16. bis 18. November 2024
Fliegen ist ja schon etwas Sonderbares… Man setzt sich während Stunden zu wildfremden Menschen und auf engstem Raum, isst und schläft sogar zusammen. Vermutlich versteht man den Sitznachbarn nicht mal. Das Essen entspricht jetzt auch nicht gerade einem Gourmet-Restaurant. Und man holt sich ziemlich sicher einen Schnupfen, im schlimmsten Fall sogar eine Trombose. Die üblen Nackenschmerzen lassen wir mal ganz aussen vor. Wegen Turbulenzen rüttelt und schüttelt es immer wieder.
Aber hey, ganz so schlimm war es dann doch nicht, als ich gestern von Zürich über London und Bogota schlussendlich nach Cartagena geflogen bin ;) Die drei Flüge sind der Sparfüchsin in mir zu verdanken und die Nackenschmerzen meinen Erfahrungen mit überterteuerten und riesigen Kissen, die man dann während der ganzen Reise rumschleppen muss. Also lieber gar keines. Das Essen war meistens ganz geniessbar und meine Sitznachbarn hab ich auch verstanden, wenn ich denn wollte. Dank dem späten Abflug abends und der Zeitverschiebung war es sowieso dunkel draussen und ich konnte etwas schlafen. Beim letzten Flug brachen wir morgens dann regelrecht durch die Wolkendecke und vor mir hat sich der Himmel aufgetan – welch magischer Moment! Ganz genau deshalb liebe ich das Fliegen jedes Mal wieder aufs Neue. Und natürlich auch, weil es mich an wunderbare Orte bringt…
Ich bin also schon mittendrin in meinem neusten Abenteuer: Kolumbien. Genauer gesagt verbringe ich die nächsten drei Wochen in Cartagena, einer Hafenstadt an der Karibikküste. Cartagena beheimatet rund eine Million Einwohner und besticht mit seinem unglaublichen Charme innert Sekunden. Die Menschen sind sehr freundlich, die Häuser in allen Farben gestrichen und in den Strassen hört man ständig Musik. Als ich durch Cartagena spazierte, fielen mir sofort die vielen Vögel hier auf. Einer ganz besonders, da er ziemlich unheimlich aussieht – der Truthahngeier. Die kreisen hier über den Dächern und suchen nach Aas und anderem Fressbaren, woran ich mich erst gewöhnen musste. Umso süsser sind dafür die kleinen Kolibris, die in grellem grün und blau umherschwirren. Leider bin ich immer zu langsam beim Fötelen. Mit der Tierwelt möchte ich mich sowieso noch etwas mehr auseinandersetzen, bis jetzt hab ich vor allem Bekanntschaft mit den stechfreudigen Mücken gemacht. Aktuell herrscht hier übrigens noch Regenzeit und es ist äusserst schwül. Dennoch brennt die Sonne stundenlang vom Himmel und man wird eher vom Schwitzen nass als vom Regen. Das soll sich in der Trockenzeit ab Dezember ändern, sagen sie zumindest.
Da mein Spanisch absolut unterirdisch ist, besuche ich die Sprachschule Nueva Lengua im lebendigen Quartier von Getsemani. Am Montagmorgen gab es ein Interview für die Einstufung. Meines war nach gefühlten 30 Sekunden bereits vorbei, weil ich die Lehrerin nur mit grossen Augen angeschaut und etwas gestammelt habe ;) In meiner Klasse sind wir zu fünft, vier davon Schweizer – war irgendwie klar. Untergebracht bin ich ein der Wohngemeinschaft der Schule etwas ausserhalb, der Schulweg dauert rund eine halbe Stunde zu Fuss. Momentan sind wir zehn Chicas, die dort wohnen und auch mal gemeinsam kochen. Leider ist es wegen der nahen Strasse und dem ständigen Gehupe auch in der Nacht ziemlich laut. Wenn nachts die Affen übers Dach rennen, klingt es so, als ob eine Elefantenherde vorbeizieht. Einen Rückzugsort zu haben ist jedoch toll und eine Klimaanlage lebensnotwendig hier.
Und nun muss ich los in die Schule. Wegen der Zeitverschiebung hinke ich sechs Stunden hinterher und der Jetlag ist noch nicht ganz überwunden. Auch heute wartet wieder ein spannender Tag auf mich. Hasta luego amigos!
19. bis 22. November 2024
Es schüttet wie aus Kübeln und donnert ganz schön laut… Dabei wollten wir heute Abend tanzen gehen, ohjeee. Wobei, nass werde ich ja sowieso und wenn ich Glück habe, zieht das Gewitter schnell weiter. So war es zumindest die letzten paar Tage. Da ich nach dem Unterricht jeweils ziemlich platt war und danach meistens auch noch irgendeine Aktivität auf dem Programm stand, verbrachte ich die Abende gemütlich in der WG. Hier geniesse ich übrigens ziemlichen Luxus, denn nebst dem Einzelzimmer mit eigenem Bad gibt es jeden Morgen frisch zubereitetes Frühstück von Marcela und unsere Kleider werden nach Bedarf gewaschen. Natürlich wird auch das Zimmer regelmässig geputzt. Kann ich das Zuhause bitte auch so buchen? ;)
Nach einer Woche Spanischunterricht ziehe ich eine durchwegs positive Bilanz. Wie ihr wisst, bin ich ganz ohne Vorkenntnisse gestartet. Nun kann ich mich doch bereits vorstellen, etwas zu essen bestellen und mit den Strassenverkäufern verhandeln, da ich die Zahlen kenne. ;) Und natürlich noch einiges mehr, worauf ich echt stolz bin. Es macht Spass eine neue Sprache zu lernen und öffnet mir weitere Türen – nicht nur beim Reisen. Nach der Schule werden jeweils verschiedene Aktivitäten angeboten. So haben wir am Montag die Grundschritte von Salsa und Merengue gelernt. Bei rund 30 Grad eine Stunde auf dem Dach der Schule zu tanzen war ganz schön anstrengend, aber auch sehr lustig. Mittwochs zeigte uns Marcela, wie man ein kolumbianisches Gericht zubereitet: Papa rellenas. Dafür wird verschiedenes Gemüse gedünstet, welches danach mit Kartoffelbrei ummantelt, paniert und in der Pfanne frittiert wird. Muy delicioso! Heute konnten wir an der „cata de frutas“ teilnehmen, also an einer Früchteverkostung. Essen und gleichzeitig Spanisch lernen – absolut perfekt für mich! :)
An den anderen Nachmittagen haben wir Cartagena ausgekundschaftet. In der farbenfrohen Altstadt gibt es soooo viel zu entdecken. Mir gefallen besonders die kolonialen Bauten mit ihren imposanten Innenhöfen und Balkonen. Im Stadtpark kann man Affen und sogar Faultiere beobachten. Das ist jetzt nicht immer ganz so spannend, aber das süsse Gesicht des Baby-Faultiers ist das Warten wert. Gestern wollten Julia und ich eigentlich zur Festung fahren. Da es dessen zwei gibt und wir das nicht wussten, chauffierte uns der Uber-Fahrer einmal durch die ganze Stadt bis ganz ans Ende der Halbinsel. Dort fragte er uns, ob wir hier wirklich hinwollen. Mit einem nicht mehr ganz so überzeugten „Si“ stiegen wir aus dem Auto und befanden uns direkt bei einem Militärareal. Dort gibt es zwar tatsächlich eine Festung, aber eben keine zugängliche. Nun gut, wir sind ja flexibel. Also liefen wir dem Strand entlang, genossen einmal eine andere Aussicht und gönnten uns einen frischen Kokossaft mit Meeresblick. Und fuhren danach rund 40 Minuten im Stau durch ganz Cartagena zurück in unsere Unterkunft.
Trotz starkem Regen verabredeten sich Julia und ich in der Stadt mit anderen von der Schule. Die Strassen waren komplett überschwemmt und wir ziemlich nass, dank der Wärme war uns jedoch überhaupt nicht kalt. In Cafe Havanna gibt es tolle Livemusik und so kam ich doch noch zu meinem Tanz. Hat Spass gemacht! Und es ist wirklich eindrücklich, wenn plötzlich alle im Lokal tanzen. Jetzt ist aber definitiv Nachtruhe angesagt, in wenigen Stunden wartet wiederum etwas Tolles auf mich. Buenas noches amigos.
23. bis 24. November 2024
Rund um Cartagena befinden sich die Islas del Rosario, ein Archipel bestehend aus 28 kleinen Inseln. Vier davon sind öffentlich zugänglich, die
anderen in Privatbesitz. Eine gehört z. B. dem Präsidenten von Kolumbien. Nachdem wir bei schwül-heissen Temperaturen rund eineinhalb Stunden beim Treffpunkt gewartet hatten und unsere Ausweise
drei Mal vorzeigen mussten, ging es endlich los. Mit einem Bus fuhren wir zum Hafen, von wo aus uns ein voll besetztes Boot zum ersten Stopp brachte. Eigentlich hatten wir die Tour auf Englisch
gebucht, jedoch wurde auch dieses Mal nur Spanisch gesprochen. Nun gut, Julia spielte glücklicherweise meine Übersetzerin. Die Insel daneben gehörte einst Pablo Escobar, dem berüchtigten
Drogenboss. Die Ruinen auf dem Bild waren mal sein pompöses Anwesen. Ausserdem stürtzte eines seiner Flugzeuge hier ab und das Wrack befindet sich immer noch unter Wasser. Leider war die Sicht
nicht besonders gut, weshalb ich einmal tief Luft holte und hinuntertauchte, bis ich die Umrisse sehen konnte. Ganz schön gruselig!
