur Schau stellen? Oder an der imposanten Festung Grad Beograd und dem absolut umwerfenden (das sage ich sonst nie über solche Orte…) Dom des heiligen Sava? Keine Ahnung, aber diese Stadt strahlt eine gewisse Magie aus, die ich noch selten erlebt habe. Und hat eine grosse Authenzitität, was auf mich sehr anziehend wirkt. Keine Sorge Mama und Papa, ich hab nicht vor hierher auszuwandern ;)
Den Dienstag hatten wir zur freien Verfügung und so schliefen mein Lieblingsroomie Lucy und ich endlich wieder einmal aus – wie herrlich! Später gingen wir zusammen ins anscheinend grösste Kaffeehaus von Europa und machten einen kleinen Einkaufsbummel. Nach einer Ruhepause im angenehm kühlen Hotelzimmer lief ich die rund 40 Minuten quer durch Belgrad zum Dom, da ich diesen unbedingt besuchen wollte. Und wie oben bereits angetönt, hat es sich absolut gelohnt. Bereits von aussen fiel mir die besondere Bauweise auf, mehrere Kuppeln sind vor- und nebeneinander zu sehen. Kaum hatte ich den Dom durch die grosse Eingangshalle betreten, wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes geblendet von der Schönheit. Die Gemälde an den Wänden und den Decken strahlen um die Wette mit ihren goldfarbenen Ausschmückungen. Der serbisch-orthodoxe Kirchenbau ist im neobyzantischen Stil gehalten (das musste ich natürlich googeln…) und ist einer der grössten der Welt. Ich sag euch, da kommt man sich plötzlich ganz klein und dennoch bedeutend vor.
Am Abend trafen Lucy und ich uns wieder zum Essen – was sonst ;) Obwohl ich das traditionelle Essen des Balkans mag, gelüstete es mich nach Pizza. Und ich sage euch, dass dies die wohl beste Pizza überhaupt war und ich hatte weiss Gott schon viele Pizzen! Dies war der perfekte Abschluss eines perfekten Tages. Ah halt, diesen Blog zu töggelen und den wunderbar entspannten Tag nochmals Revue passieren zu lassen ist natürlich der perfekte Abschluss. Morgen fahren wir ins siebte Land meiner Reise und zwar nach Bosnien und Herzogowina. Dort wartet eine Stadt auf mich, auf die ich mich ganz besonders freue – Sarajevo!
7./8.August 2022 – Entspanntes Novi Sad
Ihr seid sicher bereits gespannt, wie meine neue Reisegruppe so ist, nicht wahr? Nun denn: Auch dieses Mal sind es hauptsächlich Amerikaner, welche ich zwischenzeitlich wunderbar verstehe. Mehr Mühe macht mir die Dame aus Nord-Schottland. Ihr Akzent ist dermassen stark, dass sogar Lucy als Engländerin nicht immer alles versteht. Mit Kristina aus Wien kann ich mich bei Bedarf auf Deutsch unterhalten. Unser Guide Filipe ist Kroate und sehr unterhaltsam, er kennt sich zudem bestens aus im Balkan und weiss viele Geschichten zu erzählen. Die letzte Nacht in Budapest teilte ich das Zimmer mit Nineveh, deren Vorfahren aus dem Assyrischen Reich stammten. Assyr-Was? Ich hatte davon noch nie etwas gehört, das damalige Reich war im heutigen Iran. Nineveh ist jedoch in Australien aufgewachsen und sie erzählte mir während des Essens, wie sich Tradition und Moderne für sie vereinbaren lassen. Es gab übrigens ein Nationalgericht, welches ihr euch als zusammengerolltes Cordon Bleu vorstellen könnt. Lecker! Nur an den Pommes müssen sie noch arbeiten, die finde ich hier wirklich nirgends gleich fein wie Zuhause.
Als wir von Ungarn nach Serbien fuhren, mussten wir erstmals eine Passkontrolle über uns ergehen lassen. Dies hat eine halbe Ewigkeit gedauert und die Busfahrt gefühlt eine ganze… Gegen Abend kamen wir im „kleinen“ Novi Sad an, welches „nur“ 290‘000 Einwohner hat. Also wirklich klein im Vergleich zu den Grossstädten der letzten Tage. Auch Novi Sad liegt am Ufer der Donau und ist die zweitgrösste Stadt Serbiens. Wie auch in Budapest wurden hier im zweiten Weltkrieg viele Menschen – hauptsächlich Juden – erschossen oder unter das Eis der zugefrorenen Donau geworfen. Scheusslich! Während des Kosovokrieges wurden diverse Brücken, Krankenhäuser und Schulen durch Bomben beschädigt. Als wir dem Ufer entlang liefen, entdeckten wir übermalte „Z“ auf dem Boden. Ein Engländer erklärte mir, dass dies im Ukraine-Krieg als Zeichen verwendet werde, was mich erschaudern lies. In solchen Momenten wird mir bewusst, in welch unsicheren Zeiten wir uns befinden.
