VOM PUREN GLÜCKLICHSEIN & WACHSENDER SELBSTLIEBE


August 2020

Es ist wieder soweit… Ich sitze auf meiner Lounge und atme tief ein. Die erdrückende Hitze und Sonnenschein pur der letzten Tage haben sich nun zu einem immer noch schwülen und regnerischen Abend entwickelt. Ein leichtes Sommergewitter zieht übers Wauwilermoos und es riecht nun wunderbar nach nassem Asphalt und frisch gemähtem Gras. Wie ich das liebe! Seit einigen Tagen bilden sich Sätze in meinem Kopf und ich weiss, dass die Zeit nun gekommen ist: Ein neuer Blog muss her. Denn jedes Mal, wenn mein Hirn und wohl auch mein Herz selbstständig anfangen Sätze zu bilden, dann habe ich die nötige Inspiration zum Schreiben. Und das obwohl ich weiss Gott anderes zu tun hätte wie beispielsweise meine Wohnung nach einer Woche Ferien mit viel Besuch aufzuräumen, endlich meine Steuererklärung auszufüllen (nun bröckelt meine seriöse Fassade gewaltig, ich weiss…) oder die Arbeit für meine durchaus interessante Weiterbildung zu schreiben. Nun ja, was soll ich sagen… Manchmal muss Frau einfach tun, was Frau tun muss ;)

 

Heute schreibe ich über bewusst über Diverses, das mich seit dem letzten Text beschäftigt und worüber ich intensive Gespräche geführt habe. Zuerst danke ich euch noch für die unzähligen berührenden Reaktionen auf meinen letzten Blog zum Thema Single in Zeiten von Corona – Wow! Mir wurde einmal mehr bewusst, dass Schreiben nicht nur bei mir etwas auslöst, sondern wohl auch bei einigen Lesenden. Das freut mich! Und gerade in Zeiten wie Corona scheint es mir umso wichtiger, dass wir uns über unser Wohlbefinden Gedanken machen und auch darüber sprechen. Auch über angebliche Tabu-Themen, die aus meiner Sicht keine sein sollten. Los geht’s…

 

Mit dem Thema Selbstliebe beschäftige ich mich bereits länger. Es gibt viele Studien darüber, wie wichtig es ist, sich selbst zu mögen. Diese erspare ich euch, obwohl sie sehr interessant und absolut lesenswert sind. Wichtiger sind mir jedoch die Kernbotschaften, die ich für mich mitnehme und euch gerne weitergebe. Die erste und aus meiner Sicht eine der bedeutendsten: ICH BIN GENUG! Damit meine ich, dass wir unser Glück nicht von anderen abhängig machen sollten. Natürlich macht es Spass einen Abend mit Freunden oder einen schönen Tag mit der Familie zu verbringen, das meine ich auch gar nicht damit. Glück ist sehr individuell und absolut wandelbar, es lässt sich schwer beschreiben. Viele Menschen bezeichnen eine Beziehung als Glück. Ob sie dabei glücklich sind oder nicht, scheint für einige nebensächlich zu sein. Darauf will ich jetzt aber bewusst nicht weiter eingehen.

 