Weiter ging es zu der Partyinsel schlechthin – Cholon. Dort stehen trinkfreudige Touristen im seichten Wasser und bestellen sich einen überteuerten Cocktail nach dem anderen. Oder eine mit Tequilla gefüllte Ananas. Julia und ich machten uns einen Spass daraus zuzusehen und dabei genüsslich unsere Kokosnuss zu schlürfen. Leider ist auch hier sehr viel Müll, wenn man nur wenige Meter spaziert. Und wir wurden einmal mehr abgezockt, obwohl wir uns gewehrt hatten. Das ist schon ziemlich mühsam und ich ertappe mich dabei, wie ich immer misstrauischer werde, auch wenn jemand nur mit mir sprechen möchte. Aber gut, im Verhältnis sind es kleine Beträge und man könnte es positiv ausgedrückt auch als Entwicklungshilfe betrachten ;)
Auf der nächsten Insel ging es zum Glück ruhiger zu und her. Das Wasser rund um die Isla Agua Azul ist tatsächlich sehr blau und hier konnten wir etwas entspannen und nochmals ins warme Wasser hüpfen. Die Isla Barú hingegen war wieder deutlich touristischer, hier reihen sich Restaurants und etwas heruntergekommene Hostels aneinander. Das frisch zubereitetes Essen mit Meeresblick war sehr lecker und anschliessend liefen wir den langen Strand entlang. Um die Wartezeit zu überbrücken, setzten wir uns auf die Liegestühle. Es dauerte keine zwei Minuten und unsere Füsse wurden massiert. Obwohl wir mehrfach „No gracias“ gesagt hatten und uns versichert wurde, dass wir nichts dafür bezahlen müssten, wurde am Ende natürlich Geld verlangt. Auch in dieser Situation hat die (zu) gutmütige Seite in mir gewonnen und ich hab Geld rausgerückt. Immerhin fühlte ich mich danach tatsächlich etwas entspannter. Dank einer rasanten Fahrt übers Meer waren wir inner kurzer Zeit wieder in der Bucht von Cartagena, wo uns der Regen ins Gesicht peitschte. In der Stadt hat es anscheinend fast den ganzen Tag geregnet, wir hingegen hatten das perfekte Wetter für diesen Ausflug und ich bin dankbar, dass ich die schöne Umgebung von Cartagena nun auch gesehen habe.
Heute habe ich mich von letzter Woche erholt, was dringend nötig war. Nach einem ausgiebigen Frühstück und etwas Yoga holte ich mein Buch heraus und machte es mir gemütlich. Und ich telefonierte mit meiner Familie. Gegen Mittag spazierten Julia und ich los, um uns die grosse Festung San Felipe de Barajas anzuschauen – dieses Mal landeten wir am richtigen Ort ;) 1639 erbaut, wurde sie laufend erweitert und mehrfach hart umkämpft. Heute gehört sie zum UNESCO World Heritage. Mir gefielen besonders der Blick über ganz Cartagena und die Tunnelsysteme, welche in der Hitze angenehm kühl waren. Den Rest des Tages verbrachte ich mehrheitlich lesend in der Hängematte. Was für eine grossartige erste Woche im wunderbaren Kolumbien!
25. bis 28. November 2024
Gejetlagt. Ob es dieses Wort gibt? Wohl kaum. Dennoch beschreibt es ganz gut, wie ich mich fühle. Oder auf gut Deutsch ausgedrückt: Wie von der Walze überfahren ;) Julia musste soeben schmunzeln, als sie diese Ausdrucksweise gehört hat. Egal wie man es nennt, ich bin ganz schön müde. Das liegt vor allem am Schlafmangel, der absolut unfreiwillig ist. Leider bin ich auch nach knapp zwei Wochen jeweils um 2 Uhr morgens hellwach und könnte Bäume ausreissen. Danach kann ich meistens nur noch stundenweise schlafen und um spätestens 6 Uhr ist dann fertig lustig mit Herumwälzen. Statt Bäume kann ich dann höchstens noch Gräser auszupfen. Immerhin gibt es um diese Zeit bereits guten kolumbianischen Kaffee und so mache ich es mir noch ein bisschen in der Hängematte gemütlich und lese bis zum Frühstück.
Diese Woche ist es noch heisser und schwüler. Am Montag kamen wir völlig verschwitzt in der Schule an und nachdem wir mehrere Stunden der Klimaanlage ausgesetzt waren, wurden viele krank. Nun gönnen wir uns ab und zu ein Uber, was den Schulweg wegen des Staus zwar nicht schneller, aber deutlich angenehmer macht. Und wir nehmen deutlich mehr Snacks mit, um nicht zu verhungern ;) Lernen benötigt bekanntlich viel Energie und das Essen im Restaurant lässt hier immer lange auf sich warten. Zu lange. Deshalb entschieden wir uns am Montag direkt nach der Schule an den Strand zu fahren. Dort genossen wir die Meeresbrise, das lauwarme Wasser und schlussendlich den farbenprächtigen Sonnenuntergang. Am Dienstag kochte ich nach der Schule für Julia und mich, bevor wir uns auf die verzweifelte Suche nach einer Poststelle machten. Bereits Postkarten kaufen gestaltet sich schwierig hier, diese dann auch noch abzusenden als unmöglich. Anscheinend lassen sich nur Dokumente und Pakete nach Europa schicken. Nun gut, irgendwie werden meine geschriebenen Karten schon nach Hause kommen, notfalls dann halt mit mir ;)
Etwas frustriert wollten wir uns danach etwas Kühles holen. Ganz zufällig standen wir direkt vor dem Schokoladenmuseum. Und dort gibt es blöderweise Schokoladen-Slushies, eine Art Eis-Schoggi. Das mussten wir natürlich probieren. Nach fünf Minuten war unser Mund gefroren und nach zehn erlitten wir gefühlt einen Zuckerschock. Eine Erfahrung war das allemal wert. Dank der Konsumation konnten wir uns das kleine und liebevoll gestaltete Museum danach noch kostenlos anschauen. Abends besuchten wir zu fünft ein Sushi-Restaurant. Absurd, ich weiss. Obwohl ich die kolumbanische Küche wirklich mag, tut etwas Abwechslung immer gut. Wir essen hier schliesslich bereits Arepas zum Frühstück. Eine weitere kolumbianische Spezialität ist Kokosnussreis. Echt lecker! Dazu gibt es meistens viel Fleisch, Fisch oder Gemüse. Und natürlich eine frische Limonade. Kolumbianische Pesos rechnet man ungefähr durch 5‘000 und die Preise variirien sehr stark. Für ein Menü bezahlt man zwischen 3 und 12 Franken hier. In der Altstadt, also dort wo die meisten Touristen sind, ist es natürlich deutlich teurer. Wenn einige zusammen essen, kann die Rechnung dann schon Mal über 300‘000 sein - was für unsere Verhältnisse ja immer noch sehr günstig ist!
Für umgerechnet 18 Franken machten wir gestern am frühen Abend eine zweistündige Bootstour inkl. Getränke. Wir reden hier von günstigem Alkohol versteht sich. Rum-Cola, eigentlich so gar nicht mein Ding, aber es hilft beim Tanzen ;) Den Sonnenuntergang Salsa tanzend auf einem schwankenden Boot – und ja, vor allem das Boot hat geschwankt – war ein besonderes Erlebnis. Um den Abend ausklingen zu lassen, gingen wir noch gemeinsam essen.
Und jetzt höckle ich wieder mal in der Hängematte, lasse mich von Mücken stechen und tippe diesen Text. Da ich mich heute besonders müde fühle, mache ich richtiges Karin-Wohlfühl-Programm: Lesen, telefonieren, kochen, dösen und wieder von vorne ;) Drückt mir die Daumen, dass ich diese Nacht endlich besser schlafe. Oder besser gesagt, dass nicht ständig ein Hund bellt, die Hupen der Autos defekt sind, die Nachbarn keine laute Musik hören und meine Klimananlage genau die richtige Temperatur hat. Wunschdenken, ich weiss - aber träumen darf man ja.