Nun wieder zum Schönen: Die Marienkirche und weitere schmucke Gebäude rund um den Hauptplatz laden zum Verweilen ein. Besonders in der Nacht verleihen die bunten Lichter eine besonder Atmosphäre. Lucy und ich waren gerade in ein Gespräch vertieft, als ich plötzlich wahrnahm, dass unsere Sitznachbarn neugierig auf einem Smartphone herumdrückten. Prompt wurde mir klar, dass kurz vorher zwei junge Männer dort gesessen hatten und einer wohl sein Handy liegen gelassen hatte. Mit meinen Adleraugen (Lasern sei Dank!) erblickte ich die beiden und rannte ihnen schnurstracks hinterher über den ganzen Platz. Natürlich noch mit dem Eis in der Hand und der Kamera um den Hals. Etwas ausser Atem konnte ich das Handy zurückgeben – ihr hättet sein Strahlen sehen sollen! Der Franzose und die Italienerin, welche das Handy gefunden haben, meinten zudem, mein Karma-Konto sei nun prall gefüllt. Das hoffe ich doch :)
Heute Morgen besichtigten wir die zweitgrösste Festung ihrer Art in Europa, welche sich im alten Teil Petrovaradin befindet. Die Festung ist noch sehr gut erhalten und war für die Habsburger von wichtiger Bedeutung. Jeweils im Sommer findet das bekannte Festival Exit dort statt. Nun liegen wir wieder auf unseren Betten im Zimmer, erholen uns kurz von den heissen Temperaturen und ich tippe fleissig vor mich hin. Danach haben wir nochmals etwas Zeit in Novi Sad, bevor es mit dem Bus weiter in die Hauptstadt Belgrad geht.
4. bis 6. August 2022 – Noch heisseres Budapest
Ich schmelze. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist es unsägliche 38 Grad heiss, was sich in einer Stadt wie dieser noch extremer anfühlt. Bin aktuell in einer Wäscherei und ganz ehrlich, der Schweiss läuft mir sogar jetzt beim Tippen über den Rücken… Bilder im Kopf? Gern geschehen ;)
Und zweitens schmelze ich, weil mir Budapest so unglaublich gut gefällt. Warum? Das märchenhafte Parlamentsgebäude, welches sich direkt am Ufer der Donau befindet, ist Grund genug wie ich finde. Dazu kommt die geschmackvolle Fischerbastei neben dem Schloss. Das Schloss selbst ist übrigens auch ganz schön, aber längst nicht so beeindruckend wie diejenigen, die ich in den anderen Städten gesehen habe. Auch hier haben wir wiederum mittels Bus und Schiff alle möglichen Sehenswürdigkeiten ausgekundschaftet. Weiter als einige hundert Meter zu gehen in dieser Hitze ist sowieso nicht zumutbar! Die Schifffahrt in der romantischen Abenddämmerung hat mir besonders gefallen.
Auch Budapest hat eine bewegte Vergangenheit und unzählige Denkmäler erinnern daran. Eine geführte Stadttour habe ich dieses Mal nicht gemacht, da wir wiederum mit Verspätung hier ankamen und ich lieber das Non-Profit-Cafe für beeinträchtigte Menschen besuchen wollte. Wir wurden herzallerliebst empfangen und beim anschliessenden Nachtessen konnte ich mich davon überzeugen, dass die ungarische Küche auch sehr schmackhaft ist. Viele unserer Truppe sind nun müde vom Reisen und allen Eindrücken, mir persönlich geht es auch so. Da meine Zimmergenossen hier auch schnarchte und zudem ohne jegliche Rücksicht zu sein schien, hab ich nicht besonders gut geschlafen. Dennoch bin ich etwas traurig, dass wir gestern bereits das letzte gemeinsame Abendessen hatten und dieser Teil der Reise nun vorbei ist. Einige werde ich sehr vermissen, andere wohl weniger ;) Zum Abschluss besuchten wir die berühmten Ruinen-Bars, welche mit ihrer hippen Einrichtung und allerlei Musik viele Menschen anziehen.
Bec und ich besuchten heute die Markthalle im Stadtzentrum und sahen uns die unzähligen zum Verkauf angepriesenen Waren an. Danach fuhren wir nochmals mit dem Schiff über die Donau. Wir waren jedoch alle derart müde, dass wir unterwegs wegdösten… Also besser zurück ins Hotel, bringt so ja nix. Zum Entspannen und Runterkühlen gönnte ich mir eine Aloe-Vera-Ganzkörper-Thai-Massage. So eine, bei der man richtig durchgeknetet wird und es knackst, wenn man sich auf die unmöglichsten Arten verrenkt resp. verrenkt wird ;)
Sobald meine Wäsche fertig ist, muss ich ins Hotel zurück – dort warten bereits die neuen Gruppenmitglieder und ich bin wiederum seeeehr gespannt, welche Zeitgenossen die nächsten zwei Wochen mit mir unterwegs sein werden. Morgen geht es weiter nach Serbien, darauf freue ich mich besonders.
