Den Sommer in einer SAC-Hütte verbringen - was für eine tolle Vorstellung! Besonders für mich, die ihre Freizeit wahnsinnig gerne in den Bergen verbringt und dort total abschalten kann. Als meine Welt anfangs Jahr Kopf stand, brachte eine gute Freundin von mir das Thema Hüttensaison aufs Tapet. Konkret darüber nachgedacht hatte ich bisher noch nie, im Hinterkopf schlummerte die Idee jedoch schon länger. Intuitiv wusste ich, dass nun der richtige Zeitpunkt dafür ist. Und so bewarb ich mich für drei Hüttenjobs in unterschiedlichen Regionen. Obwohl mein Herz sehr fürs Berner Oberland schlägt, habe ich mich gegen eine Hütte in diesem Gebiet entschieden. Die Anfahrt ins Oberland dauert schon eine ganze Weile und die Hütte wäre nur mit einer 3.5-stündigen Wanderung erreichbar gewesen. Ich glaube, das hätte ich nur kurze Zeit lustig gefunden, vor allem mit schwerem Gepäck. Und ein Zimmer in Lauterbrunnen zu mieten, machte schlicht keinen Sinn. Engelberg war auch noch in der engeren Auswahl, dort passte es jedoch vom Gefühl her nicht. Den Kanton Uri habe ich letzten Sommer kennengelernt und so stiess ich auf die Lidernenhütte. Nach zwei Tagen Probearbeiten war mein Entscheid definitiv gefallen, hier wollte ich von Mitte Juni bis Ende Oktober arbeiten und leben. Die Hütte liegt auf Urner Boden, gehört jedoch zur Sektion Mythen, Schwyz. Auf 1‘727 m ü. M. hat man eine herrliche Aussicht auf die Bergwelt sowie den Vierwaldstättersee bis hin zum Jura. Auch meinen geliebten Sempachesee kann man sehen. Das Panorama hat mich bereits beim Probearbeiten verzaubert. Von der Zusage bis zum effektiven Start verging noch einige Zeit und ich habe mich oft gefragt, wie es wohl werden würde. Und nun bin ich schon mitten in meiner Sommersaison und erzähle euch gerne von meinem Hüttenleben:
So von wegen Bergromantik und so… Haha! Das Einzige, was ich hier wirklich als romantisch bezeichnen würde, ist der Sonnenuntergang. Der ist
wunderschön. Sofern ich ihn dann überhaupt kurz sehe und nicht gerade am Gäste bedienen oder am Endlos-Abwasch bin. Zum Endlos-Abwasch gibt es später mehr, nun aber zurück zur Bergromantik.
Da muss ich euch echt enttäuschen, davon spüre ich herzlich wenig hier oben. Aber wisst ihr was? Das war mir sehr wohl bewusst, als ich mich für eine Saisonstelle in einer SAC-Berghütte
entschieden habe. In vielen Köpfen steckt nämlich die Vorstellung von „dann siehst du ja jeden Abend die Sonne über dem Vierwaldstättersee untergehen - wie toll!“ Das wäre mal das erste Klischee,
das ich leider widerlegen muss. Natürlich gibt es ab und zu die Möglichkeit, dass ich einen Blick auf den magischen Sonnenuntergang erhaschen kann, auch wenn es mit einem Abtröchnitüchli in der
Hand ist. Meistens ist die Hütte jedoch gut besucht und wir haben nicht wirklich Zeit, der Sonne beim Untergehen zuzuschauen. Wir müssen stattdessen dafür sorgen, dass nicht wir untergehen. ;)
Wenn wir aber doch mal Zeit haben, dann zelebrieren wir das richtig. Mit einem Glas Weisswein stehen wir vor der Hütte und erfreuen uns genau so an der Farbenpracht wie unsere (dann meist in
kleinerer Zahl anwesenden) Gäste. Und ich mache natürlich viiiiiele Fotos, die dann auf Insta oder in meinem Status landen, da ich ja bekanntlich gerne schöne Dinge teile. Diese wiederum
verleiten dann alle dazu zu glauben, dass ich mir den Sonnenuntergang jeden Abend in Ruhe anschauen kann. Nochmal: Haha, no way. Aber hey, ich bin ja selbst schuld, dass sich das Klischee der
romantischen Sonnenuntergänge aufrechterhält und ich stehe dazu. Und was ich euch wirklich versprechen kann: Der Sonnenuntergang hier ist jedes Mal einzigartig und lässt mein Romantikerinnen-Herz
definitiv höherschlagen.