1. Advent in Kolumbien. Bei 35 Grad im Schatten. Das fühlt sich ganz schön schräg an… Ich war letztes Jahr um diese Zeit in Sri Lanka, habe es jedoch ganz anders wahrgenommen. Die Kolumbianer scheinen richtige Weihnachtsfans zu sein, überall hängt Deko und es glitzert. Das macht sogar der Leuchtenstadt Luzern Konkurrenz! Und natürlich laufen Weihnachtslieder rauf und runter. Ein bisschen vermisse ich die Weihnachtsmärkte und kuschligen Abende Zuhause ja schon, vielleicht sollte ich das nächste Mal erst im Januar verreisen? ;)
Die letzten Tage waren zwar auch ziemlich gemütlich. Statt unter eine Wolldecke habe ich mich in den Liegestuhl am Strand gekuschelt. Und statt in die Badewanne ging ich ins Meer – hat etwa die gleiche Temperatur. Anstatt Glühwein trinke ich frische Fruchtsäfte und statt Weihnachtsguezli gibt es Kokosgebäck. Leider sind Julia und auch Yannik gestern abgereist. Nächste Woche bin ich sicher noch mit India und Esther aus Frankreich in der Klasse. Sie wohnt ebenfalls in der Unterkunft und wir philosophieren gerne über alles Mögliche. Sie wird vermutlich auch meine Reisebegleitung für einige Tage sein, uns zieht es nämlich beide in den Norden Kolumbiens. Und so langsam ist es Zeit Pläne zu schmieden… Aber zuerst mal zu den vergangenen Tagen:
Als ich heute Morgen in der Altstadt ankam, staunte ich nicht schlecht. Lauter rennende (und schwitzende!) Menschen auf der Strasse. Zuerst dachte ich, es handle sich um einen kleinen, lokalen Wettkampf. Bis ich realisierte, dass die Läufer durch ganz Cartagena rennen. Als ich von der Stadtmauer aus dann auch noch unzählige Fahrradfahrer entdeckte, dämmerte es mir. Der Ironman! 3.8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42.195 km Laufen. Und das in dieser Hitze! Ich weiss nicht, ob ich das bewunderswert oder absolut bescheuert finden soll… ;) Auf jeden Fall machte es mein Vorhaben etwas komplizierter, da viele Strassen gesperrt waren. Denn eigentlich bin ich heute mit meiner Kamera auf der Suche nach tollen Sujets, nun kühle ich mich stattdessen in einem schönen Lokal ab und geniesse ein superleckeres Essen. Wenn ich die Kellnerin vorhin richtig verstanden habe, sollte das Rennen sowieso bald zu Ende sein und dann schlendere ich weiter durch die Strassen. Schliesslich ist dies mein letztes Wochenende in Cartegena und ich will es nochmals so richtig aufsaugen. Hab ich schon erwähnt, dass dies eine der schönsten Städte ist, in der ich jemals war? Und ich war schon in unzähligen schönen Städten in rund 30 Ländern. Die prächtigen Türme, die farbenfrohen Häuser, die vielen Pflanzen und die aufgeschlossenen Menschen imponieren mir. Überall findet man kleine und grosse Kunstwerke, an denen man sich gar nicht sattsehen kann. Ausserdem gibt es schier unbegrenzte Möglichkeiten an schönen Restaurants und Cafes. Von überall her hört man Musik. Im zentral gelegenen Park lassen sich Vögel, Affen und sogar Faultiere beobachten. Diese Stadt strahlt einen unglaublichen Charme aus, der mich regelrecht in den Bann zieht.
Der einzige Minuspunkt hier sind die aufdringlichen Verkäufer, dafür kann die Stadt selbst aber nichts. Gestern habe ich am Strand gefühlt 10‘000 Mal „No gracias, no necesito eso“ gesagt. Das hat mich zumindest vor einer unfreiwilligen Fussmassage bewahrt. Einige wollten einfach mit mir pläuderlen und das geht nun einigermassen, was mich freut. Wenn es jedoch in eine zweideutige Richtung geht, dann besitze ich jetzt eine Geheimwaffe. Ich sage dann jeweils einfach, dass mein Freund bald nachkommt oder dass er krank im Hostel liegt. Das funktioniert einwandfrei, danach hab ich wieder meine Ruhe :) Mit anderen Touristen komme ich ganz gerne ins Plaudern, so auch heute mit einem sehr sympathischen holländischen Paar. Da ich jedoch weiter auf Erkundigungstour wollte, trennten sich unsere Wege wieder. Und dann kam sie auch schon, die Regenwand. Wie aus dem Nichts schüttete es plötzlich und alle rannten an einen geschützten Ort. Innerhalb von Minuten waren die Strassen überschwemmt und alle Uber ausgebucht. So wartete ich rund eine Stunde unter dem Torre del Reloj, dem Uhrenturm, ehe es endlich aufhörte zu regnen und ich wieder zurück ins Manga-Quartier lief. Natürlich bei brütender Hitze, die Sonne zeigte sich wieder in voller Pracht. So ist das hier eben. Tropisch schwül und man weiss nie genau, ob man jetzt vom Schwitzen oder vom Regen (oder von beidem) nass ist. Adiós amigos.
2. bis 6. Dezember 2024
Zagg, schon wieder Freitag! Diejenigen von euch, die sehnsüchtig auf meinen Blog gewartet haben – es war ganz schön was los hier :)
Am Montag musste ich mich komplett neu organisieren, da meine französische Reisebegleitung plötzlich abgesprungen ist. Nach anfänglicher Enttäuschung spüre ich nun Erleichterung, vermutlich sollte es wirklich nicht sein. Ich will unbedingt mehr von diesem tollen Land sehen. Und mein Spanisch trainieren, so langsam macht es nämlich Spass! Wirklich alleine ist man beim Reisen ja sowieso nie, ich als Plapperi lerne immer sehr schnell Menschen kennen. Sind wir also gespannt, welche kleinen und grossen Abenteuer auf mich warten…
Etwas völlig Unerwartetes ist mir bereits diese Woche passiert. Wegen Rückenschmerzen buchte ich eine Massage. Danach besuchte ich ziemlich durchgeknetet meinen Lieblingsbäcker. Im Lokal war auch eine kolumbianische Familie und wir unterhielten uns ein wenig auf Spanisch. Eine der Frauen machte mir ständig Komplimente, wollte ein Foto von mir schiessen und fragte sehr direkt nach meiner Natelnummer, was ich lachend ablehnte. Sie wurde daraufhin noch aufdringlicher und ich fühlte mich plötzlich sehr unwohl. In diesem Moment kam ein Mann hinein und wurde ebenfalls von der Frau angesprochen. Als er dies auf Schweizerdeutsch kommentierte, nutzte ich die Gelegenheit und fing mit ihm ein Gespräch an. Ich zahlte kurzerhand und wir gingen nach draussen, die Frau folgte uns. Erst als auch seine beiden Freunde deutlich machten, dass wir unsere Ruhe wollen, verschwand die Familie. Dankbar für die Unterstützung setzte ich mich zu den drei St. Gallern. Bald darauf fing es heftig an zu regnen und wir flüchteten in eine kleine Bar. Ehe ich „Cartagena“ sagen konnte, standen schon vier Drinks auf dem Tisch. Eine Stunde später tanzten wir gemeinsam mit Einheimischen auf der Strasse. Später gingen wir noch essen und unterhielten das halbe Restaurant. Was für eine lustige Wendung dieser Tag doch nahm! Dabei wollte ich mich eigentlich nur etwas entspannen ;)
Mittwochs ist in der Altstadt immer besonders viel los, was sicher auch an der Happy Hour des „Mojito Miércoles“ liegt. Man sitzt auf Plastikstühlen draussen vor den kleinen Bars, schwatzt zusammen oder tanzt. Die Maracuja-Daiquiris sind nicht nur sehr lecker, sie erfrischen auch in dieser Hitze. Es kamen immer mehr Leute aus der Sprachschule dazu und auch unsere Lehrerinnen waren in den Gassen unterwegs. So war es nicht erstaunlich, dass am Donnerstag alle ein wenig müde aussahen und etwas länger brauchten um zu antworten, gäu India? :P
Gestern schlenderten wir nochmals zu dritt durch das farbenfrohe Getsemani-Quartier, mein absoluter Lieblingsort in dieser Stadt. Vor allem die Kunst hat es mir hier angetan, so konnte ich mich kaum sattsehen! Die schönen handgemachten Schmuckstücke sind natürlich auch nicht zu verachten und man soll sich selbst ja ab und zu auch etwas gönnen, nicht wahr? ;) Etwas traurig verabschiedete ich mich von India und Violette, um mich danach noch mit Ramona zu treffen. Wir haben uns vor rund zweieinhalb Jahren beim Reisen in Mexiko kennengelernt. In der Schweiz haben wir es nie geschafft abzumachen, hier war es dafür umso schöner. Sie konnte mir auch noch einige wertvolle Tipps für Kolumbien geben, wofür ich sehr dankbar bin. Und nun heisst es packen, denn meine Reise startet nun erst so richtig!
7. und 8. Dezember 2024 – Santa Marta
Lasst uns mal kurz über die Achterbahn-Gefühle beim Reisen sprechen, denn diese haben mich die letzten beiden Tage stark beschäftigt. Leute zurückzulassen, mit denen man mehrere Tage oder Wochen verbracht und ins Herz geschlossen hat, ist nicht immer einfach. Auch eine Region oder Stadt zu verlassen, welche man ausgiebig kennengelernt hat, kann schwierig sein. Dazu kommt noch mein Heimweh, welches ich aktuell deutlich stärker spüre als sonst. Und meine Müdigkeit, da ich immer noch sehr schlecht schlafe. Meine Laune wurde während der sechsstündigen Fahrt im engen Bus von Cartagena nach Santa Marta nicht unbedingt besser… Da fliessen schon Mal Tränen, obwohl man doch eigentlich glücklich sein sollte. Ich glaube, das gehört dazu, weil man Vieles intensiver erlebt und es in diesem Moment mit niemandem teilen kann.
Endlich im Hotel angekommen war ich ziemlich hungrig und machte mich sogleich auf die Suche nach einem gemütlichen Lokal. Irgendwie bin ich dabei in
einer sehr dunklen Strasse gelandet und als mir zwei Männer hinterhergelaufen sind, wurde es mir echt mulmig zumute. Schnell lief ich auf die andere Strassenseite und schlüpfte in ein Restaurant.
Und was soll ich sagen? Dort gab es den besten Burger, den ich seit Langem gegessen habe. Soweit war meine Welt wieder in Ordnung. Danach lief ich bewusst in die andere Richtung und entdeckte
unweit meines Hotels einen hübschen Park mit dem passenden Namen „Parque des los Novios – Park der Verliebten/Vergebenen“. Dort sass ich eine Weile auf einer Bank und sah den vielen Einheimischen
zu wie sie Fotos machten, die Weihnachtsbeleuchtung bestaunten oder einem der Strassenhändler etwas abkauften. Neben dem Pavillon spielte eine Band traditionelle Musik und weiter hinten sang ein
Musiker klangvolle Lieder.