3. August 2022 – Berührendes Wien
Oh Wien, warum hat es 31 Jahre gedauert, bis ich dich entdeckt habe? Ich war definitiv nicht zum letzten Mal hier, Wien hat mich echt berührt. Wer schon Mal in Wien war, wird gleich Bilder im Kopf haben:
Das Schloss Schönbrunn besticht mit seinem gold- und sandfarbenem Anstrich auf den ersten Blick. Geht man um das grosse Schloss herum, steht man inmitten der prächtigen Gärten. Hier blühen Rosen und allerlei Blumen in den schönsten Farben. Alles ist liebevoll angelegt und jeder Garten bietet allerhand Schönes zum Bestaunen. Man könnte stundenlang umherschlendern… Diese Zeit hatten wir leider nicht, aber ein Besuch in der Gloriette musste sein. Das soll einer der Lieblingsplätze von Sisi gewesen sein und ich kann absolut nachvollziehen warum. Die Gloriette befindet sich auf einem kleinen Hügel hinter dem Schloss Schönbrunn und bietet eine wunderbare Aussicht auf das Schloss, die Gärten und ganz Wien. Und was macht man, wenn man an einem solchen Ort ist? Klar, Sachertorte schnouse und Wiener Kaffee schlürfen :)
Danach ging es zum Schloss Belvedere. In klassischem Barock-Weiss gehalten und etwas kleiner, für mich persönlich eindrücklicher als Schönbrunn. Die violetten Blumen, der kleine See und die prächtigen Gärten runden das Bild ab. Belvedere wurde als Winterresidenz genutzt, Schönbrunn vorwiegend im Sommer. Ich hätte definitiv auch nichts dagegen, ab und zu dort zu hausen ;) Das dachte ich jedoch auch, als ich die Gemächer in der Hofburg besuchte. Als grosser Sisi-Fan (eher von den Filmen als von Elisabeth selbst) besuchte ich das Museum in der Hofburg. Einfach nur WOW! Bereits in der silbernen Schatzkammer konnte ich mich kaum sattsehen, alles glänzt und glitzert. Und entgegen dem Namen ist vieles in Gold, absolut pompös und häufig leeeeeicht übertrieben. In den Wohn- und Schlafräume des ehemaligend Kaiserpaars Sisi und Franz Josef scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Handgefertigte Teppiche, wundervolle Wandverzierungen und geschmackvolle Einrichtungsgegenstände zeugen von grossem Reichtum. Schade, dass man keine Fotos schiessen darf.
Am Abend besuchte ein grosser Teil unserer Truppe eine Vorstellung des Wiener Barock Orchesters. Ich und Oper? Das erstaunt vielleicht, aber ich wollte es unbedingt erleben und wo, wenn nicht in Wien? Bereits bei „eine kleine Nachtmusik“ von Mozart hatte ich Gänsehaut, spätestens bei den beiden Opernsängern Tränen in den Augen. Ich hatte beinahe vergessen, wie sehr Musik berühren kann. Als eine Welle der Dankbarkeit über mich rollte, wie ich es oft in solch emotionalen Momenten erlebe, schloss ich die Augen und sog die Musik regelrecht auf. Auch jetzt, im vollbesetzten Zug nach Budapest, hallen die wunderbaren Klänge des Orchesters noch in meinen Ohren nach. Danke Wien, du bist einfach wunderbar!
PS: Auch dort waren keine Aufnahmen erlaubt. Diese Erinnerung ist also nicht im Blog, sondern in meinem Herzen ;)
1./2. August 2022 – Bezauberndes Český Krumlov und schmuckes Wien
Český Krumlov („Tschetzki Krumlow“) heisst die kleine Stadt, die wir auf dem Weg nach Wien besuchten. Zwar auch touristisch, aber deutlich weniger überlaufen als die Grossstädte. Und absolut bezaubernd! Die farbenfroher Häuser reihen sich aneinander, es riecht nach Gebäck und natürlich kriegt man überall Bier und traditionelles Essen serviert. Und Pizza, Pizza gibt es überall ;) Die Moldau schlängelt sich durch die pittoresque Altstadt und auf dem Hügel – wen erstaunts – trohnt die Burg mit dem wunderschön bemahlten Turm. Natürlich kraxelten wir hoch und als wir die Aussicht bestaunen wollten, schüttete es plötzlich wie aus Eimern. Darauf waren wir definitiv nicht vorbereitet, entsprechend durchnässt waren wir alle und huschten nach dem Schauer ins Hotel zurück. Bald schien bereits wieder die Sonne und wir starteten den zweiten Versuch, nur um kurze Zeit später wieder dem Regen zu entfliehen. Mit dieser Wechselhaftigkeit kann nicht mal England mithalten! Nun gut, was macht man bei Regenwetter? Man sitzt in eine lokale Bar und trinkt ;) Natürlich wurde auf die Schweiz angestossen und wie es normal ist in solchen Gruppen, tauschte man sich auch rege über die nicht anwesenden Mitreisenden aus. Unser Nummer-1-Thema? Das Schnarchen einiger… Ich bin also absolut nicht die einzige, die damit nicht klarkommt und in jedem neuen Hotel schauen wir uns gespannt an, wen es dieses Mal trifft. Irgendwie gemein, aber keinen Schlaf zu bekommen während einer solch anstrengenden Reise ist wirklich keine Option. Ich selbst kann mich glücklich schätzen, hatte ich in den letzten Nächten immer sehr angenehme Roomies. Holz alänge, dass dies so bleibt.