Und nun erkläre ich euch meinen erfundenen Begriff „Endlos-Abwasch“: Kennt ihr das, wenn ihr gefühlt stundenlang eine Arbeit verrichtet und es wird dennoch nicht weniger? So geht es mir mit dem
Abwaschen hier. Und genau deshalb nenne ich es Endlos-Abwasch. Die Geschirrmenge wird dadurch leider nicht weniger, aber etwas Humor hilft immer. Und wenn wir Glück haben, können wir sogar auf
die Unterstützung von Johnny zählen. Johnny, der so richtig in Fahrt kommt, wenn er dreckige Gläser und Teller sieht. Ganz heiss wird er dann und gibt ein erfreutes Pipsen von sich, wenn er
voller Leidenschaft abwaschen konnte. Wir reden von unserem Geschirrspüler, was denkt ihr denn? ;) Johnny ist häufig der Retter in der Not, denn von Hand abzuwaschen geht grundsätzlich auch ganz
gut, dauert jedoch deutlich länger und das Wasser ist echt heiss. Ich als absolute „nicht-heiss-vertragende-Person“ habe meine liebe Mühe damit, meine Hände in das beinahe kochende Wasser zu
halten und gut gelaunt Geschirr zu spülen. Mit Handschuhen geht es einigermassen, meine Lieblingsaufgabe wird es jedoch nie. Noch schlimmer finde ich das Vorspülen, also das Gröbste mit einem
Schwamm oder einer Bürste vom Geschirr zu entfernen, um es danach (nochmals) abzuwaschen. Sagen wir es so: Immer wieder ein wenig abzuwaschen ist überhaupt kein Problem, bei einer vollen Hütte
und wenn Johnny im dümmsten Moment streikt, dann ist meine Motivation ehrlich gesagt gleich Null. Ob meine Arbeitsgspändli das schon gemerkt haben? Ich glaube nicht, da ich meistens ziemlich in
Gedanken versunken bin und dabei vermutlich nicht mal besonders demotiviert aussehe. Es muss halt gemacht sein, Jammern bringt bekanntlich nichts. Deutlich lieber trockne ich jedoch ab, denn
dabei kann man sich nämlich nicht die Hände verbrühen. Und man kriegt mit, was in der Küche Spannendes passiert. Das kann ich gut - stundenlang Abtrocknen und das Geschehen um mich herum
beobachten. Das hat schon etwas Meditatives, ich sag‘s euch! Und einen gewissen Unterhaltungswert häufig auch, besonders wenn viel los ist, und das ist es ja meistens. Am allerliebsten trockne
ich ab, wenn das Abendessen serviert wurde und sich die Gäste häufig nach draussen begeben. Dann wird es etwas ruhiger in der Hütte - zumindest für einen Moment - und wenn auch wir bereits etwas
essen konnten, herrscht eine entspannte Atmosphäre. Der Geschirrberg türmt sich zwar, dies motiviert jedoch alle Gas zu geben und wenn man beim Abtrocknen und Dinge verräumen immer wieder einen
kurzen Blick auf den Sonnenuntergang erhaschen kann, dann ist das voll in Ordnung. Denn wo bitte schön hat man eine bessere Aussicht beim Arbeiten als hier?
Wisst ihr, was für mich ein absolutes Highlight ist? Nach Feierabend, sprich meistens nach 22 Uhr, vor der Hütte auf ein Bänkli zu sitzen und in den
Sternenhimmel zu schauen. Meistens machen wir das gemeinsam und mit einer guten Flasche Wein. Das liebe ich! So philosopieren wir über Gott und die Welt, lachen viel und schauen dabei nach oben.