Am nächsten Tag fühlte ich mich bereits wieder besser und schlenderte gemütlich durch Santa Marta. Dabei entdeckte ich prunkvolle Bauten und beobachtete bei einem Eiskaffee das Geschehen auf den Strassen. Der Stadtstrand war voller Menschen, wie das an einem Sonntag halt so üblich ist. Also lief ich etwas weiter und landete regelrecht in einer Müllhalde. Leider gibt es auch hier abseits der Touristenorte sehr viel davon und der Anblick erzeugt jedes Mal einen Stich in mein Herz. Hier gab es auch nur noch wenige Einheimische, die unter den Palmen Bier tranken oder kifften – auch das scheint hier ziemlich normal zu sein. Als ich etwas später in eine Kontrolle eines Einkaufsladens geriet, wusste ich nicht so recht, wie mir geschieht. Der Polizist durchsuchte alle meine Taschen und hob triumphierend meine neue Unterwäsche in die Höhe. Mit Müh und Not versuchte ich ihm zu erklären, dass ich diese in einem anderen Laden gekauft hatte. Er grinste nur und die umstehenden Männer lachten natürlich. Ich fragte ihn mehrfach nach dem Grund für die Kontrolle, bis er plötzlich meine soeben erworbene Sonnencreme hervornahm und auf das Sicherheitslabel zeigte. Dies hatte anscheinend einen Alarm ausgelöst und mir ist bis jetzt schleierhaft, warum man dies nicht einfach an der Kasse entfernt. Aber nun gut, wenigstens hatten die Männer ihren Spass…
Irgendwie wurde ich nicht so recht warm mit Santa Marta, wollte jedoch den Sonnenuntergang nicht verpassen. So wartete ich geduldig und natürlich mit ständigem Angequatsche in der Nähe des Hafens. Plötzlich fiel mir ein Päärchen auf und als ich hörte, dass die beiden Deutsch miteinander sprechen, bat ich sie um ein Foto von mir. Das ist übrigens der aller einfachste Trick, um mit jemanden in Kontakt zu treten ;) Wir waren uns sofort sympathisch und vertieften uns so sehr in unser Gespräch, dass wir beinahe den Sonnenuntergang verpassten. Danach luden sie mich noch auf einen Drink ein und wir verbrachten einen tollen Abend. Schon spannend, welche Leute man beim Solo-Reisen kennenlernt. Dankbar für diese Begegnung ging ich mit einem guten Gefühl schlafen. Ich konnte ja (noch) nicht ahnen, was die nächsten Tage auf mich zukommen würde…
9. bis 12. Dezember 2024 – Ciudad Perdida
Nach einem reichhaltigen Frühstück wurde ich in meinem Hotel abgeholt. Und eines meiner bisher grössten Abenteuer sollte beginnen: Die viertägige Wanderung zur Ciudad Perdida. Mit 16 Personen waren wir eine sehr grosse Wandertruppe und nebst unserem Guide Victor begleitete uns der Co-Guide Omar sowie die Übersetzerin Sofia. Ich war erstaunt, wie viele Kolumbianer dabei waren, welche aktuell Urlaub machen. Auch vier Holländerinnen, ein Spanier und drei Amerikaner waren mit von der Partie. Mit zwei Offroadern fuhren wir zuerst gut 1.5 Stunden entlang der Küstenstrasse und danach rund 45 Minuten über sehr holprige Strassen bis zum Basiscamp in den Bergen. Ganz ehrlich, ich hatte mich nicht sonderlich mit der Wanderung auseinandergesetzt, sondern dachte mir, dass dies im Verhältnis zu Schweizer Bergen nicht so anspruchsvoll sein kann. Ich sollte mich täuschen…
Der Weg führt während 45 Kilometern und rund 1’300 Höhenmetern durch die Sierra Nevada Kolumbiens. Das bedeutet unzählige Hügel, dichter Regenwald, 33 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit. Und ja, ich war innert Minuten komplett durchgeschwitzt. Obwohl ich nur das Nötigste eingepackt hatte, fühlte sich mein Rucksack richtig schwer an. Während rund vier Stunden liefen wir stetig bergauf, konnten dabei jedoch die herrliche Aussicht über den Dschungel und die Berge geniessen. Zwischendurch gab es immer wieder frische Früchte, welche umso besser schmeckten. Die 12 Kilometer liesen sich trotz viel Wasserverlust ganz gut absolvieren und wir erreichten das Camp Adan am frühen Abend. Im Fluss Buritaca, welchen wir während der vier Tage unzählige Male überqueren sollten, genehmigten wir uns ein kühles Bad. Als Stärkung gab es danach ein reichhaltiges Abendessen bestehend aus Fisch, Reis, Salat und Patacones (frittierte Kochbananen). Um 19.30 Uhr lagen wir bereits auf unseren Matratzen und sprühten uns trotz Netzen ausgiebig mit Mückenspray ein. Die Viecher sind eine richtige Plage – im Dschungel noch deutlich mehr als am Meer. Teils undefinierbare Geräusche weckten mich immer wieder auf, dennoch genoss ich es an der frischen Luft zu schlafen und den Frieden dieses Ortes.
Pünktlich um 5 Uhr war Tagwach und das Frühstück wartete bereits auf uns. Arepas oder Reis mit Früchten sollten es vier Tage lang sein, was ich nun ehrlich gesagt absolut nicht mehr sehen kann. Warum, das erfährt ihr bald. In den Morgenstunden war es noch nicht ganz so heiss, da die Sonne erst gegen 8.30 Uhr über den Hügeln erschien und auf uns niederbrannte. So marschierten wir fröhlich weiter und erreichten bereits vor dem Mittag ein Dorf der Indigenen. Die dort lebenden Kogí sind eine von vier Stämmen im Gebiet der Sierra Nevada. Uns wurde erklärt, dass Frauen und Männer stets getrennt wohnen. Die Frauen kümmern sich um den Nachwuchs - im Schnitt 12 Kinder! - und das Essen, zudem stellen sie die traditionellen Taschen her. Die Männer sind häufig draussen unterwegs, kauen Kokablätter und pflegen ihren „Poporo“. Dieser besteht aus einem Behälter (häufig aus Kürbis), in dem man Limetten und Muschelabrieb mischt und diese Tinktur mittels eines Stocks in den Mund befördert. Zusammen mit den Kokablättern, die bereits zerkaut sind, gibt dies einen Saft, welcher nadisna aufgetragen wird. Daraus wiederum ergibt sich über die Jahre ein ganz persönliches Stück, welches ein bisschen an einen Käselaib erinnert. Respektive auch mehrere, denn irgendwann wird das Ding schlicht zu schwer zum Herumtragen. Die Kogí sehen den Poporo als eine Art Tagebuch, da sie ihre Gedanken beim Erstellen frei fliessen lassen. Nach dem Ableben versteckt der Stammeshäuptling die Poporos an einem heiligen Ort.
Nach dem Mittagessen begann die liebevoll benannte „Happy Hour“ – eine Stunde steil bergauf. Und das im grössten Schlamm. Was für ein Vergnügen… Oben angekommen gab es nicht nur süsse Früchte, sondern auch eine grosse Überraschung. David und Kualie, welche ich in der Sprachschule in Cartagena kennengelernt hatte, kreuzten meinen Weg. Ganz ehrlich, das hat mir einen enormen Motivationsschub gegeben. Danach ging es weiter über Stock und Stein, bis wir vier Stunden später das zweite Camp erreichten. Auf dem Weg begegneten wir wiederum vielen Indigenen, welche barfuss, in Crocs oder Gummistiefeln unterwegs sind. Uns wurde bereits am ersten Tag erklärt, dass die Einheimischen oft sehr scheu sind und wir sie nicht ohne Erlaubnis von vorne fotografieren sollen. Da sie häufig kein Spanisch sprechen, sondern ihre eigene Sprache, und auch aus Respekt schoss ich nur wenige Fotos. Die insgesamt 20 Kilometer am zweiten Tag machten sich langsam auch in den Beinen bemerkbar. Blöderweise hatte ich einen meiner Sandalen im ersten Camp vergessen und so musste ich die restlichen drei Tage immer mit meinen Wanderschuhen rumlaufen – nicht gäbig! Schon bald bildeten sich Blasen an den Füssen und so lief ich wann immer möglich barfuss. Trotz allem fühlte ich mich ganz gut. Dies galt leider nicht für alle in meiner Wandertruppe, eine Teilnehmerin wurde in der Nacht plötzlich krank...
Am dritten Tag war es endlich soweit – der Aufstieg zur Ciudad Perdida. Top motiviert stiegen wir restlichen 15 die 1‘200 sehr steilen Stufen hoch und sollten nach einer Stunde schweissgebadet oben ankommen. Unsere Guides erzählten uns die Geschichte der verlorenen Stadt, die ich hier zusammenfasse: Ca. 700 nach Christus erbaut erstreckt sie sich insgesamt über 48‘000m2 und wurde während der Hochblüte vermutlich von ca. 2‘000-8‘000 Menschen bewohnt. Die Spanier schleppten Seuchen ein, welche viele Einwohner sterben liessen. Die Überlebenden verliessen die Stadt ungefähr 1630 und hinterliesen unzählige wertvolle Schmuckstücke, welche sie den Verstorbenen auf den Weg ins nächste Leben mitgaben. 1973 entdeckten Grabplünderer durch Zufall die Ruinen und zerstörten diese teilweise auf der Suche nach Wertvollem. Es entstand ein Krieg zwischen den Einheimischen und Grabräubern. Drei Jahre später machten sich zehn Archäologen auf den Weg, nur sieben davon überlebten die anspruchsvolle Wanderung durch den Dschungel. Anschliessend wurde eine Vereinbarung zwischen den Einheimischen und der Regierung getroffen. Vier Teile wurden freigelegt und sind zugänglich. Vom heutigen Tourismus profitieren auch die Stämme, da sie einen Anteil erhalten. Dennoch wird die Besucherzahl begrenzt und es gelten strikte Vorschriften.
