Es ist kurz nach halb vier nachmittags und ich sitze in der Sand Bar. Das Wetter hat umgeschlagen, am Himmel ziehen dunkle Wolken auf und der Wind bläst kräftig. Es fängt wohl bald an zu regnen. Bereits gestern Abend und heute Morgen gab es kurz einige Schauer, welche man von der Insel aus übers Meer her kommen sieht und sich dementsprechend Schutz suchen kann. Normalerweise habe ich mich in meinen Bungalow zurückgezogen und aus dem Bett zugeschaut, wie der Regen gegen die Fensterscheiben spritzt und die Wellen immer hoher wurden. Der Bungalow fängt sich dann jeweils leicht an zu bewegen. Was ich in der ersten Nacht noch für ein Erdbeben hielt, ist nun normal und das leichte Schaukeln empfinde ich als angenehm. Wisst ihr, was ich auch jeden Tag vom Bungalow resp. besser gesagt von meinem Bett aus sehen konnte? Den Sonnenaufgang! Zwar etwas früh so nach 5 Uhr, aber ich genoss den Anblick dermassen und schlummerte kurze Zeit später jeweils wieder ein, bis mich die Wärme der Sonne ganz aufweckte.
Während ich hier sitze und ein letztes Mal auf meiner Trauminsel an einem Ginger Ale nippe, lasse ich die letzten Tage (und Wochen) Ruvue passieren. Unterbrochen werde ich lediglich von den Angestellten und Gästen, die mir beim Vorbeigehen zuwinken. Es hat nicht lange gedauert, bis sich rumgesprochen hat, dass ich Deutsch spreche und nun kommen alle Deutschen immer zu mir zum Plaudern. Irgendwie härzig. :) Sogar das asiatische Päärchen, das mit mir auf einem Bootsausflug war und sich kaum getraut hat neben mich zu setzen, sagt nach drei Tagen nun Hallo. Auch Schweizer*innen hab ich kennengelernt, lustigerweise sind alle aus der Ostschweiz und es hat eine Weile gedauert, bis ich geschnallt habe, dass es wirklich Mundart ist. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich den Kontakt mit den anderen in den letzten Tagen nicht gross gesucht habe. Ich wollte bewusst runterfahren und viel Karin-Zeit haben, was mir auch sehr gut getan hat. Wisst ihr, in welchen Momenten ich besonders innehalten konnte? Beim Tauchen und Schnorcheln! Das lag aber daran, dass ich jeweils vergessen habe zu atmen, wenn wieder ein Hai vor oder neben mir auftauchte. Hier gibt es sehr viele Riffhaie, welche ich so nah noch nie bestaunen konnte. Die meisten sind wohl ungefähr gleich gross wie ich, also klein und putzig. ;) Über die unterschiedlichsten Fischarten in allen Farben und Grössen habe ich auch nicht schlecht gestaunt! Einige sind sehr neugierig und schwimmen einem direkt vor der Taucherbrille durch. Und der kleine Rochen, der majestätisch wie ein Vogel durchs seichte Wasser glit, war ein weiteres Highlight. Nur die Schildkröten waren mir vergönnt. Obwohl ich mich informiert habe, bekam ich keinen zu Gesicht, die scheinen sich vor mir zu verstecken… Dann halt nächstes Mal, man kann nicht immer alles haben. Ah ja, eine witzige Story vom Schnorcheln gibt es auch noch: Gestern bin ich wieder bis zur Riffkante geschwommen, was ziemlich anstrengend ist. Habe mich im Wasser treiben lassen und gebannt die Meerestiere beobachtet, bis plötzlich etwas grosses Gelbes neben mir auf der Wasseroberfläche auftauchte. Nils, ein Mitarbeiter der Tauchschule, war mit seinem Kajak draussen und erklärte mir, dass er seine Taucherbrille verloren habe. Habe sie daraufhin gesucht und tadaaa - gefunden. Kurz runtergetaucht und Nils war wieder happy.
Fast zwei Jahre nach meinem Tauchbrevet in Mexiko war es endlich wieder mal Zeit für einen Tauchgang. Also buchte ich einen Refresher bei der kleinen Tauchschule. Maria, meine Tauchlehrerin aus Argentinien, hat sich zu Beginn wohl gefragt, wie um Himmels willen ich ächt den Open Water Diver bestanden habe. Ich hab mich aber auch doof angestellt… Spätestens im Wasser war mir dann wieder alles klar und so ging es wenige Minuten später auch schon in die Tiefe. Das Tarieren gelang mir erstaunlich gut, nur meine Ohren machten wieder Probleme. Auch jetzt, drei Tage später, höre ich noch nicht zu 100% und spüre einen leichten Druck. Hoffen wir, dass sich das in der Luft nicht verschilmmert und bald verschwindet. Mit Maria bin ich am Vormittag dem Hausriff entlang getaucht und am Nachmittag mit dem Boot zu einem anderen Riff gefahren. Dort konnten wir sogar bis 20 Meter tief tauchen, was ich bisher noch nie gemacht habe. Wieder an Land war ich komplett erschöpft, aber ihr hättet meine strahlenden Augen sehen sollen! Nach mehreren Schnorchelngängen alleine, ging ich gestern noch mit auf eine geführte Tour. Das aber ehrlich gesagt mehr, um mal von der Insel weg zu kommen und ich liebe es bekanntlich vorne auf einem Boot zu sitzen, mit den Wind in den Haaren und dem Salzgeschmack der Wellen auf den Lippen. Am besten noch mit guter Musik in den Ohren - was will man mehr?