Jetzt im August lassen sich dabei besonders viele Sternschnuppen bestaunen und ich als alte Romantikerin wünsche mir dabei natürlich immer etwas. Schaden kann es schliesslich nicht, wenn man das
Universum auf seiner Seite hat, nicht wahr? ;) Und wenn es ganz dunkel ist, dann sieht man sogar die Milchstrasse von hier aus. Absolut atemberaubend!
Wenn wir da jeweils so sitzen, vergessen wir komplett die Zeit. Und den Schlaf. Es kam schon vor, dass irgendwann gegen Morgen sogar entschieden wurde, dass die Nachtruhe jetzt sowieso zu kurz
sei und man doch lieber gleich noch den Sonnenaufgang schaue. Und nein, ich war in besagter Nacht tatsächlich bereits im Bett, um wenigstens 4 Stunden Schlaf zu kriegen. Nicht so wie andere, gäu
C&C? ;) So schön solche nächtlichen „in-die-Sterne-gucken-und-die-Zeit-vergessen“ auch sind, es holt einem ein. Immer. Also mich ganz bestimmt, wenn wenige Stunden später der Wecker wieder
klingelt und ein langer, intensiver Tag ansteht. Ich staune ja, wie vor allem unsere ganz Jungen im Team das machen. Insbesondere Chantal scheint diesbezüglich unzerstörbar zu sein, sie steht am
nächsten Tag voller Elan und mit einem Lachen da wie immer. Diese Energie möchte ich (nochmals) haben! Unser Hüttenwart hingegen braucht manchmal einen Power Nap, wenn er die Nacht zum Tag
gemacht hat. Die Betonung liegt hier nicht unbedingt auf Nap, denn die Dauer seines Schläfchens behalte ich an dieser Stelle lieber für mich… ;) Tatsache ist, dass er danach auch wieder voller
Tatendrang mithilft und eine kurze Nacht wäre ohne ihn sowieso unvorstellbar. Denn mit wem kann man besser diskutieren, warum Satelliten ein Licht haben als mit dir Christian? :)
Ah ja, zu besagter Nacht gibt es noch mehr zu erzählen: Chantal und ich guckten ganz verzückt in den Sternenhimmel, als Christian uns fragte „Was wünscht ihr euch in diesem Moment?“. Ich antwortete mit „Schoggikuchen“ und schaute nicht schlecht, als Christian mir unmittelbar ein Stück unter die Nase hielt. Heimlich hatte er Kuchen aus der Hütte geholt und auf den Tisch gestellt. Chantals Antwort war „Schokolade“ und als sie realisierte, dass im Dunkeln bereits eine heisse Schokolade (übrigens ihr absolutes Lieblingsgetränk) vor ihr stand, brachen wir in Gelächter aus. Unser Hüttenwart kann nicht nur gut diskutieren, er kann auch noch unsere Gedanken lesen!
Ich stelle euch hiermit unsere Diva vor: Konrad, unsere Kaffeemaschine. Koni erleichtert mir nicht nur den Start in den teilweise frühen Hüttentag, er bringt mich manchmal auch an den Rand der Verzweiflung. Weshalb? Weil er eben eine Diva sein kann. Kriegt er zu wenig Aufmerksamkeit, dann spürt man das deutlich… Bei zu heisser Temperatur zerfällt die schöne Crema innert Sekunden. Läuft irgendwo der Wasserhahn, dann streikt Koni komplett. Zu heiss, zu kalt, zu wenig, zu viel,… Gar nicht mal so einfach, ich sag‘s euch. Und wenn es dann noch um Latte Art geht, hört der Spass auf. Da es mein persönliches Ziel ist, einen möglichst guten und natürlich auch schönen Cappuccino zuzubereiten, übe ich fleissig. Lecker wird er meistens, aber mit dem Zeichnen hab ich so meine Mühe. Die perfekte Konsistenz beim Milchschäumen hinzukriegen, ist deutlich schwieriger als es aussieht. Obwohl ich schon sehr kreative Muster wie einen Flamingo gezeichnet habe (meinte jedenfalls ein Gast!), ein Herz - wie es gewünscht wäre - hab noch noch nicht wirklich hingekriegt. Aber eben, immerhin macht unsere Diva richtig guten Kaffee und es zählen ja schliesslich die inneren Werte.