Die Ciudad Perdida ist nebst Machu Picchu in Peru eine der grössten wiederentdeckten Städte Südamerikas. Und was soll ich euch sagen? Es ist wirklich eindrucksvoll! Während gut drei Stunden entdeckten wir die vier ehemaligen Stadtteile und liesen uns alles erklären. Wie immer versuchte ich mir vorzustellen, wie die Menschen hier wohl lebten. Nach der Besichtigung stand ein weiteres Highlight auf dem Programm, nämlich das Kennenlernen des Oberhauptes der Kogí. Der sogenannte Mamo ist einer der bekanntesten Menschen Kolumbiens und ist auf der 50‘000er Note abgebildet. Ihr könnt euch schon denken, was danach kam, oder? Natürlich musste der ganze Weg auch wieder runtergelaufen werden. Da wir bereits ziemlich erschöpft waren, dauerte der Abstieg etwas länger und wir waren alle froh heil unten angekommen zu sein. Sicherungen gibt es übrigens praktisch keine, da braucht es echt gute Trittsicherheit. Mich plagten zudem starke Kopfschmerzen, welche ich der Hitze zuschrieb. Natürlich gab es wieder ein erfrischendes Bad im Fluss, was meine Beschwerden kurzzeitig linderte. Um 18 Uhr lag ich völlig erschöpft im Bett. Leider war die Nachtruhe dieses Mal nur von kurzer Dauer, schon bald sollte ich mehr Zeit auf der Toilette verbringen als auf der weichen Matratze. Auch die wenigen Bissen meines Frühstücks hielten es nur sehr kurze Zeit in meinem Bauch aus… Mir wurde ein Gemisch aus Limettensaft und Salz verabreicht, welche den Brechreiz kurzfristig unterband. Trotz völliger Energielosigkeit war mein Wille (und mein Ego!) stark und so lief ich um 6 Uhr wie gewohnt los. Die ersten 30 Minuten war ich zwar langsam unterwegs, konnte mich jedoch immer wieder motivieren. Danach ging es eine Stunde bergauf und ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr wirklich daran erinnern. Ich weiss noch, dass ich mich unterwegs erneut übergeben musste und plötzlich fiebrig wurde. Endlich oben angekommen sank ich in die Knie und konnte ohne Hilfe nicht mehr aufstehen. Da wurde mir klar, dass ich es nicht aus eigener Kraft schaffen würde. Ich fragte einen Guide nach Unterstützung und dieser meinte, dass es nun zu spät sei für ein Maultier und ich die restlichen sechs Stunden auch noch laufen müsse. Da brach ich in Tränen aus und übergab mich erneut. Völlig verzweifelt und verloren fühlte ich mich. Wie sollte ich es bloss wieder aus diesem Dschungel schaffen? Der Guide erkannte den Ernst der Lage und versuchte über sein Funkgerät Hilfe anzufordern. Er sagte mir, dass ein Maultier 200‘000 (ca. 40 Franken) kosten würde. So viel Geld hatte ich jedoch nicht dabei. Glücklicherweise lebten ganz in der Nähe Indigene und etwas später stand trotz zu wenig Geld ein Maultier vor mir. Mit Unterstützung schaffte ich es aufzusteigen und wurde durch das unwegsame Gelände getragen. In meinem Zustand war es jedoch äusserst anstrengend mich auf dem Sattel zu halten. Einige Male meinte ich gar abzustürzen, da der Muli sehr nahe an Abgründen entlanglief. Auf den einigermassen flachen Untergründen versuchte ich mich jeweils etwas zu erholen und schlief dabei beinahe ein. Nach rund zweieinhalb Stunden erreichten wir endlich ein Camp und ich legte mich sofort auf die Bank. Als ich merkte, dass wir länger bleiben würden, schlüpfte ich in eines der Betten, um zu schlafen. Danach fühlte ich mich etwas besser. Die anderen meiner Truppe trafen laufend ein und einige mussten aufgrund der grossen Anstrengung ebenfalls Forfait geben. So konnten wir den letzten Teil der Strecke auf Motorrädern zurücklegen. Die Fahrer kennen die Umgebung im Schlaf, entsprechend abenteuerlich war die holprige Fahrt. Wie froh ich war, als ich eine halbe Stunde später wieder festen Boden unter mir hatte und mich sogleich wieder auf die kühlen Steine legen konnte. Die Hartgesotennen unter uns waren bereits im Basiscamp und wir warteten auf den Rest der Truppe. Ich versuchte noch am gemeinsamen Mittagessen teilzunehmen, musste innerhalb von wenigen Minuten jedoch wieder eine versteckte Ecke aufsuchen… Wenn man nicht mal mehr Reis essen kann, dann weiss man, dass man krank ist. Dankbar, dass ich im 4x4 vorne sitzen durfte, überstand ich die allerletzte Fahrt bis ins Hotel ohne Zwischenfall. Dort informierte ich kurz meine Liebsten, bevor ich noch vor Sonnenuntergang ins Bett kroch.
Alles in allem war die Wanderung durch die Sierra Nevada und die Ciudad Perdida ein grandioses Abenteuer! Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass ich die gesamte Strecke laufen kann und hätte es mir bei gesundem Zustand auch zugetraut. Ob ich es wieder mal etwas naiv-optimistisch angegangen bin? Vermutlich. Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall. Werde ich es jemals vergessen? Ganz bestimmt nicht.
Und so bin ich dankbar, dass ich in diesen schwierigen Stunden einerseits ein starkes Maultier – welches ich übrigens Fuerte („Starker“) getauft habe – an meiner Seite hatte. Vor allem bin ich jedoch dankbar für die vielen aufmunternden Worte meiner Wanderbuddies, welche mir zur Seite standen. Und stolz bin ich allemal auf meine Leistung. Das nächste Mal wandere ich wieder in den bekannten Schweizer Bergen ;) Jetzt ist aber erst mal Erholung am Strand angesagt, hasta luego amigos.
13. bis 16. Dezember 2024 – Guachaca
Den Freitag verbrachte ich mehr oder weniger dösend in der Hängematte. Was genau den Infekt ausgelöst hat, weiss ich nicht. Vielleicht das Wasser (obwohl gefiltert), das Essen, die Anstrengung oder einfach eine Mischung davon. Ist auch egal, so was passiert. Meine aktuelle Unterkunft, Lote 10 Glamping in Guachaca, ist der perfekte Ort zum Erholen. Es liegt direkt am Meer und bietet viel Ruhe. Ich hatte ein riesiges Zelt mit einem Doppelbett, einer Dusche im Freien (das liebe ich!), einem Öko-WC sowie eine gemütliche Ecke mit Hängematten – alles für mich! Von meinem Bett aus hörte ich das Meer, die vielen zwitschernden Vögel und konnte wunderbar entspannen. Und stundenlang lesen. Als plötzlich eine grosse Echse an meinem Zelt vorbeilief, war ich aber doch ganz froh, dass sich noch eine Zeltwand zwischen uns befindet ;) Und eines Abends kam ich ins Zelt und hörte ein Dribbeln, konnte jedoch nichts sehen. Als ich das Licht anmachte, sah ich etwas unters Bett huschen. Was war das?! Eine Spinne? Eine Eidechse? Oder gar eine Ratte? Mit einem mulmigen Gefühl schaute ich nach und sah einen Krebs. Er muss sich genau so erschrocken haben wie ich. Zur Sicherheit von uns beiden stellte ich alles nach oben und ging schlafen, das Dribbeln habe ich nicht mehr gehört und den kleinen Kerl auch nicht mehr…
Nach zwei Tagen fühlte ich mich deutlich besser und überlegte mir, wie meine Reise weitergehen soll. Wie immer recherchierte ich ausgiebig und las Reiseblogs. Der Norden Kolumbiens hat viel zu bieten, gilt teilweise jedoch auch als sehr gefählich. Und ohne Bargeld lässt sich hier oben sowieso gar nichts machen. Da ich ja mein ganzes Geld für den Notfalltransport ausgegeben hatte, musste ein Plan her. Der nächste Bancomat sei 15 Minuten mit dem Mototaxi entfernt, sagte man mir an der Rezeption. Nun gut, dann schwang ich mich halt auf den Rücksitz und fuhr dorthin. Immerhin hab ich nach halber Strecke einen Helm gekriegt, denn die Fahrt war ganz schön rasant. Für das Geldabheben in einem Laden wurden mir 10% berechnet, aber das war es mir wert. Wir sausten wieder zurück und meine Recherche ging weiter. Ziemlich unschlüssig darüber, wie es mit meiner Reise weitergehen und wann ich jetzt wirklich nach Hause kommen will, legte ich mein iPad zur Seite. Irgendwie hat sich Alleine-Reisen echt schon einfacher angefühlt, hmm. Kurzerhand hab ich meinen Aufenthalt hier um eine Nacht verlängert, um Zeit und auch mehr Klarheit zu gewinnen.