Übrigens war ich nicht nur einmal mit dem Boot unterwegs, sondern mehrfach. Einerseits für den halbstündigen Transfer von Malé auf Thulhagiri und zurück, welcher ganz schön holprig war. Vor allem vorher auf dem Weg zum Flughafen, als es tatsächlich einen kleinen Tropensturm gab. Andererseits für die Sonnenuntergangsfahrt, welche ich bereits angetönt hatte. Tatsächlich sahen wir springende Delfine und einen Regenbogen, das war wirklich schön! Nachdem ich mir den Bauch wieder dermassen vollgestopft habe - das Essen ist einfach zuuuu gut - lief ich dem Strand entlang. Zum Glück habe ich keine Vollpension gebucht, sonst müsste ich nun mein Leben lang nur noch Salat essen nach diesen fünf Tagen. So sind nur 5 Jahre nötig. ;) Item, am Strand war erstaunlicherweise keines der verliebten Pärchen anzutreffen. Also Ich hätte meine Begleitung definitiv dahin geschleppt. Den Sternenhimmel anzuschauen, während die Wellen sanft auf den Sand treffen, ist magisch. Die Sternschnuppen hätte ich sogar geteilt. ;)
Diese fünf Tage waren definitiv meine teuersten Ferien bisher. Hat es sich gelohnt? Auf jeden Fall! Die Malediven sind etwas Besonderes, was ich so noch nie gesehen habe - und ich habe schon Vieles gesehen, wie ihr wisst. Würde ich es wieder machen? Absolut! Ich hoffe ja sehr, dass es diesen wunderschönen Ort mitten im Ozean auch in einigen Jahren noch gibt und ich zurückkehren kann. Vielleicht nicht mehr auf Lovers Paradies, aber es gibt ja noch genügend andere Inseln. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir diesen Kindheitstraum erfüllen konnte und werde das Plätschern des Meeres und die Sonne im Gesicht noch lange im Herzen tragen. Schön, dass ihr mich bei dieser Reise begleitet habt und ich meine Erfahrungen mit euch teilen konnte. Es erstaunt euch wohl nicht, dass in meinem Kopf bereits die nächsten Pläne entstehen… Wer weiss, wo es mich dann wieder hinzieht? Bis bald ihr Lieben!
Als Kind habe ich mir oft vorgestellt, wie es wohl wäre, eines Tages auf einer kleinen Insel zu sein. Umgeben von türkisem Wasser und mit blutten Füssen im weissen Sand. Die Insel ist so klein, dass man vom einen Ende zum anderen sieht. Delfine tummeln sich im Wasser und Schildkröten sonnen sich am Strand. Nun ja, Delfine und Schildkröten hab ich noch keine gesehen. Alles andere hier ist tatsächlich sehr ähnlich wie in meiner Vorstellung von einer Trauminsel. Das kleine Paradies heisst Thulhagiri und befindet sich im Nord-Atoll der Malediven. 300 Meter lang und 200 breit, so dass man in einigen Minuten um die ganze Insel gelaufen ist. Hätte es keine Bungalows, würde man tatsächlich ans andere Ende sehen. Die Insel ist rein touristisch, es leben also keine Einheimischen hier. Einwohner gibt es trotzdem, so konnte ich bereits kunterbunte Wellensittiche beobachten und ein Tier, das einem Chameleon gleicht, aber wohl keines ist. Und natürlich die Unterwasserwelt, die ich erst noch richtig entdecken werde. Vom Steg aus konnte ich bereits einen kleinen Hai sehen und beim Schnorcheln grosse farbige Fische (fragt mich nicht was das war, ich habe absolut keine Ahnung…). Da es heute recht windig ist, war ich nur kurz von meinem Bungalow aus schnorcheln. Die Malediven sind bekannt für ihre unberechenbaren Strömungen und ich wollte kein unnötiges Risiko eingehen. Ah genau, mein Bungalow - auch so toll wie in meiner Vorstellung! Um zu ihm zu gelangen, läuft man über einen langen Holzsteg. Öffnet man die Eingangstüre, sieht man das Entrée und das riesige „Wohnzimmer“ mit Doppelbett, mehreren Stühlen und Tischen. Durch eine Glasscheibe blickt man hinunter aufs Wasser und durch die grossen Fenster direkt auf den Ozean. In einiger Entfernung entdeckt man Malé, den Hauptort der Malediven und weitere, kleinere Inseln. Im Badezimmer gibt es nebst der Dusche eine Badewanne. Fast ein bisschen übertrieben, wenn das Meer einem direkt zu Füssen liegt, nicht? Apropos Meer, das Allertollste wisst ihr ja noch gar nicht… Auf meinem Balkon direkt über dem Wasser gibt es nicht nur viel Platz für Liegestühle, sondern auch einen direkten Zugang ins Wasser. Ich musste schön lachen, als sich die ganzen Krebse blitzartig verzogen haben, als ich das erste Mal die Leiter runterstieg.
Obwohl die Insel klein ist, gibt es hier sehr viel zum Entdecken und vor allem zum Erleben. Morgen werde ich seit knapp zwei Jahren wieder mal tauchen gehen. Etwas mulmig ist es mir ehrlich gesagt schon zumute, aber ich freue mich auch sehr darauf, dieses unglaubliche Gefühl unter Wasser wieder mal zu spüren und wortwörtlich abzutauchen. Für den Tag darauf habe ich zudem eine Sonnenuntergangstour auf einem Boot gebucht, hoffentlich inklusive Delfine und Schildkröten. ;) Die restliche Zeit werde ich mit Baden, Sönnelen, Lesen, Schreiben und Essen verbringen. Essen definitiv, denn die Auswahl hier ist überwältigend. Trotz vielen Hotels habe ich noch nie ein derart grosses Buffet gesehen, dass auch noch so viele feine Speisen bietet. Yummy! Sollte ich vielleicht doch auch mal noch ins Fitness hier? Mal schauen :)
Thulhagiri heisst übrigens auch „Lovers Paradies“. Tatsächlich bin ich umgeben von unzähligen verliebten Päärchen und wohl die einzige ohne Begleitung hier. Vor vier Jahren in Phu Quoc empfand ich das Alleinesein noch als viel schwieriger, nun ist es absolut okay und ich mache mir einen Spass daraus, die Leute zu beobachten und mich beobachten zu lassen. Aktuell sitze ich in der Bar und der DJ spielt laute Bravo-Hits-Songs. Mit dem Kopf wippend tippe ich diesen Blog und schaue immer wieder umher. Es hat viele Deutsche hier und auch Mundart konnte ich bereits hören. Irgendwie geniesse ich es grad noch so alleine resp. wünsche mir meine Buddies von Sri Lanka zurück, zu diesen Musik hätten wir definitiv getanzt und das Buffet wäre auch von allen gefeiert worden. Nun ja, alles hat ein Ende und die schönen Erinnerungen bleiben mir ein Leben lang erhalten.