Heute Morgen fuhren wir mit dem Bus rund drei Stunden nach Wien. Das Hotel hier, ein ehemaliges Altersheim, in welchem hautpsächlich Flüchtlinge arbeiten, hat es mir echt angetan. Nun sitze ich im grossen Garten, trinke einen Aperol Spritz und tippe diesen Blog. Tiiiiiefenentspannt bin ich. Das liegt nicht am Aperol, sondern dass ich vorhin auf dem Rückweg aus der Stadt einen spontanen Abstecher in den Freizeitpark Prater gemacht habe. Ich liebe es bekanntlich Leuten zuzuschauen, besonders wenn sie quickvergnügt in ratternden Bahnen sitzen oder vor Glück (oder Angst?) schreien, wenn sie aus schwindelerregender Höhe runterschauen. Als Adrenalin-Junkie konnte ich es natürlich nicht sein lassen und setzte mich in das Riesenkarrusell, welches auf 117 Metern über Wien schwebt. Welch wunderbare Aussicht man dort oben hat und umso mehr freue ich mich auf den morgigen Tag – es gibt noch viiiiiel zu entdecken hier.
29. bis 31. Juli 2022 – Geschichtsträchtiges Prag
Nach 12 Stunden waren wir endlich in Prag, alle ziemlich erschlagen. Da es regnete und zudem spät war, wurde die Stadttour auf den nächsten Morgen verschoben. Karolina führt uns zu den bekannten Plätzen und natürlich auch zur Karlsbrücke und zum Schloss. Wer schon Mal in Prag war, weiss, wie weitläufig es ist. Es war deshalb unmöglich alles in einem Tag zu erkunden und ich war froh, dass wir insgesagt drei Nächte hier verbrachten. Ich besuchte die Barockbibliothek – meines Erachtens eine der schönsten der Welt! Wenn man die steilen Stufen des astrologischen Turms erklimmt, wird man mit einem wunderbaren Panorama über die Stadt belohnt. Auf der Karlsbrücke tummeln sich die Touristen und man muss aufpassen, dass man keinem Dieb zum Opfer fällt oder sonst über den Tisch gezogen wird. Eine lustige Geschichte dazu: Fran, die mit ihren 80 Jahren die älteste unserer Truppe ist, hatte plötzlich eine Eule auf ihrem Arm. Während sie das Tier bestaunte, wurde ihr zudem ein angeblicher Adler (ich bin immer noch überzeugt, dass es ein Falke war…) auf den anderen Arm gestellt. Als der Besitzer anschliessend 500 Kronen (20 Franken) dafür verlangte, sagte sie ihm eiskalt, dass sie ja nicht darum gebeten habe die Vögel zu halten... Da ich Fotos von der skurrilen Szene schoss, wollte er von mir Geld, aber auch ich verneinte. Fran griff dann in ihr Portemonnaie, zückte einen amerikanischen 1-Dollar-Schein, steckte ihm diesen zu, sagte „behalt den Rest“ und lief lachend davon. Was für eine Legende! :)
Einige Erinnerungen an meinen letzten Besuch im Jahre 2016 kamen wieder hoch, als ich stundenlang durch die unebenen kopfsteinpflastrigen Strassen lief. Dieses Mal wollte ich etwas mehr über die Geschichte Prags und Tschechiens erfahren und so besuchte ich einige Museen und historische Orte. Das jüdische Viertel fand ich besonders eindrücklich und zugleich niederschmetternd. Unfassbar, wie die Juden behandelt wurden und wenn wir ehrlich sind, ist unsere heutige Welt nicht wirklich besser… Am Abend besuchten wir eine volkstümliche Aufführung im sogenannten Folklore Garten. Nebst traditionellem Essen wurden auch alte Lieder vorgetragen und ich staunte nicht schlecht, als ich mich plötzlich selbst auf der Bühne wiederfand und bei einem tschechischen Tanz mitmachte. Oder besser gesagt versuchte, in etwa so wie beim Walzer an meinem 30. Geburtstag mit meinem Papa… ;)
Gestern hatten wir einen freien Tag, was ich sehr genoss. Endlich wieder mal ausschlafen! Danach ging es mit einigen der Gruppe einmal quer durch die Stadt. Wir schlenderten über die belebten Plätze, sahen uns einige Kirchen und Synagogen an und probierten allerlei leckeres Essen aus. So zum Beispiel das eigentlich aus Ungarn stammende Gebäck Trdelnik, für mich gefüllt mit frischen Erdbeeren, Vanille-Glace und Schokolade. Yummy! Und natürlich Bier, dafür ist Tschechien schliesslich bekannt! Dank den jeweils über 20'000 Schritten pro Tag habe ich absolut kein schlechtes Gewissen, wir bewegen uns definitiv genug und ich bin schliesslich nicht auf einer Diät-Reise – pfff.