Fast noch lieber als in meinem Zelt bin ich jedoch am Strand, denn dort ist die Hitze dank einer stetigen Brise angenehm und man hat uneingeschränkte Meeressicht. In diesem Moment fliegen wieder einige Pelikane übers Wasser, welch toller Anblick! Das Meer ist wild hier und so war ich nur einmal kurz schwimmen. Stattdessen stehe ich oft mit den Füssen im Wasser und lasse es auf mich wirken. Wisst ihr, wie es sich für mich anfühlt, wenn die Wellen die Beine umspülen? Wie eine Liebkosung. Teilweise sehr sanft und liebevoll, dann wieder schnell und kräftig. Ich konnte mich noch nie zwischen Meer und Bergen entscheiden, beides sind absolute Kraft- und gleichzeitig Ruheorte für mich.
Mehrmals täglich spaziere ich den ruhigen Strand entlang, besonders gerne in den frühen Morgenstunden, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Ruhe pur! Ganz alleine bin ich jedoch nie, hier tummeln sich nämlich tausende Krebse, welche sich immer blitzschnell verstecken, wenn man sich nähert. Vielleicht auch mein kleiner Zelt-Freund? Auch viele Vögel sind am Strand oder auf den Palmen dahinter anzutreffen. Ah, übrigens habe ich euch ganz vergessen euch zu erzählen, dass ich Tukane gesehen habe! Und zwar in dem Moment, als ich völlig erschöpft auf das Maultier gewartet habe. Zu fünft hockten sie auf einer Baumkrone und schauten auf mich runter. Was sie sich bei meinem Anblick wohl gedacht haben? ;) Ich zumindest war zu langsam um ein Foto zu schiessen, der Moment hat sich dennoch eingeprägt. Schon spannend, wie man solche Augenblicke je nach Befindlichkeit anders abspeichert.
Den nahegelegenen Nationalpark Tayrona wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. So fuhr ich – wieder mit dem rasenden Töfftaxi – zum Parkeingang und machte mich auf den Weg. Zuerst ging es einige Zeit über klapprige Holzstege durch den Wald. Da ich früh unterwegs war und mich bewusst von den anderen Besuchern abschottete, konnte ich schon bald einen kleinen Nager im Unterholz entdecken. Genüsslich mampfte er seine Nüssli und beachtete mich gar nicht. Danach ging es teilweise steil rauf und runter, bis ich einen ersten Blick auf die Bucht erhaschen konnte – Wow! An den meisten Stränden darf man wegen starken Strömungen nicht baden, es kamen hier bereits über hundert Personen deswegen ums Leben. In anderen Buchten leben Schildkröten, welche ich aus der Distanz leider nicht sehen konnte (falls sie denn überhaupt da waren). Auch Alligatoren leben im Park und so sehr ich mich auch bemühte einen zu entdecken, ich blieb erfolglos. Vielleicht auch besser so. Dafür sah ich umso mehr farbenprächtige Schmetterlinge. Mit ihren riesigen Flügeln schweben sie majestätisch durch die Luft. Nach gut zwei Stunden erreichte ich die Hauptattraktion von Tayrona, die Bucht von San Juan. Besser gesagt die beiden Buchten, welche durch einen Fluss getrennt sind. Zuvorderst befindet sich eine kleine Insel mit einem Gebäude drauf. Dort lässt es sich in Hängematten durchatmen und die Aussicht geniessen. Um 10 Uhr war der Strand erst wenig besucht, was sich innerhalb von wenigen Minuten jedoch drastisch ändern sollte. Einerseits gibt es einige Übernachtungsmöglichkeiten im Park und andererseits war Sonntag in der Hauptsaison – keine gute Kombi. Glücklich darüber, dass sich mein frühes Aufstehen und der schnelle Fussmarsch gelohnt hatten, spazierte ich langsam zurück. An einigen Orten kann man sich verpflegen und zwei Berner leisteten mir spontan Gesellschaft. Von ihnen und einem Amerikaner erhielt ich weitere Reisetipps, was immer sehr wertvoll ist.
Gestärkt machte ich mich auf die letzte Etappe und was hörte ich da plötzlich in den Bäumen? Mehrere Lisztaffen hangelten sich waghalsig von Ast zu Ast, welch Schauspiel. Ganz gebannt schaute ich der Bande eine Weile zu. Glücklich und zufrieden lief ich danach zum Ausgang und war Mitte Nachmittag bereits wieder zurück. Somit hatte ich genügend Zeit, um mich nochmals meinen Reiseplänen zu widmen. Und so sitze ich nun am Flughafen von Santa Marta und warte auf meinen Flug nach Pereira. Und dies für mindestens sechs Stunden, da ich viel zu früh hier war (Privattransfer sei „Dank“) und nun hat der Flieger auch noch sicher zwei Stunden Verspätung. Zum Glück bin ich ein so geduldiger Mensch, nicht wahr? ;) Und zum noch grösseren Glück gibt es motivierte Telefonierer unter euch, gäu Flavio? :) Hoffen wir, dass ich bald abheben kann, ich freue mich nämlich sehr auf das gemilderte Landesinnere. Und auf weitere 10 Tage Kolumbien!
17. bis 18. Dezember 2024 – Pereira & Valle de Cocora
Die Wartezeit hat sich noch als recht unterhaltsam erwiesen… Es waren extrem viele Jugendliche im Wartebereich und es ging nicht lange, bis ich angesprochen wurde. Ein junger Mann erklärte mir in Spanglisch (Spanisch und Englisch), dass sie soeben alle die Oberstufe abgeschlossen hatten und deshalb in Santa Marta waren. Mit ihren Mamis nebenbei erwähnt. Und er stellte mir unglaublich viele Fragen, was ich zu Beginn ziemlich lustig fand. Bis er dann so richtig in Fahrt kam und ich musste aufpassen, dass ich nicht lauthals lachte, da die Situation dermassen absurd war. Ein gefühlt 18-jähriger, der kaum Englisch spricht, mit seinem Mami nebendran, versucht zu flirten. Nehmt es mir nicht übel, aber es war wirklich lustig. Das fanden auch die vielen Mitschüler, die sich immer zahlreicher zu uns gesellten und sich am Gespräch beteiligten. Als wir das Gate wechseln mussten, ergriff ich die Gelegenheit, setzte mich etwas abseits hin und hörte Musik. Keine zwei Minuten später erzählte mir ein (etwas älterer) Mann, dass er sich gerne mit mir unterhalten würde, um sein Englisch zu üben. Nun gut, ich bin ja wirklich ein geselliger Mensch, sogar nach acht Stunden am Flughafen ;) Übrigens wird hier noch geklatscht nach erfolgreicher Landung und dies äusserst euphorisch. Und dreimal hintereinander, das passt irgendwie zu Kolumbien.
Kurz vor dem Abflug lernte ich auch noch Lotti aus Wien kennen und mit ihr teilte ich mir dann spät abends ein Taxi in die Innenstadt von Pereira. Der Taxifahrer warnte mich beim Aussteigen eindringlich vor einem Quartier, besonders nachts. Aufgrund dieser Aussage und weil ich niemanden kenne, der bereits in Pereira war, hatte ich eher eher tiefe Erwartungen. Und ich wurde absolut positiv überrascht! Pereira ist in meinen Augen ein verstecktes Juwel in Kolumbien. Auch hier sind die Menschen super freundlich und viel weniger aufdringlich als an anderen Orten. Und sogar nach zwei Tagen hier habe ich keine einzigen anderen Touristen gesehen, was an ein Wunder grenzt. Mein heutiger Guide Juan Camillo, welcher in Pereira lebt, erklärte mir heute, dass die Stadt total unterschätzt werde und viele Touristen direkt nach Salento oder Armenia fahren. Diese Orte liegen auch näher am bekannten Valle de Cocora, dazu aber später mehr.
Pereiras Strassen sind wellenförmig angelegt, da sich die Stadt auf mehreren Hügeln befindet. So läuft man ganz schön hoch und runter, wenn man die Stadt erkundigt. Eine lange Brücke verbindet die Stadt mit einem weiteren Ort und von dort oben hat man eine tolle Aussicht. Als ich unter der Brücke durchlief, sah ich viele sehr heruntergekommene Häuser. Im Bambus-Wald daneben leben anscheinend einige Obdachlose. Im vermeintlich gefährlichen Quartier findet unter Tags eine Art Trödelmarkt statt, dort kann man von Kleidern über Kochutensilien bis zu Werkstatt-Zubehör alles finden. Ich fand es extrem spannend, würde nachts aber definitiv nicht dort rumlaufen. Der Plaza Bolívar bildet das Zentrum und hier spielt sich das Leben ab. Ältere Männer spielen Schach, Strassenverkäufer rufen laut über den ganzen Platz, alle Bänkli sind besetzt. Ich liebe ja solche Orte und kann dem Geschehen stundenlang zuschauen. Auch von der Terrasse meines Hotels kann ich wunderbar dem regen Treiben auf den Strassen zuschauen und sehe zudem direkt zur Iglesia de Carmen, welche eher wie eine Kathedrale aussieht. Die Calle de Encuentro ist ebenfalls in dieser Ecke und erinnert mich mit ihren farbenfrohen Häusern an Cartagena. Abends laufe ich jeweils die Hauptstrasse entlang, welche aktuell wunderbar beleuchtet ist. Hier ist wirklich ALLES beleuchtet und geschmückt… Sogar meine Pizza hatte Gold-Plättli als Dekoration ;) An den ganzen Kitsch hab ich mich langsam gewöhnt, die Kolumbianer lieben Weihnachten über alles. Auch in Pereira laufen sehr viele mit Weihnachtssujets auf den Shirts oder gar mit geschmückten Haarspangen oder Samichlausmützen rum. Ich bin sehr gespannt auf die Weihnachtstage, welche ich in Medellín verbringen werde.