Habt ihr schon Mal für 90 Personen einen Viergänger gekocht? Ich auch nicht, bis jetzt. Ich stehe bekanntlich sehr gerne in der Küche und lasse meiner Kreativität freien Lauf. Zuhause wird das Rezept, falls ich überhaupt jemals eines herausgesucht habe, wird meistens nach wenigen Minuten auf die Seite geschoben und einfach Freestyle gekocht. Ob das Ergebnis essbar wird, müsste man an dieser Stelle meine Gäste fragen - ich vermute aber mal ja. ;) In einer Hüttenküche zu kochen ist hingegen eine ganz neue Erfahrung für mich. Dies liegt einerseits am Holzherd. Bereits das Einfeuern kann zur Herausforderung werden, denn der Föhn hat einen grossen Einfluss darauf. Und natürlich das Holz selbst. So langsam kapiere ich das Prinzip einigermassen und den Herd selbst bringe ich meistens in einer anständigen Zeit auf eine gute Hitze. Der Ofen ist jedoch nochmals eine andere Geschichte. Da wir sehr viel backen, ist die richtige Temperatur entscheidend. Zu kalt funktioniert natürlich nicht, zu heiss ist jedoch noch schlimmer. Holz alänge (wie passend!), aber mir ist noch nie etwas angebrannt. Wäre ja auch sehr schade um die feinen Linzertorten und Kuchen! Passiert es trotzdem mal, dass etwas dünkler aus dem Ofen kommt als gewollt, landet es auf unserem Esstisch und ist meistens innerhalb kurzer Zeit verschwunden. Im Verwerten sind wir echt gut.
Und dann sind da noch die Röstis. Diese werden bei uns mit viel Liebe und vor allem frisch zubereitet. Da auch dies auf dem Herd gemacht wird, dauert das ungefähr 20 Minuten. Gut Ding will schliesslich Weile haben, gutes Essen sowieso. Wenn dann eine Röstibestellung nach der anderen reinkommt, die geraffelten Gümmel ausgehen und kein Platz mehr auf dem Herd ist, werde ich schon Mal nervös. Und zwar so richtig. Wie soll ich so viele Röstis zeitgleich zubereiten? Und dann noch mit Alpkäse, Spiegeleiern und gebratenem Speck? Hilfeeeeee! Wie froh war ich, dass mich Eliane unterstützte. Die insgesamt 33 Röstis waren dann doch etwas (zu) viel für mich an diesem Tag, bisher hatte ich jeweils „nur“ ungefähr 15 zubereitet. Der Rekord liegt übrigens bei 48 Röstis am Tag, wow! Wobei es bei unserem Herd nicht auf die Menge drauf ankommt, sondern auf das Timing. Der Platz ist beschränkt und man muss echt gut koordieren können. Normalerweise eine Stärke von mir, beim Holzherd anscheinend nur mässig. Aber hey, nun bringen mich einige Röstis definitiv nicht mehr aus der Ruhe – also kommt vorbei und bestellt gefälligst eine Rösti ;)
Wie baut man am schnellsten Muskeln auf? Mit Getränkeharassen rumschleppen! Und wie verliert man am schnellsten überflüssige Kilos? Mit Stägeli-uf-Stägeli-ab-laufen. Vorher war ich jahrelang mehr oder weniger regelmässig im Fitnesscenter, um einigermassen in Form zu sein. Hier oben krieg ich das alles kostenlos resp. werde noch dafür bezahlt. ;) Und das tagtägliche Workout zeigt seine Wirkung, so habe ich - entgegen der Prognose des Hüttenwarts - abgenommen und fühle mich deutlich fitter. Die Rückenschmerzen werden an dieser Stelle jetzt mal ausgeblendet, dafür gibts ja gute Masseur*innen. Tatsächlich verursacht das lange Stehen oder das Rumtragen von schweren Dingen ab und zu ein Zwicken an ungewohnten Körperstellen. Besonders dann, wenn rund drei Tonnen Getränke und Esswaren innerhalb kürzester Zeit aus den Transportnetzen des Helis und in die Hütte getragen werden müssen. Tragen geht ja, aber ich als nicht ganz so Grossgewachsene muss die Bierkästen jeweils mit aller Kraft zum Stapeln hochstemmen, was ganz schön anstrengend ist. Zu merken, dass man plötzlich mehr Mukikraft hat, macht jedoch auch stolz! Und wisst ihr, was das Allerbeste ist? Dank der vielen Bewegung kann ich zudem nach Lust und Laune schlemmen - wenn das mal nicht ein absoluter Jackpot ist. :)