Die Tatsache, dass ich oftmals mit hochgezogenen Augenbrauen angeschaut werde, wenn ich sage „Weisst du, ich bin grundsätzlich immer noch gerne Single und somit unabhängig“ zeigt mir, dass unsere Gesellschaft das Singlesein (immer noch) nicht wirklich als positiv respektive neutral betrachtet. Und das gibt mir ziemlich zu denken. Sollte es nicht so sein, dass wir Menschen unser eigenes Glück als das Wichtigste überhaupt betrachten sollten? Damit ist weder Egoismus noch übertriebene Selbstliebe gemeint, sondern schlicht und einfach das Glücklichsein an sich. Sehr häufig – und das ist absolut menschlich – passen wir uns unserem Umfeld an. Keine Lust auf das langweilige Treffen mit einer alten Bekannten? Hmm, absagen macht sich aber leider nicht gut, gell? Alle anderen gehen in die Badi, ich fühle mich aber nicht wohl und gehe trotzdem mit? Blödsinn! Versteht mich richtig, es ist absolut legitim Dinge zu tun, auf die man keine Lust hat und oftmals wird es wider Erwarten sogar richtig gut, obwohl man zu Beginn kein gutes Gefühl hatte. Aber man darf ruhig auch mehr ehrlich sagen, dass man jetzt keine Lust hat und einem etwas anderes guttun würde. Dabei gilt zu beachten, dass dies nicht Überhand nimmt und man auch die Bedürfnisse anderer wahrnimmt. Ich selbst finde es ja auch nicht berauschend, wenn mir jemand in letzter Minute absagt und ich dann allein dastehe (Klammer an dieser Stelle: Das gilt übrigens auch für erste Dates, liebe Männer da draussen). Ich meine damit, dass wir auf unsere eigenen Bedürfnisse hören sollen und auch mal etwas absagen oder verschieben dürfen, wenn es nicht passt. Ich selbst neige dazu, mir immer viel zu viele Termine aufzuhalsen und wenn mir dann die Puste ausgeht, denke ich im Nachhinein, dass ich besser eine Pause eingebaut und anders geplant hätte. Schwierig, ich weiss. Es gibt noch unzählige andere Beispiele, mir fällt spontan noch eine kleine Geschichte dazu ein: Beim Lädelen ist mir eine schöne Jeansbluse aufgefallen und als ich sie anprobiert habe, war ich begeistert. Trotzdem war sie mir zu teuer und ich habe sie wieder hingehängt. Als ich sie kurze Zeit später nochmals entdeckt habe, musste ich sie nochmals anziehen und fühlte mich wieder grossartig. Auch dieses Mal sagten mir meine Freundinnen (nicht dieselben), dass sie mir ausgezeichnet stehen würde, aber schon überteuert wäre. Hin- und hergerissen war ich, das sag ich euch. Ich habe sie schlussendlich mit einem guten Gefühl gekauft und freue mich jedes Mal, wenn ich sie anziehen kann. Ein Frauenproblem, Männer dürfen hier ruhig die Augen verdrehen ;) Was ich damit sagen will: Auf unsere Lieben zu hören ist absolut sinnvoll, sie geben uns wichtige Inputs. Entscheiden tun wir aber schlussendlich selbst und auch solche kleinen Entscheidungen machen glücklich, wenn wir wirklich dahinterstehe und es sich gut anfühlt.

 

Gut, zusammenfassend kann man sagen, dass wir unser eigenes Glück in der Hand haben. Wie letztens geschrieben, soll man Glück jedoch nicht suchen, sondern finden. Und somit kommen wir bereits zum zweiten Leitsatz:

 

„LET LIFE LOVE YOU!“ Unser Leben zu lieben, ist nicht immer einfach. Natürlich nicht, sonst wäre es ja langweilig, oder? Herausforderungen gehören dazu und leider auch traurige Schicksalsschläge, die uns im Nachhinein stärker machen. Und uns immer weiterbringen, ob wir wollen oder nicht! Ich glaube fest daran, dass es für sehr Vieles einen Grund gibt. Wir müssen die Gründe nicht immer kennen oder gar verstehen, aber mir ist es schon oft passiert, dass mir im Nachhinein ein Licht aufgegangen ist und ich dachte „Aha, darum also!“. Und wenn nicht, dann ist es auch gut, es braucht ja nicht immer für alles einen Grund, oder? Wir müssen lernen das Leben mit all seinen Facetten zu lieben und es anzunehmen. Ich selbst finde mein Leben aktuell unglaublich toll. Und das liegt nicht daran, dass mir besonders viel Schönes passiert, sondern an meiner Einstellung. Hinter mir liegen herausfordernde Zeiten, welche mich teilweise ganz schön in die Tiefe gezogen haben. Dies sind tragische Ereignisse, machmal auch einfach ein schlechter Tag, wie wir ihn alle erleben. Als Mensch, der nach einem Sturz nie lange liegen bleibt, habe ich vor einiger Zeit entschieden mein Leben genau so anzunehmen, wie es kommt. Das bedeutet, dass ich in fast allem etwas Positives sehen kann. Manchmal braucht es zwar einen Moment, weil teilweise echt viel Scheisse (sorry für den Ausdruck, aber einige Ereignisse kann man einfach nicht schöner betiteln) passiert, aber wie bereits oben geschrieben, bringen vor allem diese Dinge einen weiter. Und wenn wir es als Erfahrungen betrachten, dann hat das Leben doch echt viel zu bieten, nicht wahr? Dann darf man auch mal straucheln und etwas hinterfragen, dann aber mit einem fetten Lächeln nach vorne schauen und denken „Ups, das war scheisse, das passiert mir nicht nochmals“ oder „was mache ich beim nächsten Mal anders?“. Einige von euch denken jetzt bestimmt, dass ich es mit der Reflexion und den Optimismus übertreibe. Nun ja, das mache ich sicher ab und zu, aber was ist es, was einem weiterbringt? Richtig, sich selbst zu reflektieren und die eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Etwas hat nicht funktioniert? Gut, dann wird halt eine andere Variante ausprobiert. Etwas hat hervorragend geklappt? Toll, dann beim nächsten Mal wieder genauso! Man soll und soll sich auch mal selbst feiern können, ohne dabei überheblich zu werden. Etwas Naivität schadet übrigens auch nicht, es lässt einem das Leben unbeschwerter angehen.