Und nun erzähle ich euch noch von meinem absolut perfekten Tag heute! Ich habe immer noch ganz glänzige Äugli und ein fettes Grinsen im Gesicht :) Nach langem Zögern habe ich mir eine private Tour gegönnt, sozusagen mein eigenes Weihnachtsgeschenk. Um 7 Uhr wurde ich von Carlos, meinem Fahrer abgeholt. Einige Minuten später gesellte sich mein Guide Juan Camillo dazu. Bereits auf dem Weg erzählte mir Juan Camillo in perfektem Englisch alles Mögliche über Pereira und die umliegende Umgebung. Als wir im Valle de Cocora ankamen, war es noch relativ kühl und zu meinem grossen Erstaunen menschenleer. Sogleich wanderten wir bis zum ersten Aussichtspunkt und genossen die herrliche Ruhe und den grossartigen Blick über das ganze Tal. Hier wachsen die höchsten Palmen der Welt, die bis zu 70 Meter hohen Wachspalmen. Juan Camillo wusste sehr viel über Flora und Fauna und beantwortete alle meine Fragen. Völlig fasziniert stand ich einige Minuten da und bestaunte die Landschaft. Auf über 2‘200 Metern eine solche Vielfalt anzutreffen – wow! Kurze Zeit später sahen wir sogar einige in den Palmen lebenden Gelbohrsittiche, eine seltene Papageienart. Sie sind grell grün mit einem gelben Streifen über dem Schnabel und den Ohren. Putzige Tierchen und ganz schön laut! Obwohl ich meinem Guide gesagt hatte, dass ich ein absolutes Glückskind sei, blieb uns der Anblick des Andenkondors leider verwehrt. Wie gern hätte ich das Wappentier von Kolumbien vorbei segeln gesehen. Man sollte sein Glück aber auch nicht zu sehr herausfordern, alles andere war absolut perfekt. Übrigens leben in diesem Land weltwelt am meisten Vogelarten.
Nach der eindrücklichen Wanderung durch das Valle de Cocora fuhren wir ins sehr touristische Salento. Das kleine Dorf besticht mit seinen hübschen Häusern, der Kirche im spanischen Baustil und dem geschmückten Park. Nach einer Kaffeepause (endlich richtig guter Kaffee!) chauffierte uns Carlos durch die bergige Landschaft bis zur Finca Luger. Dort erhielt ich eine zweistündige Tour und lernte die Welt des Kaffees von A-Z kennen. Ziemlich schnell fragte ich, warum der Kaffee in Kolumbien meistens so wässig und teilweise sehr bitter sei. Man erkärte mir, dass die Kolumbianer nur Arabica anbauen, welcher einen gerigen Koffeinanteil hat. Dieser gilt zwar als qualitativ hochwertiger als Robusta-Kaffee, wird jedoch häufig sehr schlecht hergestellt. Kolumbien ist der weltwelt drittgrösste Produzent von Kaffee (hinter Brasilien und Vietnam) und es gibt sehr viele Grossbetriebe, welche den Prozess möglichst kostengünstig halten. Dies mindert die Qualität erheblich. Richtig guter Kaffee brauche viel mehr Zeit und sei deutlich teurer. Nun gut, das ist eine plausible Erklärung. Wir durften selbst reife Beeren pflücken, die Schale entfernen, beim Trocknungsprozess zuschauen, die Bohnen rösten, mahlen und schlussendlich den fertigen Kaffee kosten. Ich will ehrlich sein, mein Lieblingskaffee ist es nicht… Dafür mag ich richtig guten Cappuccino einfach zu gerne. Dennoch habe ich eine Packung gekauft und hoffe, dass sich das Pulver mit der kleinen Siebträgermaschine Zuhause ganz passabel zubereiten lässt. Eine tolle und lehrreiche Erfahrung war es jedoch allemal und ich hatte viel Spass.
Diesen Blog schreibe ich in einem chicen Lokal zurück in Pereira und denke dankbar an diesen grossartigen Tag zurück. Wieder einmal bin ich unfassbar dankbar und könnte glatt heulen, aber das würden die Einheimischen um mich herum wohl komisch finden ;) Das Lokal heisst übrigens Bistro Lucerna, ich fühle mich also ein wenig Zuhause. Das Essen war extrem lecker und nun bestelle ich mir noch ein lokales Bier. Was für ein absolut wunderbarer Tag – ich Glückskind! :)
19. bis 21. Dezember 2024 – Medellín
Am Vormittag stand die nächste Busfahrt an, dieses Mal in die zweitgrösste Stadt Kolumbiens – Medellín. Früher bekannt als einer der gefährlichsten Orte der Welt, heute eine innovative Stadt mit vielen Facetten.
Während knapp sechs Stunden fuhren wir durch die bergige und äusserst kurvenreiche Landschaft. Ich staune ja immer wieder, wie souverän hier gefahren wird. Dennoch wurde mir auf halber Strecke schlecht und ich war echt froh, als ich endlich aussteigen konnte. Auch hier habe ich mich zuerst Mal über die Taxis erkundigt. Der Zuständige meinte, ich könne problemlos ein Taxi nehmen, jedoch sei das Gebiet meines Hotels nicht sicher. Ich fragte auch noch meinen Taxifahrer und gemäss ihm sei es eine lebendige Gegend und auch für Alleinreisende in Ordnung. Wieder mal mit gemischten Gefühlen betrat ich das Hotel und fand auf den ersten Blick ein passables Zimmer. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich jedoch dreckige Bettwäsche, überall Haare und Krümmel. Zudem gab es kein Fenster und ich fand nirgends eine Bettdecke. Nun gut, ich bin ja eh nicht viel im Zimmer, dachte ich mir noch. Als ich auf Entdeckungstour ging, wie ich es immer mache, merkte ich jedoch schnell, dass dies tatsächlich keine wirklich sichere Gegend ist. Mein Gefühl sagt mir das immer sehr zuverlässig und so kehrte ich nach wenigen Minuten wieder zurück und machte mir einen gemütlichen Abend. Das wollte ich zumindest, denn um neun Uhr wurde es plötzlich extrem laut. Im Aufenthaltsbereich der Rezeption, also direkt vor meinem Zimmer, hatten sich viele Menschen versammelt und sprachen in einer unglaublichen Lautstärke miteinander. An Schlaf war nicht zu denken und so ging das bis morgens um vier (!) Uhr. Ich hatte die Schnauze dermassen voll von diesem ganzen Lärm, dass ich meine Reservation noch in dieser Nacht stornierte und dank einer kleinen Notlüge sogar mein Geld zurück erhielt. Und kurzerhand ein neues Hostel in einer anscheinend deutlich besseren Gegend buchte. Nur leider hatte ich am Abend zuvor meine Kleider zum Waschen abgegeben, da dies dringend nötig war. Am Morgen sagte man mir dann, ich müsse bis am Abend warten. Kurzerhand lief ich selbst zur Wäscherei und fragte mich durch, bis ich den Sack mit meiner - natürlich immer noch dreckigen - Wäsche in der Hand hielt. Danach liess ich mich mit einem Uber ins neue Hostel bringen, streckte dem Mitarbeitenden den Wäschesack hin und bat ihn um schnelle Reinigung. Ich hatte nämlich eine Tour gebucht, die nach 9 Uhr startete und so musste ich mich schleunigst auf den Weg machen.
Mit müden Augen und einem Kaffee in der Hand startete ich mit fünf anderen die Tour über Pablo Escobar. Wie ihr wohl alle wisst, gilt er als der grösste Drogenbaron und Oberhaupt des Medellín-Kartells. Zuerst schauten wir uns das Denkmal für die Opfer an. In einer schwarzen Wand befinden sich rund 43‘000 Löcher, dies ist die offizielle Zahl. Unser Guide meinte, dass insgesamt mehr als 200‘000 Menschen in dieser Zeit gewaltsam ums Leben gekommen seien. Viele seiner Anschläge auf Banken, Drogerien sowie öffentliche Gebäude sind schriftlich im Monument festgehalten. Unter seinen Opfern befinden sich sehr viele Polizisten, da er ein Kopfgeld auf diese ausgesetzt hatte. Früher stand an diesem Ort das Edificio Mónaco, ein Appartement von Escobar, welches abgerissen wurde. Anscheinend beteiligte sich die Bevölkgerung rege daran in der Hoffnung, Geld in den Mauern zu finden.
Danach schauten wir uns La Catedral an. La Catedral wurde als „Gefängnis“ erbaut, in dem sich Escobar offiziell aufhalten musste, um nicht an die USA ausgeliefert zu werden. Da er das Gefängnis selbst konstruiert und erbaut hatte, glich es eher einer Luxusunterkunft mit toller Sicht auf Medellín. Von dort aus flüchtete er dank einer Vorwarnung und versteckte sich danach bis zu seinem Tod 1993. Die offizielle Todesursache ist Erschiessung durch eine US-amerikanisch-kolumbianische Eliteeinheit. Sein Sohn behauptet, es sei Selbstmord gewesen, um die Familie zu schützen. Auch La Catedral wurde auf der Suche nach Geld zuerstört und nun wieder aufgebaut.
Anschliessend zeigte uns unser Guide die Gegend, in welcher Escobar aufgewachsen ist. Er wurde bereits sehr früh gewalttätig. Gleichzeitig schenkte er vielen Armen Geld oder Häuser, welche ihm dadurch wiederum einen „Gefallen“ schuldeten. Bis heute sind viele Menschen dankbar und legen immer noch Blumen auf sein Grab, welches wir uns beim letzten Stopp anschauten. Dort liegt übrigens auch Griselda Blanco begragen, welche mit Escobar zusammenarbeitete und als noch skrupelloser galt. Ich glaube, nun ist es wirklich Zeit für mich Narcos zu gucken, damit ich die Geschichte etwas besser verstehe. Vor meiner Reise habe ich mich das irgendwie nicht getraut… Medellín sowie weite Teile Kolumbiens sind bis heute geprägt von dieser schlimmen Zeit.