Zum Verarbeiten aller meiner Eindrücke der Reise und all dem, was in den letzten Wochen passiert ist, nehme ich mir aber auch bewusst Zeit. Das Leben ist definitiv nicht stehen geblieben und die Veränderungen haben wohl eben erst begonnen. Irgendwie schon lustig, wie sich vor und während meiner Reisen immer unglaublich viel ansammelt und mich dann wie eine grosse Welle erfasst. Aber hey, obwohl ich Surfen bisher noch nie ausprobiert habe - Wellen reiten kann ich und wenn ich‘s mal nicht aufs Brett schaffe, dann schaut sicher der Kopf zum Wasser raus. ;)
27. November bis 2. Dezember 2023
Wie die Zeit verfliegt… Ich kann fast nicht glauben, dass schon wieder so viele Tage vergangen sind. Wir haben aber auch viel erlebt! In der Zwischenzeit sind wir in Mirissa, einem ziemlich touristischen Städtchen an der Südküste Sri Lankas. Ich sitze frühmorgens auf dem Balkon unseres wunderschön verzierten Bungalows und kann das Meer durch die Palmen hindurch sehen. Die hohen Wellen höre ich bis hier und weil ich bereits einige Male baden war, kann ich euch bestätigen, dass sie sehr kraftvoll sind (Unterwasser-Burzelbaum lässt grüssen…). Das Rauschen der Wellen wird durch Vogelgezwitscher und etwas anderem unterbrochen, ratet mal von was? Nein, nicht das Schnarcheln von Mary - das wurde glücklicherweise wieder deutlich besser. Das laute Geräusch, welches mich bereits einige Male geweckt und erschrocken hat, stammt von einem Pfau. Einer sitzte vorhin auf unserem Balkongeländer und hat ganz schön laut geschrieben, das klingt etwa wie eine rammlige Katze und ist somit mässig angenehm. Von meinem Stuhl aus sehe ich aktuell drei Pfaue, einer davon sitzt auf einer Palme und ich muss zugeben, dass ich bisher nicht wusste, wie gut Pfaue fliegen können. Geschweige denn wusste, welchen Krach sie machen. ;)
In den letzten Tagen haben wir diverse Wanderungen resp. längere Spaziergänge unternommen. Letzteres trifft es wohl besser, aber ich muss zugeben, dass es hier auch kleinere Berge gibt, auf die man kraxeln kann. Durch die Teeplantagen zu laufen hat aber genauso seinen Reiz, besonders im Landesinneren, wo es relativ hügelig ist und man eine tolle Aussicht hat. Die vielen kleinen Blutegel, welche sich sofort an unseren Beinen und sogar an meinem Arm festgesaugt haben, waren hingegen weniger toll. Igitt! Auch die Mücken sind sehr aufdringlich, es benötigt definitiv jeden Tag mehrfach Insektenspray für die Haut und Kleidung. Mit einem Zwinkern erklärten uns die zwei Arbeiter der Teeplantage, welche uns auf der Wanderung begleiteten, warum vor allem Frauen hier arbeiten. Um Teeblätter zu pfücken braucht es eine gewisse Präzision und Ausdauer, welche von Frauen deutlich besser erledigt werde als von Männern, wie die Erfahrung zeige. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. ;) Die fleissigen Frauen füllen die Säcke auf ihrem Rücken mit tausenden Teeblättern, bis sie ungefähr 8kg wiegen und tragen die Säcke dann den Hügel hinauf. Wenn sie genügend Teeblätter gesammelt haben, erhalten sie pro Tag 1‘500 Rupees, was umgerechnet 4.5 Franken sind. Erreichen sie es nicht, erhalten sie nur knapp 2 Franken pro Tag. Solche Vergleiche lassen mich immer wieder schätzen, was ich habe.
An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen, wie unglaublich fröhlich und freundlich ich die Menschen hier wahrnehme. Ich wurde noch nie in meinem Leben so häufig angelächelt oder es wurde mir zugewunken. Gefühlt alle, von Kindern bis zu ganz alten Menschen, schenken mir ihr Lächeln. Vielleicht liegt es an meinen hellen Haaren oder meinen Augen? Dieses Phänomen kenne ich von andern Ländern resp. Kulturen, hier scheint es mir aber weniger aufdringlich zu sein. Meistens jedenfalls. Jon und Kim müssen jeweils lachen, wenn mir zugewunken wird und ich gar nicht mehr aufhören kann zurück zu winken und zu grinsen. Wie einfach es doch ist, jemandem ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Ob ich Zuhause wohl für verrückt gehalten werde, wenn ich damit einfach weitermache? :)
Da es mir schwer fällt die vergangenen Tage auseinander zu beindeln, fasse ich sie hiermit zusammen: Unsere Fahrt ging weiter durch die hügelige Landschaft und die steilen Kurven. Hier gibt es keine Geländer oder andersweitige Sicherungen und an einigen Stellen gab es grössere Erdrutsche. Irgendwie fühle ich mich aber immer sehr sicher im Reisebus und mache mir wenig Gedanken über die Gefahren. In Ella haben wir uns die bekannte Nine Arch Bridge angeschaut und uns wie kleine Kinder gefreut, als der Zug dann auch tatsächlich kurze Zeit später über die Brücke fuhr. Dass es in Strömen geregnet hat, war uns so was von egal. Unser Tuk Tuk hat auf dem Rückweg den Hügel hinauf jedoch schlapp gemacht und so mussten wir es kurzerhand stossen - wenn man dazu nicht zu faul war wie gewisse Engländer. ;) Ich muss Jon ansonsten zwar in Schutz nehmen, hat er mir doch den ganzen Tag den Regenschirm gehalten und mir bei den sehr rutschigen Stellen hochgeholfen.
Mit dem Zug fuhren wir eine kurze Strecke bis nach Idalgashinna, von wo aus wir wieder einige Stunden wanderten. Die Landschaft ist einmalig und trotz vieler Wolken war es sehr heiss und schwül, so dass uns der Schweiss unmittelbar über den Rücken lief. Nach der Wanderung besuchten wir Einheimische, welche uns das Töpfern erklärten. Als ungeduldiger Mensch habe ich es gar nicht erst probiert, Kim hat allerdings eine ganz gute Figur dabei gemacht. Beim eindrücklichen Ravana Wasserfall machten wir einen kurzen Touri-Stopp. Abgelenkt von den vielen frechen Affen fiel mir der Deckel meiner GoPro aus der Hand und verschwand - wie könnte es anders sein - zwischen den Gitterstäben. Es bildete sich eine Traube von Männern, welche mit Stöcken und Kaugummi versuchten an das Teil heranzukommen und sie wurden dabei von den Umstehenden angefeuert. Als es unserem Fahrer dann tatsächlich gelang und er mir den Deckel feierlich überreichte, war das Gejubel gross und ich sehr dankbar. Dass meine GoPro kurze Zeit später unglücklich runtergefallen ist und die Linse nun leicht zersplittert ist, erstaunt wohl niemanden… Wenn wir schon dabei sind: Natürlich war auch ich diejenige, die bei der Wanderung ausgerutscht und unsanft auf ihrem Allerwertesten gelandet ist. Seither höre ich von den anderen ständig den englischen Slang für diese Aktion, immerhin was gelernt. ;) Und ich schaffte es auch meine wasserdichte Tasche zu fluten, was sich nun wirklich nicht erklären lässt. Dummbatz eben.