Wollt ihr wissen, wann ich wie ein Häufchen Elend in der Küche stehe? Nicht etwa an besonders stressigen Tagen oder weil die Kaffeemaschine noch nicht genügend heiss für meinen geliebten Cappuccino ist. Nein, damit kann ich umgehen. So richtig schwierig wird es für mich, wenn ich Zwiebeln schneiden muss. Unendlich viele Zwiebeln! Egal welchen gut gemeinten Tipp ich befolge, spätestens bei der zweiten Zwiebel tränen meine Augen. Das ist an sich nicht weiter schlimm, aber da es sich zeitgleich anfühlt, als ob mir jemand ein Messer ins Auge rammen würde, muss ich meine Augen zusammenkneifen und kurz an die frische Luft. Wenn ich sie dann unter Schmerzen wieder öffne, dann sieht das anscheinend Zombie-mässig aus. Und ziemlich genau so fühlt sich das ehrlich gesagt auch an. Als ich letztens rund 50 Zwiebeln für das Abendessen schnippeln wollte und bereits nach wenigen Minuten völlig verheult und mit roten Augen in der Küche stand, erbarmte sich mein Team einmal mehr. Zwiebeln musste ich keine mehr schneiden, dafür hab ich 8 Kilo Rüebli geschält und geschnippelt. Mit orangen Händen kann ich besser umgehen als mit roten Augen. ;)
Und hier einige Kurzgschichtli, die in den letzten vier Monaten entstanden sind:
Karin und Chantal machten zusammen das erste Mal Zmorge. Karin verwechselte innerhalb der ersten paar Minuten die Pfannen, mit denen das Wasser für den Kaffee- und Wasserkrug aufgekocht wird (sollte nicht vertauscht werden, da das Wasser ansonsten nach Kaffee schmeckt, logisch oder?). Als sie es bemerkte, fragte sie Chantal etwas ratlos um Hilfe. Diese erklärte es ihr in etwa so: „Dann füllst du das Wasser halt nun in den Krug da hinten um und den vorderen wiederum in den links.“ Karin nickte langsam, schaute dann noch verdutzter rein und fragte sich insgeheim „Wie war das jetzt nochmal?!?“. Sie nahm den ersten Krug, schüttete sich beim Umleeren das heisse Wasser über die Hand und sagte dann ganz resigniert zu Chantal: „Ech wott ez zerscht mou es Kafi ond zwar es rechtigs us de Maschine!“
An einem regnerischen Montag tauchte den ganzen Tag keine Menschenseele auf. Auch Übernachtungsgäste gab es keine. Abends sagten sich Chantal und
Karin, dass sie ja getrost etwas ausschlafen können, da das Wetter auch am nächsten Tag nicht besser sei. Gesagt, getan. Karin erwachte um 7.30 Uhr, ging gemütlich duschen und startete danach die
Kaffeemaschine. Als sie durch die Küche lief, nahm sie plötzlich draussen eine Bewegung wahr. Ganz verdutzt öffnete sie die Tür, schaute in drei Gesichter von durchnässten Jägern und meinte: „Oh,
da sind ja Menschen!“ Glücklicherweise standen diese erst einige Minuten dort und waren dankbar, dass überhaupt jemand anwesend war. Da die Kaffeemaschine noch zu wenig heiss war, machte Karin
kurzerhand Filterkaffee. Die drei Männer blieben schlussendlich bis nach dem Mittag in der gemütlichen Stube und liessen sich lieber bedienen als das Wild zu jagen. Und Karin freute sich, dass
doch noch jemand aufgetaucht ist.