Das wunderschöne Schloss hat mich bereits beim letzten Besuch fasziniert, majestätisch trohnt es über der Stadt. Gegen Abend hatte es nur noch wenige Touristen und umso mehr genoss ich die Atmosphäre. Wie herrlich es doch ist, wieder reisen zu können und schöne Orte zu entdecken. Obwohl ich die Berge ein wenig vermisse und mich bereits wieder aufs Wandern freue, finde ich auch Städte irrsinnig spannend. Sie erzählen so viele Geschichten und wer zuhört, lernt viel über das Leben. Damit ich mich von allen Eindrücken erholen kann, werde ich nach der Tour nicht gleich nach Hause zurückkehren, sondern noch einige Tage am Meer verbringen. Wo das ist, verrate ich hier jedoch noch nicht. Aber es wird garantiert grandios! Und danach werde ich sicherlich noch einige Tage Zuhause und in den Bergen geniessen, um Energie zu tanken.
Nun sitzen wir im Bus und fahren in eine kleinere Stadt, deren Namen ich (noch) nicht aussprechen kann. Darauf bin ich besonders gespannt, weil ich zuvor noch nie davon gehört habe. Bis bald meine Lieben und einen wunderbaren Nationalfeiertag liebe Heimat!
28./29. Juli 2022 – Intensives Krakau und umständliche Reise nach Prag
Wir sind gestrandet. Am Arsch der Welt in Tschechien. Ostrava liegt neben der Grenze zu Polen und der Slowakei. Eigentlich hätten wir jetzt in Prag sein sollen, ich sehe mich in Gedanken auf dem Karlsplatz sitzen und ein kühles Bier trinken. Aber wie es so ist im Leben (auf Reisen sowieso), kann auch der beste Plan schiefgehen. Ein Unfall mit einem Lastwagen verursachte einen langen Stau, während rund zwei Stunden ging nix mehr. Und deshalb verpassten wir unseren Zug und warten nun weitere zweieinhalb Stunden. Um danach nochmals rund viereinhalb Stunden zu fahren, versteht sich. Wer mich kennt, weiss, dass mir lange (Zug-)Reisen nichts ausmachen. Da sich in der Zwischenzeit jedoch einige meiner Mitreisenden als leicht-nervige Quassler herausgestellt haben, bin ich froh, wenn ich ab und zu etwas „Karin-Zeit“ habe und mir nicht ständig ihre belanglosen Geschichten anhören muss. Versteht mich nicht falsch, ich mag alle, aber ich mag es auch meinen Gedanken Raum zu geben und dafür brauche ich Ruhe. Sagt die, die selbst gerne quasselt, nicht wahr? ;)
Den letzten Tag in Krakau verbrachten wir mit zwei grossen Touren, was sehr intensiv war. Morgens ging es in die Salzmine Wieliczka, wovon wir während drei Stunden nur rund 1% besichtigen konnten – so riesig ist diese stillgelegte Mine. In den endlosen Tunnel erfährt man viel über das äusserst gewinnbringende Geschäft mit Salz und ich war echt erstaunt, was sich aus Salz alles herstellen lässt. In der Mine ist praktisch alles daraus, so auch Böden, Statuen und sogar Kronleuchter (zumindest Teile davon). Der lokale Guide dort hat die Tour mit seinen witzigen Sprüchen aufgelockert und so verging die Zeit wie im Flug. Am Nachmittag bin ich etwas durch die Altstadt und Parks in Krakau geschlendert und hab mir alles nochmals in Ruhe angeschaut. Was für eine tolle Stadt, ich bin bestimmt nicht zum letzten Mal in Polen gewesen!
Gegen Abend fuhren wir mit zwei restaurierten Fahrzeugen aus den fünfziger Jahren nach Nowa Huta, einem ehemals kommunistischen Stadtteil. Als Konstrast zu Krakau wurden reihenweise Wohnhäuser um das riesige Stahlwerk gebaut, damit sollten vor allem Bauern und Arbeiter vom Land hergelockt werden. Die damals grösste Lenin-Statue von ganz Polen wurde damals aus nicht nachvollziehbaren Gründen dort hingestellt und sorgte für viel Aufsehen, heute steht sie anscheinend in einem privaten Museum in Schweden. Die Gebäude in Nowa Huta sind auf den ersten Blick unscheinbar und genau das war die Idee dahinter: Keine Klassenunterschiede und Wohnraum gekoppelt mit Arbeit in den Minen. Schön anzusehen ist es bis heute nicht, aber das Viertel mausert sich zu einer angesagten Wohn- und Freizeitgegend. Das stillgelegte Stahlwerk, damals das grösste in Polen, beinhaltet ein Museum. Unser Guide war Feuer und Flamme und erzählte uns während vier Stunden alles darüber. Für mich ein bisschen zu viele Infos, aber interessant war es allemal! Besonders toll fand ich die unterirdischen Gänge (ziemlich unheimlich, nur mit einer kleinen Taschenlampe ausgerüstet und nachts hindurchzulaufen…) und die Räume, die noch anno 1950 eingerichtet sind. Während des Kalten Krieges dienten die Bunker zudem als Schutzvorrichtung.