Unsere nächste Station war das Jungle Camp, wo wir in einem Zelt übernachteten. Ich muss dazu sagen, dass es deutlich glamouröser war als angenommen. Die Zelte waren wie Hotelzimmer ausgestatet und wir hatten sogar unser eigenes Badezimmer im Zelt - Clamping also. Am Abend machten wir ein Barbecue und tanzten später noch Salsa, was für ein Spass! In der Nacht hörte ich Schritte um unser Zelt herum und allerlei Tiergeräusche. Da fragt man sich manchmal schon, was alles so unterwegs ist… Item, es war jedenfalls eine tolle Erfahrung. Am nächsten Tag besuchten wir die Reisfelder in der Umgebung und schauten den Bauern beim Pflügen zu. Auch hier kamen Einheimische aus ihren Häusern, um uns zu begrüssen und - so gut das Englisch eben ausreichte - mit uns zu sprechen. Übrigens fragen wir jeweils, ob wir ein Foto machen dürfen und geben etwas Geld dafür. Besonders bei Kindern bin ich sehr vorsichtig, erhalte jedoch immer das Okay und ihr solltet mal die strahlenden Gesichter sehen, wenn ich ihnen die Fotos jeweils auf meiner Kamera zeige und mich bedanke.
Ziemlich spontan buchten wir noch ein Whale Watching, natürlich in der Hoffnung, Wale zu sehen. Nun, was soll ich sagen… Wir haben zwei Wale gaaanz kurz gesehen, haben aber keine Schimmer welche. Jeder hat was anderes gesagt. Wenn ihr mich fragt, dann können wir einen Blauwal wohl eher ausschliessen, das wäre ja auch zu schön gewesen. Auch einige Delfine tummelten sich im Wasser. Dafür um 5 Uhr aufzustehen und sechs Stunden über die recht raue See zu schippern, hat sich aber ehrlich gesagt nicht wirklich gelohnt… Zu Beginn konnte ich es noch geniessen, irgendwann ergaben sich aber einige an Board und auch mir wurde zunehmend schlecht. Egal, es kann nicht immer alles perfekt laufen und wir hatten dennoch eine gute Zeit zusammen.
Galle ist deutlich moderner und dennoch sehr geschichtsträchtig. Bei einem Spaziergang wurde uns der Einfluss der Holländer, Engländer und Portugiesen erklärt. Eine Festung, so gross wie ich es vorher noch nie gesehen habe, beschützt den Ort seit Jahrhunderten. In den kleinen schmucken Läden kauften wir uns Vintage Postkarten als Erinnerung, welche sicherlich bald an meinen Wänden in Luzern hängen werden. Wie immer suchte ich auch ein Schmuckstück aus, welches ich Zuhause tragen kann und mich an die Reise erinnern soll. Ich entschied mich für ein rötliches Armband mit Edelsteinen, deren Bedeutung sehr gut zu meinem Leben passt.
Zum Abschluss dieses Blogs möchte ich noch etwas zu den letzten beiden Tagen in Mirissa und Colombo schreiben. Mirissa ist wie eingangs erwähnt ein touristischer Ort an der Südküste. Und gilt als das Surf-Paradies Sri Lankas, was ich mir bei diesen hohen Wellen definitiv erklären kann. Als Jon und ich uns schwimmend auf eine kleine Insel wagten, mussten wir aufpassen, dass uns die Wellen nicht zu fest an die Felsen drückten. Dabei habe ich mir den Fuss verletzt, was zwar immer noch etwas schmerzt, aber halb so wild ist. Das kleine Abenteuer hat sich definitiv gelohnt, denn von der Insel aus hat man eine schöne Aussicht über die ganze Bucht. Nachdem Jon seine versprochenen und äusserst männlichen Posen aufgeführt hat (davon gibt es zwar Fotos, welche ich aber nicht hier posten darf - auch ein Versprechen) und ein Regenschauer über uns zog, machten wir uns auf den Rückweg. Als Abwechslung gab es mal Pizza statt Curry zum Abendessen, was von allen gefeiert wurde. Nur das Zmorgebuffet ist immer das selbe überall und abgesehen von den super feinen Ananas, Mango und Pancakes kann ich es nicht mehr sehen. In Mirissa gibt es auch den bekannten Coconut Tree Hill, welchen wir uns am frühen Morgen anschauten. Um dahin zu gelangen, liefen wir zu zweit den Strand entlang und kraxelten mehrfach steile Stellen hoch. Uns wurde zwar gesagt, dass es einen einfacheren Weg gibt, aber einfach ist bekanntlich für Anfänger. :) Als wir auf dem Hügel ankamen, waren bereits die ersten Instagrammer am Werk: Es wurde fleissig gepost und sich zur Schau gestellt, ein herrlicher Anblick. Natürlich brauchten auch wir ein Foto, welches vergleichsweise aber sehr langweilig daherkommt. ;) Mit dem Bus fuhren wir anschliessend nach Colombo, wo unsere Tour enden sollte. Vor unserem gemeinsamen Abendessen hatten wir zwei Stunden Zeit, was für einen Spaziergang an die Küste und zum Galle Face Luxushotel reichte. Hier zahlten wir ausnahmeweise nicht nur wenige Franken für einen Drink, die Atmosphäre war jedoch unbezahlbar und zusammen mit Mary, Stephen, Kim und Jon genoss ich den Sonnenuntergang. Nach einer wilden Tuk Tuk-Fahrt bin ich kurz unter die Dusche gehuscht und schon trafen wir uns alle zusammen im Restaurant.