Cornel verwechselte ständig die Namen der Teamgspändli Cathrin und Karin. Eines Tages ist Cornel am Abwaschen und möchte Karin, welche auch in der Küche steht, etwas erzählen. Da er jedoch Cathrin sagte, drehte sich diese um und hörte ihm aufmerksam zu. Die beiden plauderten eine Weile. Plötzlich meinte Cornel ganz zerknirscht zu Karin: „Also eigentlich wollte ich ja mit dir reden, aber ich hab wieder Mal die Namen vertauscht…“ ;)
Im Herbst kann das Wetter bekanntlich schnell umschlagen. So auch an einem Sonntagabend anfangs September. Am Nachmittag schien die Sonne und es waren sehr viele Gäste da, gegen Abend leerte sich
die Terrasse. Die rund dreissig Übernachtungsgäste waren alle bereits in der Hütte, als es anfing zu regnen und auch noch ein Gewitter aufzog. Es hagelte wie verrückt und alle waren froh,
in der geschützten und warmen Stube zu sitzen. Um 21.30 Uhr gingen die Gäste langsam richtig Schlafräume. Auch das erschöpfte Team freute sich auf den Feierabend. In diesem Moment klingelte das
Telefon. An der Bergstation standen anscheinend noch 47 Personen, welche aufgrund des Gewitters nicht mit der Bahn ins Tal gekommen waren und sich nun überlegten, in der Hütte zu übernachten.
Alle schauten sich mit grossen Augen an und fingen an zu diskutieren: „Stehen wirklich seit rund 5 Stunden so viele Leute an der Bergstation? Oder macht Eliane einen Witz? Müssen wir jetzt
nochmals für so viele Znacht kochen? Und allen einen Schlafplatz zuweisen? Ist der Feierabend soeben in weite Ferne gerückt?“ Fragen über Fragen…
Vom Mythenstübli aus schauten wir Richtung Bergstation, dort liess sich wegen der Dunkelheit und des Regens jedoch nichts erkennen. Wenige Minuten später trudelten einzelne völlig durchnässte Wanderer ein. Diese wärmten sich in der Hütte auf und kriegten natürlich auch noch etwas zu essen sowie einen Schlafplatz. Ob noch mehr folgen würden? Keine Ahnung… Völlig übermüdet gingen wir irgendwann ins Bett. Die anderen rund 40 Personen tauchten in dieser Nacht nicht mehr auf, sondern wurden von Res in einer Nacht-und-Nebel-Aktion noch ins Tal geseilt. Und wir erhielten unseren verdienten Schlaf.
Wenn das Telefon zu später Stunde klingelt, ist es allgemein nie ein gutes Zeichen. So rief eines Abends um 22 Uhr ein besorgter Vater an und erzählte mir, dass sein Sohn irgendwo bei uns in der Nähe sei. Eigentlich wollte er beim Spilauersee zelteln, er geriet aber wohl von der Route ab und irrte nun herum. Ich sagte ihm, dass wir freie Plätze hätten und er doch bei uns übernachten solle. Kurzerhand ging ich nach draussen und hielt Ausschau nach einer Stirnlampe oder generell einem Lebenszeichen des Jungen. In der Dunkelheit liess sich nichts erkennen und so hoffte ich, dass er den Weg alleine finden würde. Etwas später tauchte ein Jugendlicher in weissen Trainerhosen auf, der fragte, ob er bei uns übernachten dürfe. Er schien mir etwas verwirrt und vor allem sehr erschöpft. Auf meine Fragen kamen keine klaren Antworten und als er mich nach einem Ladekabel für sein iPhone fragte, wurde mir klar, wie schlecht er vorbereitet war. Am nächsten Morgen wollte ich von ihm wissen, wohin er nun wandere. Das wisse er noch nicht, er laufe einfach mal drauf los. Mit einem etwas unguten Gefühl und den Worten „und sonst weisst du ja, wo du Unterschlupf findest“ liess ich ihn ziehen. Da er nicht nochmals bei uns aufgetaucht ist, gehe ich davon aus, dass er sein eigentliches Ziel dieses Mal gefunden hat.