Sodeli, nun konnte ich etwas Zeit überbrücken und ihr freut euch hoffentlich über den neuen Blog. Mehr dann aus Prag, falls ich es bis dort hin schaffe ;)
27. Juli 2022 – Faszinierendes Krakau
Schlussendlich bin ich auf dem Fussboden gelandet, kein Witz. Hab es wirklich nicht mehr neben ihr ausgehalten und mich deshalb in das winzige Badezimmer auf den Boden gelegt, so konnte ich immerhin noch zwei Stunden mehr oder weniger schlafen. Nun ja, auch das gehört zum Reisen dazu – that’s part of the adventure, right? Carol war beschämt, als sie mich am nächsten Morgen dort fand und hat sich mehrfach entschuldigt. Natürlich war ich ihr nicht böse, aber Schlaf ist dennoch wichtig, vor allem während anstrengenden Reisen. Sie erzählte unserem Guide Karolina davon und nun habe ich mit Lucy einen neuen Roomie. Sie ist super leise und wir sind beide happy, dass wir ein Zimmer teilen. Lucy ist 26 Jahre und lebt in England, mit ihr und Rebecca von Brisbane verstehe ich mich wunderbar.
Nun erzähle ich euch gerne wie ich Polen erlebe. Auf der rund achtstündigen Busreise von Berlin nach Krakau konnte ich einerseits etwas Schlaf nachholen und andererseits ausgiebig die Landschaft begutachten. Mir sind dabei vor allem die riesigen Weizenfelder aufgefallen und die endlosen dunklen Wälder. Zwischendurch tauchten immer wieder kleine Dörfer in der Ferne auf. Diverse Male konnte ich Rehe entdecken, die ohne Scheu direkt neben der Autobahn grasten. Das Wetter hätte im Vergleich zum vorangegangenen Tag nicht unterschiedlicher sein können, statt 37 Grad und Sonne pur war es nur knapp über 20 Grad und es setzten immer wieder Regenschauer ein. Unsere Fahrt endete spät nachmittags in Krakau und was soll ich sagen, ich wurde sofort in den Bann dieser einzigartigen Stadt gezogen. Es ist anders als die europäischen Städte, die ich bis anhin besucht habe. Ich würde es als „spielerischer Mix aus diversen Architikturrichtungen gepaart mit freundlich aufgestellten Menschen und einem Hauch von Romantik“ bezeichnen. Und das Essen erst, yummi! Karolina ist hier aufgewachsen und zeigte uns die schönsten Plätze Krakaus und einige der rund 360 (!) Kirchen. Und sie führte uns in ein traditionelles polnisches Restaurant, wo wir Pilzsuppe in Brot (was für eine geniale Erfindung!) und deftige Knödel (liebe ich sowieso) bestellten und mit Bier anstossten. Heute probierten wir „Pączki“, polnische Berliner. Diese gibt es hier mit allen erdenklichen Füllungen, Cheesecake fand ich besonders lecker. Nun aber genug vom Essen und zu etwas Ernsthaftem:
Ein Besuch in den Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau ist meines Erachtens Pflicht, wenn man hier ist. Da ich bereits in Sachsenhausen war und vor drei Jahren die Killing Fields in Kambodscha besucht hatte, war ich gedanklich vorbereitet. Dennoch lief es mir auch heute wieder kalt den Rücken runter, als wir durch die Gaskammern und Unterkünfte liefen. Ich sehe an solchen Orten jeweils Bilder vor mir, die mich erschaudern lassen. Unfassbar, was hier passiert ist und mir wurde einmal mehr bewusst, wie priviligiert wir doch waren/sind.