Ein letztes Mal die Happy Hour ausnutzen, das leckere Essen teilen und gemeinsam laut lachen - oh wie werde ich diese Gruppe vermissen! Einige sind mir dermassen ans Herz gewachsen, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, ohne sie weiter zu reisen. Schon faszinierend, wie eine Reise Menschen verbinden kann. Seit Neuseeland weiss ich, dass Reisefreundschaften auch nach Jahren noch sehr gut funktionieren können. Mädels, damit seid ihr gemeint! Ich glaube, dass wenn man Menschen trifft, die einem sehr ähnlich sind und mit denen man viel erlebt hat, eine starke Verbindung entstehen kann. Diese Verbindung muss aber natürlich auch gepflegt werden und das ist nicht immer einfach. Und auch wenn dies nicht gelingen sollte, bin ich unglaublich dankbar für die tollen Momente in Sri Lanka, welche ich mit diesen grossartigen Menschen aus aller Welt teilen durfte. Ich sage euch nicht goodbye, sondern see you soon. Thanks a million for being such wonderful travel buddies and thanks Sri Lanka for the unforgettable memories!
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr genau am richtigen Ort seid? Auch wenn es um euch herum vielleicht sehr laut ist, viele Menschen da sind oder es etwas muffig riecht? Ihr merkt, dass ihr genau da seid, wo ihr sein sollt? So ging es mir gestern im Zug von Kandy nach Bandarawela. Mit leichten Kopfschmerzen wegen der Hitze, etwas übermüdet von einer schnarchvollen Nacht und auf engen Bank sitzend, betrachtete ich die vorüberziehende Landschaft und liess meinen Blick immer wieder in die Ferne schweifen. Und wollte in diesem Moment nirgends anders auf der Welt sein. Dieses Gefühl macht süchtig und ist einer der Gründe, warum ich Reisen über alles liebe. Natürlich kann dies auch Zuhause entstehen, keine Frage. In einem fernen Land und umgeben von Menschen, die diese Leidenschaft mit mir teilen, fühlt es sich dennoch intensiver an. Und es sind genau diese Momente, in denen ich zu mir selbst finde.
Nun möchte ich euch aber noch einen Einblick in die letzten drei Tage geben, einige von euch warten anscheinend schon sehnsüchtig darauf. :) Muss dafür kurz durch meine gefühlten 1000 Fotos und Videos scrollen, da wir doch einiges erlebt haben. Am Freitag klingelte der Wecker bereits um 3.45 Uhr, weil wir uns kurz darauf zum bekannten Lions Rock aufmachten. Noch völlig im Dunkeln liefen wir die mehreren Hundert Treppenstufen hoch, was bei 25 tropischen Grad einer Sporteinheit gleichkam. Als es heller wurde, rannte ich so schnell wie möglich die letzten Stufen hoch und wurde mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Der Sigiriya Rock bietet nebst eindrücklichen Ruinen eine grandiose Rundumsicht über den Dschungel und die umliegenden Orte. Der leichte Nebel über den Bäumen erinnerte mich an den Herbst Zuhause, nur die Temperaturen waren nicht ganz vergleichbar. Als alle oben angekommen waren, gab es ein kleines Picknick und gemeinsam genossen wir den Sonnenaufgang.
Im Bus wurde dann fleissig der fehlende Schlaf nachgeholt. Die unterschiedlichen Schlafpositionen und Gesichter dabei (z. B. mit weit offenem Mund) sind ziemlich unterhaltsam. Im Hotel angekommen hüpfte ich wie immer kurz in den Pool, bevor wir uns in Kandy eine Tanzshow ansahen. Obwohl eine solche Veranstaltung jeweils sehr touristisch ist, gibt es einen Einblick in die jeweilige Kultur. Die akrobatischen Verrenkungen einiger Tänzer, die prahtvollen Kleider der Tänzerinnen und der Feuerlauf am Schluss waren eindrucksvoll. Völlig übermüdet glitt ich ins Bett und schlief sofort ein. Neben mir schnarchte es wieder und die Affen machten gegen Morgengrauen eine riesen Radau im Treppenhaus. Zu viel Schlaf kriege ich hier nun wirklich nicht, aber deshalb bin ich auch nicht in Sri Lanka. ;)
In Kandy schauten wir uns nebst einer kleinen Holzschnitzerei und dem Museum für Edelsteine auch eine Teefabrik an. Ich habe schon viele Firmen von Innen gesehen, vor allem beim Reisen. Wie Tee produziert wird war mir allerdings neu und die viele Handarbeit dahinter liess mich staunen. Und wie es überall nach frischen Teeblättern durftete, mmmmh! Den Nachmittag konnten wir uns selbst einteilen, was eine willkommene Abwechslung war. Zu sechst besuchten wir den Botanischen Garten und liefen einige Zeit im Park umher. Ein kurzer heftiger Regenschauer zog vorüber, während wir unter den Palmen unser Eis schleckten - so läuft das hier. ;) Gegen Abend liefen Kim, Jon und ich nochmals in die Stadt, während - nicht übetrieben - hunderte Kormorane und Reiher über uns kreisten und sich der Himmel in ein schimmerndes Rosa verwandelte. Und wie ihr es euch vielleicht denken könnt, erhielt ich ein nettes Souvenir von einem der Vögel, welches anscheinend Glück bringen soll. Hoffen wir’s! Nach etwas Herumirren fanden wir ein tolles Restaurant, welches sind ich einem alten englischen Gutshaus befindet. Ich bestellte mir zur Abwechslung einen Burger mit Honig-Senf-Sauce und ein süssliches Bier - köstlich! Mit dem Tuk Tuk fuhren wir über die kurvigen Strassen den Hügel hinauf und nahmen mit dem Rest der Gruppe noch einen Schlummertrunk in der Bar.
Sonntags nach der ungefähr sechsstündigen Zugfahrt und einem kurzen Spaziergang durch Bandarawela, stand ein Kochkurs auf dem Programm. Gemeinsam schnippelten wir mehr oder weniger gekonnt allerlei Gemüse und bereiteten 8 verschiedene Speisen zu. Obwohl ich langsam genug Curry gegessen haben, muss ich sagen, dass wir das toll hinbekommen haben. Die frischen Zutaten und wohl auch der viele Humor während des Zubereitens brachten schmackhafte Salat und Currys hervor. Echt lecker! Ah ja, auch ich hatte das Vergnügen am feurigen Herd zu stehen und zur Unterhaltung aller kommentierte ich meine Vorgehensweise auf Schweizerdeutsch. Man hätte filmen sollen, wie meine Gruppe Wörter wie „Löffu“ oder „omerüehre“ nachgesprochen hat. :)
Und nun sitze ich hier auf meinem Bett, es ist 5.13 morgens und schreibe diesen Blog. Bin ich müde? Definitiv. Schnarcht es friedlich neben mir? Vielleicht. Bin ich am richtigen Ort? Absolut.