 

Damit komme ich zum letzten Punkt für heute. Als mir eine nahestehende Person gesagt hat, dass ich mich in den letzten Monaten negativ verändert hätte, hat mich das irritiert. Also habe ich nachgefragt, was sie damit meint. Als Antwort hörte ich, ich sei etwas egoistisch und überheblich geworden. Bäm, eine solche Aussage einer geliebten Person schmerzt! Natürlich liess mich das nicht kalt und ich habe viel darüber nachgedacht und habe auch mit diversen Menschen darüber gesprochen. Und ja, ich habe mich verändert. Sogar sehr, wenn man es genau betrachtet. Es ist aber nicht mein Charakter, der sich verändert hat, sondern wie ich die Dinge betrachte und darauf reagiere. Tief im Herzen bin ich immer noch das kleine Mädchen aus dem Dorf, das liebend gerne stundenlang mit Freundinnen quasselt und Blüemli pflückt, die Welt mit grossen Augen bewundert und gerade heraus lacht, wenn ihr etwas Blödes passiert. Aus dem Mädchen ist aber bereits vor einiger Zeit eine selbstbewusste Frau geworden, die genau weiss, was sie will und was eben nicht. Das hat nichts mit Egoismus oder Arroganz zu tun, sondern mit Selbstbestimmung. Und mit SELBSTLIEBE, die ich mir in den letzten Monaten hart erarbeitet habe. Damit meine ich, dass ich viel für mein eigenes Wohlbefinden gemacht habe (ich jogge tatsächlich immer noch - yes!) und für meine Wünsche und Träume kämpfe. Ich investiere viel Zeit und Geld in Dinge, die mich weiterbringen und das meine ich nicht nur karrieretechnisch, sondern allgemein. Glück allein reicht leider häufig nicht aus, aber wie schon erwähnt darf Glück durchaus auch zugelassen werden. Man soll seine Ziele im Auge behalten und trotzdem darauf achten, dass man ein einigermassen entspanntes Leben führt. Schmaler Grat, aber machbar und durchaus spannend, wenn ihr mich fragt. Und absolut bereichernd.

 

Ich finde mein Leben nicht so grossartig, weil ich Zuhause rumsitze und mich frage, wann wieder mal etwas Spannendes passiert. Sondern weil ich unterwegs bin, unsere wunderbare Welt weiterhin mit grossen Augen bewundere und meine Erfahrungen mit Freunden und Freundinnen austausche. Das nenne ich Horizonterweiterung, was unglaublich wertvoll ist. Und ich lache weiterhin aus vollem Herzen, wenn mich jemand zum Lachen bringt oder ich Mal wieder über mich selbst schmunzeln muss. Und ich geniesse das Hier und Jetzt, also bewusst die schönen Momente, was wohl das grösste Glück auf Erden ist. Denn egal wann und wo, wenn wir die Glücksmomente bewusst wahrnehmen und direkt in unser Herz aufnehmen, dann lassen wir zu, dass das Leben uns liebt. Und wenn wir dazu noch zufrieden mit uns selbst sind, dann kann ich euch garantieren, dass auch schlechte Tage zu guten werden. Also, lasst uns das pure Leben geniessen und naiv bleiben. Es gibt nichts zu bereuen, denn es war eine bereichernde Erfahrung und wir waren in diesem Moment glücklich ;)

 

In der Zwischenzeit habe ich meine gemütliche Lounge verlassen und bin zu einem meiner Lieblingsplätze gelaufen – einem ruhigen Weiher im Wald. Und ob ihr’s glaubt oder nicht, aber jetzt scheint mir tatsächlich die Sonne ins Gesicht und ich nehme das als Zeichen, diesen Blog zu beenden. Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben, aber das tue ich euch nicht an, sondern spreche mit einigen von euch gerne persönlich über diese Themen. Wer mich kennt weiss, dass ich immer für eine tiefgründige Diskussion zu haben bin – egal ob mit oder ohne Aperol und auch nicht zwingend auf meiner Lounge. Macht’s gut ihr Lieben und lasst die Sonne in eure Herzen!