Zurück in Krakau besuchten wir das unterirdische Museum. Richtig gelesen, unterirdisch. Und zwar nicht im Sinne von schlecht ;) Vor einigen Jahren entdeckte man, dass sich unter dem Marktplatz unzählige Bauwerke und Gräber befinden. Nach den Ausgrabungen wurde 2010 ein Museum dafür eröffnet, wie es wohl kein zweites auf der Welt gibt. Ich fand es äusserst faszinierend durch die freigelegten Gänge zu laufen und mir die Geschichte Polens zu Gemüte zu führen. Danach besichtigten wir das Schloss und besuchten die Markthalle, welche allerhand Schönes zu bieten hat. ein goldener Ring mit einem Harzstein - Polen ist sehr bekannt für solche Schmuckstücke - hat es mir besonders angetan, man gönnt sich ja sonst nichts… Joking! Müde von diesem ereignisreichen Tag geniesse ich nun die Ruhe im Hotel und freue mich auf morgen – es gibt wieder viel zum Entdecken und Erleben :)
26. Juli 2022 – Schlaflos in Berlin
Es ist 2 Uhr nachts und ich liege hellwach im Bett. Und bin kurz vor dem Durchdrehen, was definitiv nichts alltägliches ist bei mir. Ich wusste ja, dass es mich auf die Palme bringen kann, aber ich wusste nicht wie sehr. Es ist echt übel und egal was ich versuche – Ohrstöpsel rein, Kissen über den Kopf, Musik hören, Meditieren, lesen – ich kann das Geräusch neben mir nicht ignorieren. Sogar geweckt hab ich sie, zwei Minuten später ging es wieder los. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie laut es ist, Deutschlands Wälder sind vermutlich nicht mehr vorhanden morgen… Ich bin sogar schon eine Runde durchs Hotel gelaufen, um mich zu beruhigen und in der Hoffnung, dass es aufhört. Beim Schnarchen hört der Spass auf, toleranter Mensch hin oder her. Diesen Trigger krieg ich nicht weg, egal wie sehr ich es möchte. Aber was bringt es mir? Respektive wie werde ich ihn los? Irgendwelche Tipps eurerseits? Help, please!
Nun geht das Schnarch-Konzert weiter, in voller Lautstärke und über mehrere Stimmen hinweg. Irgendwie schon fast faszinierend, welche Töne sie innert kürzester Zeit entstehen lassen kann. Um mich abzulenken, überlege ich mir verschiedene Lösungsansätze, komme jedoch auf keinen grünen Zweig (Palme hin oder her…). Das Raustippen meines Frustes ist hilfreich, das beruhigt meine angespannten Nerven. Und die Gewissheit, dass diese Nacht bald vorbei ist und ich im Bus etwas Schlaf nachholen kann. Und ich suche das Gespräch, denn weitere schlaflose Nächte möchte ich vermeiden, egal ob in Berlin oder anderswo. Und jetzt gehe ich nochmals eine Runde spazieren, denn hier liegen kostet mich wirklich den letzten Nerv.
25. Juli 2022 – Heisses Berlin
37 Grad! So heiss war es heute, da schwitzt man definitiv nur einmal… Bereits gestern war es ziemlich warm und meine Gruppe konnte nicht verstehen, dass es hier nur wenige Klimaanlagen gibt. Sie seien sich das gewoht, soso. Ihr fragt euch jetzt sicher, woher meine Reisegspändli sind. Was soll ich sagen, das Schicksal scheint es einmal mehr gut mit mir zu meinen resp. der Wunsch, mein Englisch zu verbessern, wird definitiv wahr werden. Es sind nämlich Amerikaner, Engländer, Australier, Schotten und Kanadier. Und eine Belgierin, welche flämisch spricht. Also nix mit Deutsch, gut so! Ich merke bereits nach einem Tag, wie mein Englisch deutlich besser wurde und ob ihr es glaub oder nicht, ich denke bereits in Englisch. Zu Beginn war ich erstaunt, dass einige der Teilnehmer mindestens doppelt so als sind wie ich. So zum Beispiel die 73-jährige Carol aus Ohio, welche mit mir das Zimmer teilt. Kleiner Einschub: Da auf der Zimmerliste Karin & Carlo stand, war ich doch etwas erstaunt und machte mich gwundrig und gleichzeitig etwas angespannt auf den Weg ins Zimmer. Da kam mir plötzlich eine plappernde ältere Dame entgegen und sagte so was wie „ich kann nicht glauben, dass ich mein Zimmer mit einem Herrn teilen soll.“ Ich musste lachen und erzählte ihr, dass das bei mir anscheinend auch der Fall sei und wir diskutierten, ob das wirklich stimmen könne. Bis sie ihren Namen nannte und es Klick machte, Carlo sollte wohl Carol heissen ;)
Die meisten meiner Mitreisenden sind auch Solo Traveller, viele von ihnen haben bereits tolle Reisen hinter sich und ich lausche gerne ihren Erzählungen. Besonders die pensionierten Männer scheinen schon viel erlebt zu haben und ich denke mir jedes Mal „ich will auch mein Leben lang reisen können“ – how cool is that?! Was mich echt erstaunt hat, ist, dass die meisten (ehemalige) Lehrer sind. Ich bin also in bester Gesellschaft und lerne nebst Englisch noch viel Hilfreiches.
Während ich diesen Blog schreibe(n wollte), traf ich in der Lobby auf Rob. Rob ist aus Schottland und ein wenig älter als ich. Auch er ist Lehrer und mit ihm kann man wunderbar über die Schwierigkeiten des Lebens diskutieren, besonders mit zwei Bier im nüchternen Magen ;) Später kamen einige der anderen dazu und wir hatten einen tollen Abend zusammen. Nun bin ich in der Gruppe angekommen und freue mich auf die nächsten zwei Wochen mit ihnen. Mein Trip wird dann noch nicht zu Ende sein, mehr verrate ich an dieser Stelle jedoch (noch) nicht.