Wow, was für erlebnisreiche Tage! Ich weiss gar nicht wo beginnen und ich versuche mich kurz zu halten - mit Betonung auf Versuch. ;) Zuerst erzähle ich euch von heute, da ich immer noch ganz glänzige Augen habe. Hab mir vorhin die Bilder auf der Kamera, GoPro und Natel angeschaut und kam sogleich wieder ins Schwärmen. Von was? Von Elefanten natürlich! Wir sind nun ziemlich im Landesinnern, genauer gesagt in Dambulla, welches nahe an den drei Nationalparks. Ich staunte nicht schlecht, als heute Morgen plötzlich ein Dickhäuter gemütlich auf der Strasse trottete. Auch hier war es das erste Mal, dass ich einen Elefanten in freier Wildbahn sah. Kurze Zeit später sahen wir einige Elefanten am Strassenrand und wir fragten unseren Guide lachend, ob dies bereits die gebuchte Safari sei.
Während rund drei Stunden fuhren wir mit dem Jeep durch den Minneriya Nationalpark. Die holprige Fahrt wurde schon früh belohnt, als plötzlich mehrere Elefanten vor uns auftauchten. Wir zückten alle unsere Kameras und bestaunten die eindrücklichen Tiere. Während der Fahrt sahen wir immer wieder einige Dickhäuter, teilweise aus nächster Nähe und manchmal in ganzen Gruppen etwas weiter weg. Wirklich sehr eindrücklich! Nebst den Elefanten gab es viele Vögel im Park. Wie gestern sahen wir auch wieder einige Eisvögel. Sie sind hier grösser und etwas dunkeler als bei uns, weshalb ich mir zuerst nicht sicher war, ob es sich wirklich um Eisvögel handelt, welche sich relativ nah vor uns auf Ästen niederliessen. Auch Mungos konnten wir im Schlamm beobachten.
Heute Morgen besuchten wir den bekannten Rock Temple. Eine grosse Höhle im Felsen wurde von den verschiedenen Königen über die Jahrhunderte unterteilt und auf unterschiedliche Weise ausgestattet. Über 150 farbenfrohe Buddha-Statuen befinden sich dort und eindrückliche Wandmalereien, wie ich sie zuvor noch nie gesehen habe. Natürlich war auch hier wieder Tempelkleidung (als Schultern und Knie bedeckt sowie barfuss) angesagt. Bei tropischen Temperaturen erklimmten wir den Hügel und waren ganz froh, in den Höhlen etwas Abkühlung zu finden. Auch hier waren wieder einige Mönche in ihren orangen Kleidern anwesend.
Ah ja, gestern gab es natürlich auch viel Tolles! Am Morgen unternahmen wir eine Fahrt mit dem lokalen Bus. Wir setzten uns als neben Einheimische in den „Partybus“ und fuhren rund zwei Stunden Richtung Norden. Warum Partybus? Nun ja, es lief relativ laute Musik und der Fahrer aktivierte immer wieder die blinkenden Lichterkennten an der Decke. Bei jedem Halt stiegen zudem Verkäufer ein, welche uns ihre Ware andrehen wollten. Also Partybus und Verkaufsladen in einem. Und natürlich ohne Klimaanlage, wir gewöhnen uns langsam ans Dauerschwitzen hier… Ich genoss die Fahrt dennoch sehr und kann gar nicht genug von solchen Erlebnissen kriegen, da male ich mir gedanklich doch schon wieder meine nächste Reise aus. :)
Später fuhren wir nach Polonaruwa, wo es eine grosse - wär hätte es gedacht - Tempelanlage gibt. Diese unterscheidete sich allerdings sehr von den bisherigen hier, da es sich eher um Ruinen handelte, wie ich sie beispielsweise in Kambodscha besucht habe. Solche Anlagen finde ich grundsätzlich ganz spannend und schlendere gerne umher, um mir alles genau anzuschauen. Die teils sehr zutraulichen (und frechen!) Affen belebten das Ganze ein bisschen. Später zog ein Gewitter über uns hinweg, es schiffte wieder wie aus Eimern! Wie immer war es aber relativ schnell vorbei und im Hotel angekommen, schwamm ich einige Runden im Pool. Als ich nach oben schaute, flogen riesige Fledermäuse über mich hinweg. Als ich es Mary, meinem Zimmergspändli, erzählen wollte und die Tiere versehentlich „Batman“ statt „Bat“ nannte, schaute sie mich zuerst mit fragenden Augen an und musste dann ganz schön lachen. Mit Mary verstehe ich mich sehr gut und irgendwie scheinen wir einen Teil unserer Geschichte zu teilen. Wobei sie mir mit ihren 66 Jahren eindeutig voraus ist. ;)
Wie praktisch immer haben sich nun auch innerhalb der Reisegruppe kleine Grüppchen gebildet und so verbringe ich viel Zeit mit Kim, Jon, Mary und Stephen. Ihr Humor ist grandios und „dank“ Jon vertrage ich immer besser scharfes Essen. Wieso das? Wir bestellten uns gestern Abend wie fast immer Curry und er sagte dem Kellner, dass er sein Curry sehr scharf möchte. Ich hingegen hatte immer noch das Kribbeln vom Mittagessen im Mund und bestellte extra Nicht-Scharf. Jon meinte daraufhin zwinkernd zum Kellner, dass ich am liebsten 4x scharf hätte, was ich natürlich lachend verneinte. Ratet mal, was passiert ist… Natürlich war mein Essen suuuuper scharf, so dass mein Mund gefühlt zu brennen begann und Jons Curry war ganz gewöhnlich gewürzt. Der frische Mango Lassi hat die Schärfe etwas gelindert. Nun ja, so schnell haut mich zum Glück niemand und schon gar kein Essen um. Und Jon hat ab sofort Redeverbot, wenn wir bestellen.
Um 8 Uhr fuhr unser Bus los. Als erstes besuchten wir den lokalen Fischmarkt in Negombo. Ganz ehrlich? Ohne Frühstück im Bauch wäre mir der strenge Geruch, der uns bereits beim Aussteigen in die Nase stieg, wohl nicht gut bekommen. Und was für ein Anblick sich uns bot! Überall waren geschäftige Männer und Frauen am Werk, welche Fisch ausnahmen, ihn trockneten oder wild gestukulierend die Preise verhandelten. Wir schienen die einzigen Touristen zu sein, also liefen wir etwas ehrfürchtig durch die engen Gässchen des Marktes, bis wir am Meer waren. Dort konnten wir einem weiteren Schauspiel zusehen: Unzählige Vögel machten Jagd auf die Fisch(resten), welche dort herumlagen. Die Arbeiterin*innen liessen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und wir schauten dem regen Treiben eine Weile zu.
Zurück im Bus erzählte unser Tourguide Ranjan einiges über seine Heimat. Sri Lanka sei sicherer als angenommen, heutzutage könne man sogar wieder in den Norden reisen. Da dieses Gebiet aber nach wie vor von den Tamil Tigers kontrolliert wird, bin ich eigentlich ganz froh, dass wir nicht allzu sehr in diese Region fahren. Wer mich kennt weiss, dass ich nicht gerade ängstlich bin, herausfordern will ich es aber auch nicht unnötig. Kennt ihr eigentlich den ehemaligen Namen Sri Lankas? Bei mir machte es Klick, als ich es hörte: Ceylon.
Was mich jetzt schon beeindruckt ist die Artenvielfalt in Sri Lanka. Innert drei Tagen hab ich schon so viele Tiere zu Gesicht bekommen, wie sonst gefühlt in zwei Wochen. Echsen sonnen sich hie und da, Eichhörnchen rennen flink an Baumstämmen hoch, Pfaue räkeln ihre prachtvollen Federn im Licht, Vögel zwitschern ihre wunderbaren Melodien und Affen springen munter von Ast zu Ast.Da ich gestern zum ersten Mal Affen in freier Wildbahn sah und das sogar von meinem Hotelbalkon aus, war ich tief beeindruckt. Heute konnte ich derart viele beobachten, dass es schon nicht mehr ganz so speziell ist, wenn sie direkt vor mir über die Strasse laufen oder bei einem Tempel rumblödeln. Die Tempel hier unterscheiden sich übrigens sehr von denjenigen, die ich vor vier Jahren in Thailand, Vietnam und Kambodscha gesehen habe. Sie sind deutlich weniger prunkvoll, was mir sehr gefällt. Die Stupas sind mit ihrer Höhe und Bauweise sehr eindrücklich, leider konnten wir bisher noch keine von Innen besichtigen. Ah ja, und heute schlängelte sich direkt vor meinem Velo eine Schlange über den Weg - nicht unbedingt mein Lieblingstier…
Gestern Nachmittag fing es wieder stark an zu regnen, was in der Übergangszeit häufig vorkommt. Einige von uns wollten dennoch einen Ausflug zu einem Tempel auf einem Berg machen. Natürlich war ich auch dabei, bin ja nicht aus Zucker. ;) Dort angekommen hiess es schnell einmal „Schuhe ausziehen“ und so liefen wir barfuss die vielen Treppenstufen und später den kleinen Berg hoch. Teilweise mussten wir tatsächlich etwas hochkraxeln, da es keine Stufen in den Felsen gab. Mit blutten Füssen war das nicht immer ganz einfach, aber es bleibt definitiv in Erinnerung. Und was soll ich sagen, es hat sich sowas von gelohnt! Oben angekommen hatten wir eine tolle Aussicht über den Dschungel bis zum Horizont. Als die Sonne durch die Wolken brach und mir gleichzeitig der Regen übers Gesicht lief, wurde ich ganz melancholisch. Wie wunderschön unsere Welt doch ist, nicht wahr? Der aufsteigende Nebel und die untergehende Sonne tauchten die Landschaft zudem in ein wunderbares Abendlicht, ich war komplett aus dem Häuschen und wollte gar nicht mehr runter. Wohl oder übel verabschiedete ich mich von der grandiosen Aussicht und kletterte den Berg hinunter, wo ein weiteres Highlight auf mich wartete: In einem kleinen Tempel fand eine Prozession statt und ich fragte, ob ich zusehen und fotografieren dürfe. Die meisten Menschen hier sind sehr offen, auch hier wurde ich angelächelt und man winkte mich hinein. Einige Männer spielten auf ihren Instrumenten ein Lied und ein junger Mönch hörte ihnen - so wie ich - gebannt dabei zu. Die anderen meiner Gruppe gesellten sich nach und nach zu uns. So empfinde ich Reisen als autenthisch und genau für solche Erlebnisse traue ich mich immer wieder aus meiner Komfortzone.
Pflotschnass und immer noch barfuss kamen wir zurück ins Hotel. Nach einer schnellen Dusche fuhren wir in die Stadt um Abend zu essen. Vergebens suchten wir danach eine Bar, also fuhren wir mit dem Tuk Tuk zurück und spielten noch eine Runde Billard. Voller Eindrücke und mit vielen Gedanken im Kopf konnte ich lange nicht einschlafen, bis ich weit nach Mitternacht dann endlich wegdöste.
Heute fuhren wir mit alten Fahrrädern (dieses Mal immerhin mit Bremsen) umher und schauten uns die uralten Tempelanlagen in Anuradhapura an. Diese Art der Fortbewegung gefällt mir bekanntlich sehr und dank der leichten Brise konnten wir der Hitze ein wenig entfliehen. Es ist zwar nicht unbedingt heiss hier (gemäss Anzeige nur ca. 30 Grad), aber durch die hohe Feuchtigkeit fühlt es sich deutlich wärmer an und wir sind gefühlt am Dauerschwitzen. Das wirklich scharfe Essen macht es nicht besser. Ich mag ja scharf, aber ich sage euch, das hier ist Schärfegrad 2.0!