Nun noch kurz etwas über meinen Tag in der Hauptstadt Deutschlands: Nach einer zweistündigen Walking Tour mit unserer Reiseführung Karolina (sie ist aus Polen), besuchten wir den Checkpoint Charlie. Da ich bereits zweimal in Berlin war, kannte ich es bereits. Wie bereits gestern, als ich durch den Flohmarkt beim Maybachufer umherschlenderte, spürte ich die Stimmung dieser Orte. Beim Juden-Denkmal fand ich es erneut sehr intensiv. Geschichte interessiert mich und was noch wichtiger ist – sie berührt mich. Nach dem Besuch dieser Denkmäler setzten wir uns zu viert in einen Bus und fuhren in der brütenden Hitze durch die Stadt. Ein super leckeres Mittagessen auf einer schönen Dachterrasse, wo ich bereits einmal war, rundete das Erlebnis ab. Am Abend gab es ein unerwartetes Gewitter und als ich im leichten Regen auf der Schillingbrücke stand und den doppelten Regenbogen betrachtete, dachte ich einmal mehr „für solche Momente leben wir“. Ich ich weiss: Unzählige weitere werden folgen, morgen bereits in einem anderen Land etwas östlicher. Genug für heute, ich schlüpfe nun mit einer wohligen Müdigkeit in die Laken und hoffe, dass Carlo äh Carol nicht zu laut schnarcht ;)
24. Juli 2022 – Ich bin dann mal weg…
Auszeit. Oh ja, nun bin ich angekommen in meiner Auszeit, wie ich es gerne nenne. Wie ihr vielleicht gesehen habt, konnte ich mich bereits richtig austoben und genoss die letzten zwei Wochen in vollen Zügen. Einige strenge, aber äusserst lohnenswerte Wanderungen hab ich unternommen, bin in diverse füdli-läien Seen gehüpft, konnte wunderschöne Sonnenuntergänge bestaunen und hatte endlich mal wieder (mehr) Zeit für Familie und Freunde. Nicht zu vergessen die frühmorgendliche Kanu-Tour, auf welcher die Sonne genau zwischen den beiden Gipfeln des Vitznauer- und Gersauerstocks aufging und mir einen unvergesslichen Moment auf dem Vierwaldstättersee bescherte. Es tut soooo gut!
Nun sitze ich seit sieben Stunden im Zug nach Berlin. Hört ihr das bekannte Lied auch direkt im Ohr? „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…“. Mit Wir meine ich mich und meine unzähligen Mitreisenden, die ebenfalls im vollen Zug sitzen und mir fremd sind. Zwei interessante Exemplare habe ich bereits kennengelernt. Auf dem ersten Zug von Luzern Richtung Olten wollte mir ein junger Herr aus Solothurn auf Biegen und Brechen erklären, wie man eine schwangere Frau in Seitenlage bringen solle. Aha. Und warum er mich ständig sieze. Das war auch komisch, aber eher nachvollziehbar. Seine Erklärung dazu: „Ich bin seit drei Wochen Sani im Militär und kann nicht mehr abschalten.“ Ja, das merkt man… Dass er sich gestern – wie er erläuterte – einige Hirnzellen weggesoffen habe, verstärkte seine sinnlosen Auführungen. Ich jedoch hatte meine wahre Freude daran ihm und den anderen beduselten Fahrgästen zu lauschen. Wie lustig es doch sein kann, wenn man nüchtern den Betrunkenen zuhört. Oder auch nicht ;)
Seit Karlsruhe sitzt eine junge sympathische Deutsche neben mir, welche kürzlich aus Schweden zurückkam, wo sie zwei Jahre studierte und nun nicht weiss, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Also analysierten wir ihre Interessen und Fähigkeiten, um einige Möglichkeiten zu diskutieren. Zudem philosophierten wir etwas über die aktuelle Wirtschaftslage, die Herausforderungen in der Arbeitswelt und verschiedene Reisedestinationen. Ich mag es, dass ich bereits am ersten Tag wieder interessante Menschen kennenlernen durfte und bin nun äusserst gespannt auf meine Reisegruppe, welche ich heute Abend in Berlin treffe. Welche Nationalitäten werden vertreten sein? Welche Sprachen? Welche Altersgruppen? Und natürlich: Welche Charaktere? Wir werden es sehen, spannend wird es auf jeden Fall! Nun nehme ich mir aber nochmals eine kleine Auszeit, höre meine Lieblingsmusik, schaue die vorüberziehende Landschaft an und freue mich auf das bevorstehende Abenteuer. Ihr dürft gespannt sein, was ich alles vorhabe.
PS: Und ja es stimmt, es sind gefühlte alle Deutschen mit der Bahn unterwegs. Das 9-Euro-Ticket lässt grüssen… Und an die Maskenpflicht musste ich mich auch kurz gewöhnen. Dafür sind die Züge pünktlicher als erwartet, bin bald in Berlin :)
PPS: Bei einem ersten Spaziergang durch Berlin sind bereits einige Bilder entstanden, damit habt ihr was zum Gucken.