Nach einer kurzen Runde im Pool machen wir uns jetzt bereit zum Abendessen in der Stadt. Leider regnet es nun wieder wie aus Kübeln, aber eben, wir sind ja nicht aus Zucker und ziehen trotzdem los. :)
18. und 19. November 2023
Im Dezember 2022, genauer gesagt bei meiner ersten Supervision im Rahmen des Eidg. Ausbilders, erhielten wir den folgenden Auftrag: „Notiere deinen Wunsch fürs neue Jahr.“ Die meisten meiner Klasse schrieben sowas wie „Fachausweis bestehen“ oder „Gesund bleiben“ auf. Diese beiden Wünsche gingen auch mir durch den Kopf, auf dem Papier landete jedoch intuitiv etwas ganz anderes: „Zeit zum Reisen.“
Nun, fast ein Jahr später, ist es endlich soweit und ich bin wieder am Reisen. Diejenigen von euch, die das Gefühl haben, ich sei doch ständig unterwegs - leider falsch. Tatsächlich war ich dieses Jahr „nur“ einige Tage bei meiner guten Freundin Malou in Holland und verbrachte anschliessend eine Extra-Nacht in Amsterdam (ihr erinnert euch vielleicht an den Blog dazu?). Natürlich habe ich kleinere Trips wie zu meinen drei Mädels nach Heidelberg oder in die Berge unternommen. Länger gereist bin ich das letzte Mal aber tatsächlich im Sommer 2022, damals durch Osteuropa und den Balkan sowie noch einige wunderbare Tage durch Sizilien.
Jetzt sitze ich im Bikini auf einem Hotelbalkon in Negombo, Sri Lanka, höre hupende Tuk Tuks vorbeifahren und wie der Wind die Palmen hin- und herbewegt. Das Meeresrauschen kann ich leider nicht wahrnehmen, ich sehe es jedoch in ungefähr 100 Metern Entfernung und es scheint mich ein wenig einladend anzulächeln, wenn ich genauer hinsehe. Es wird bestimmt nicht lange dauern und ich plansche darin. :)
Ihr merkt schon, ich bin voll in Ferienstimmung und kann es kaum erwarten, bis es richtig losgeht. Kommt ihr mit auf meine Reise? Gerne lasse ich euch teilhaben und werde mir immer wieder die Zeit nehmen diesen Blog zu tippen. Angefangen hab ich damit übrigens bereits letzte Nacht:
Ich sitze im Qatar Airbus A350, welcher vor gut zwei Stunden in Zürich Richtung Doha abgehoben ist. Glücklicherweise konnte ich mir einen Fensterplatz ergattern. Wie ich das Fliegen liebe! Oder wohl eher die grandiose Aussicht von hier oben. Der Himmel fängt sich langsam an zu verfärben und ich versuche meine tausend Gedanken etwas zu sortieren, welche wie wild durch meinen Kopf schwirren. Je länger ich mir das Spektakel am Himmel anschaue, desto ruhiger werde ich. Das Farbenspiel dauert aussergewöhnlich lange, so begann sich der Himmel bereits über Österreich zu verfärben und die letzten Rosatöne konnte ich rund drei Stunden später noch am Horizont wahrnehmen. Wunderschön!
Hier oben scheint sowieso alles verlangsamt zu sein, das habe ich schon oft gedacht. Und gerade in Zeiten wie diesen tut mir dies unheimlich gut. Bewusste Entschleunigung ist im Alltag - jedenfall in meinem - nicht immer ganz einfach. Sobald ich im Flugzeug sitze, kann ich wortwörtlich etwas Abstand gewinnen und ein wohliges, teilweise melancholische Gefühlt fängt an sich auszubreiten. Kennt ihr das auch?
Das Gefühl versuche ich auch jetzt auf dem Balkon wieder herbeizuführen. Seit ich auf meinem iPad den Blog getöggelet habe, hat sich jedoch etwas verändert. Der Wind streicht zwar immer noch durch die Palmen, die Tuk Tuks haben nun aber diverse Gäste gebracht. Von hier aus habe ich die Ankömmlinge wunderbar im Sichtfeld und das People-Watching finde ich wie immer sehr interessant. Soeben kam eine Gruppe von neun Personen an, die sich anscheinend bereits kennen und ich frage mich natürlich, ob sie mit mir unterwegs sein werden. Ich vermute zwar eher, dass sich mehrere Reisegruppen im Hotel aufhalten. Heute Abend beim sogenannten Welcome Meeting werde ich herausfinden, wer meine Buddies sind und damit startet das nächste Karin-Abenteuer so richtig. Jetzt ruft aber wirklich das Meer nach mir und wegen einer ziemlich kurzen Nacht auch noch etwas anderes… ;)
Nachtrag: Da legt man sich mal kuuuurz aufs Bett und wacht völlig zerstört zweieinhalb Stunden später wieder auf - nicht hilfreich für den Jetlag. Egal, irgendwann konnte ich mich wieder zusammenraufen und lief noch ein wenig durch Negombo. Ich stürze mich tatsächlich in die kräftigen Wellen und lasse mich dabei von den Blicken und Kommentaren der Einheimischen nicht versunsichern. Dies kenne ich aus anderen Ländern, auch hier in Sri Lanka scheint vor allem die männliche Gattung Gefallen daran zu haben Frauen anzustarren und Bemerkungen abzugeben. Göschenen-Airolo.
Als sich der Himmel immer mehr verdunkelt und es anfängt zu regnen, laufe ich dem Strand entlang zurück und treffe dabei eine Frau, die mir ein Kleidungsstück verkaufen möchte. Da ich dafür keinen Bedarf habe, schlage ich ihr einen Deal vor: Ein Foto von ihr gegen etwas Trinkgeld. Sie ist einverstanden und ich darf sie knipsen. Leider habe ich die gute Kamera nicht dabei, aber auch mit dem Natel gibt es eine ganz gelungene Aufnahme. Sie strahlt förmlich das Regenwetter weg!
Die Übung hat mir gezeigt, dass ich mich ruhig trauen darf, Leute fürs Fotografieren anzufragen. Pitschnass und mit einem grossen Grinsen im Gesicht komme ich ins Hotel zurück, gönne mir eine ausgiebige Dusche, verscheuche die Kakerlake im Bad und mache mich fürs Treffen mit meiner Gruppe parat. Ich stelle sie euch dann gerne noch ausführlich vor, nur schon so viel: Es sind lustigerweise wieder alles Personen mit Muttersprache Englisch, was mir ja entgegenkommt. Das Alter variert schätzungsweise zwischen 25 und 75. Mit dem ungefähr gleichaltigen Päärchen aus Australien, Kim aus Schottland und John aus England verstehe ich mich besonders gut. Und mit Mary aus den USA, welche sich ab morgen ein Zimmer mit mir teilen wird. Heute darf ich wegen eines Fehlers des Hotels noch ein Einzelzimmer für mich geniessen und das mache ich nun auch - hab schliesslich einiges an Schlaf nachzuholen und bin euch doch 4.5 Stunden voraus.