Gestern besuchte ich die Comuna 13, sozusagen die Favelas. Einst das Gebiet mit den meisten Gewaltverbrechen weltweit – nicht nur wegen Pablo Escobar, sondern vor allem wegen den Kämpfen zwischen verschiedenen Einheiten und der extremen Armut – gleicht es heute eher einem wilden Freizeitvergnügen. So was habe ich noch nie gesehen! Stellt euch vor, dass sich x-tausende Backsteinhäuser an einem steilen Hang aneinander reihen. Teilweise sind sie schräg übereinander gebaut und jeder Centimeter wird ausgenutzt. Dazwischen führen steile Treppen hinauf, alles muss getragen werden. Überall findet man Graffiti. Es riecht nach Essen, es ist unfassbar laut und ich würde es gar als wild bezeichnen. Zwischendurch sieht man immer wieder hinunter, wegen der unwegsamen Treppenstufen und Gassen muss man sich jedoch ganz schön konzentrieren. Etwas weiter oben gibt es sechs Freiluft-Rolltreppen, welche als Unterstützung für die Bevölkerung gebaut wurden. Aber ganz ehrlich, wirklich zugänglich ist es trotzdem nicht und ich würde die Lebensumstände bis heute als sehr schlecht bezeichnen.
Um dorthin zu kommen, nimmt man übrigens die überirdische Metro, steigt einmal um und wechselt danach in die Metrocable. Für das Gondeli muss man ganz schön anstehen, für die anschliessenden Busse jedoch noch viel länger. Da ich schon sooo viele Geschichten über Diebstähle hier gehört habe, trug ich meinen Rucksack ständig vorne und hielt meine Hände darüber. Mir klaut hier keiner was! Endlich beim Startpunkt angekommen, schlengelten wir uns mit gefühlt einer Million anderer Menschen durch die engen Gassen der Comuna 13. Von den eindrücklichen Graffitis sahen wir teilweise leider nur wenig, da überall Leute davorstanden. Auch in den unzähligen Bars ist es ein richtiges Gedrängel. Nach einer Stunde wurde es mir zuviel und ich war wirklich froh, dass wir uns kurz hinsetzen und die Aussicht geniessen konnten. Von der Comuna 13 sieht man über ganz Medellín und die Umgebung. Erst dort realisierte ich, wie riesig es ist! Und übrigens befinden wir uns hier auf 1‘500 Meter über Meer.
Es ist schön wieder etwas mehr Gesellschaft zu haben und gemeinsam Essen zu gehen. Falls ich Ruhe brauche, laufe ich einfach alleine rum oder ziehe die Vorhänge im Viererschlag zu ;) Hier regnet es häufig am Nachmittag, die Temperatur ist mit 25 Grad jedoch absolut angenehm. Und es gibt noch viiiiel zu sehen, zum Glück hab ich noch einige Tage zur Verfügung. Liebe Grüsse in die kalte Schweiz, ich mache mich nun wieder auf den Weg ins Getümmel dieser Grossstadt :)
22. bis 26. Dezember 2024
Nach diesen beiden Touren war etwas Erholung angesagt, denn ich bin immer noch ganz schön müde. Ramona und ihr Mann Carlos sind aktuell auch in Medellín und so verbrachten wir den Sonntag gemeinsam. Nach dem feinen Mittagessen schlenderten wir durch die Strassen von El Poblado, einem der bekanntesten Quartiere hier. Am Abend fand ein Fussballspiel vor Ort statt. Ich als wahnsinnig grosser Fan musste mir das Spiel natürlich uuuunbedingt anschauen (Ironie!). Mit Pizza und Bier machten wir es uns im Hostel der beiden gemütlich. Es war ganz witzig, da viele richtig mitgefiebert haben und wir von der Dachterrasse aus sogar das Feuerwerk des Stadions sahen, als Medellín gewann. Danke euch beiden für den schönen Tag und hasta luego en Suiza :)
Als Landei zieht es mich regelmässig ins Grüne. Im Jardín Botánico de Medellín spazierte ich umher, trank Kaffee, beobachtete kunterbunte Vögel, und las meinen spannenden Krimi. Der botanische Garten befindet sich etwas ausserhalb der Stadt, ist per Metro oder Uber jedoch gut zu erreichen. Mitten im Park befindet sich eine eindrückliche Holzkonstruktion, die mir besonders gefallen hat. Beim grossen Teich kann man Schildkröten und Echsen beim Sünnele sowie Eichhörnchen beim Klettern zuschauen. Dabei sollte man sich vor den Enten in Acht nehmen, die immer wieder hintereinander herjagen und einem dabei ganz schön nah kommen. Innerlich etwas ruhiger, jedoch immer noch sehr müde und von Magen-Darm-Beschwerden geplagt, ging ich früh ins Bett. Leider waren viele Betrunkene im Hostel. Einer davon kam in unser Zimmer. Als ich ihn darum bat etwas leiser zu sein, wurde ich dermassen auf Spanisch angepampt, dass es mir regelrecht den Nuggi rausgehauen hat. Kurzerhand bat ich einen Mitarbeitenden um Hilfe und dieser wies den Betrunkenen zurecht. Dieser verschwand einige Minuten später und kam morgens um 4 Uhr zurück, einigermassen leise. Geht doch.
Für Heiligabend buchte ich eine Tagestour ins nahe gelegene Guatapé. Um 6.30 Uhr ging es mit einer grossen Truppe los. Nach einem Frühstück unterwegs sahen wir den grossen Felsen schon von Weitem. Anscheinend ist er mit 220 Metern der drittgröste freistehende Felsen der Welt (das Ranking muss ja immer sehr betont werden). Gemäss unserem Guide kann man die 708 Stufen in durchschnittlich 20 Minuten hochlaufen, ich war sogar etwas schneller. Ich muss jedoch zugeben, dass ich auf 2‘100 Metern ganz schön ausser Atem kam. Oben angekommen hat man eine herrliche Rundumsicht auf die unzähligen Inseln und den riesigen Stausee. Für den Stausee wurde sogar ein Dorf umgesiedelt und bei der Bootsfahrt sollten wir noch sehen, wo sich dieses ehemals befunden hat.
Auch der Ort Guatapé selbst ist hübsch, leider auch sehr touristisch. Dennoch genoss ich den Spaziergang durch die steinigen Gassen und schaute mir Vieles an. Im Gegensatz zu Cartagena sind hier vor allem die Geländer der Häuser farbig gestrichen. Vor der Bootsfahrt gab es ein typisch kolumbianisches Mittagessen mit Poulet, Reis, Arepa, Bohnen, frittierter Banane, gekochtem Ei und Salat. Zeit fürs Foodkoma blieb keine, da wir bald darauf ablegten. Während vierzig Minuten fuhren wir durch die Kanäle des Stausees und bekamen einige interessante Informationen zu hören. Natürlich hatte Pablo Escobar auch hier ein riesiges Anwesen, die Finca La Manuela, nach seiner Tochter benannt. Heute wird sie von Touristen besucht und beherbergt sogar eine Paintball-Anlage. Viele reiche Kolumbianer wie z. B. Fussballspieler besitzen hier eindrückliche Grundstücke. Landschaftlich gesehen ist die Region um Guatapé absolut sehenswert und ich hätte wohl noch einen Tag länger bleiben können. Vor allem auch, weil es zurück in Medellín einmal mehr wie aus Kübeln schüttete…
Trotz Gewitter trafen wir uns zu siebt am Abend für ein gemeinsames Weihnachtsessen. Nach gsüffigen Drinks und gutem Essen (und ohne Regen) suchten wir uns eine Bar. Leider war ich die einzige in Tanzlaune, aber das kann ich ja auch ganz gut alleine ;) Gegen Mitternacht und mit 30‘000 Schritten in den Beinen musste ich jedoch aufgeben und ging schlafen.
Drei der Jungs kamen am nächsten Tag mit mir in den Arvi Park. Dieser stand auf meiner Liste und da er sich ausserhalb von Medellín befindet, ist er am einfachsten mit der Metro und der Gondelbahn erreichbar. Die Aussicht ist atemberaubend! Hier sieht man die unglaubliche Weite Medellíns und die umliegenden Berge. Den Park selbst fand ich nicht sehr spektakulär, die Wanderung durch das dichte Gestrüpp war jedoch ganz witzig. Da wir uns noch das richtige Standzentrum anschauen wollten, stiegen wir einige Stationen vorzeitig aus. Auf dem Plaza Botero spielt das Leben wie ich es kennenlernen durfte in Kolumbien: Unzählige Strassenverkäufer, überall Familien und leider auch viele Obdachlose. 23 Statuen von Fernando Botero säumen den Park rund um den Kulturpalast, welcher einer Kathedrahle ähnelt. Wir liesen das Treiben auf uns wirken und fuhren danach mit einem Taxi zu einem weiteren Platz etwas höher gelegen. Beim Pueblito Paisa sieht man durch die Bäume hindurch auf die Stadt und kann entlang der vielen Souvenirshops schlendern. Oder so wie wir die Mischung aus Bier und Fruchtsirup probieren, das sogenannte Michelada. Da wieder ein Gewitter aufzog, fuhren wir zurück. Da ich ganz schön hungrig war und mein Hostel leider kein Restaurant hat, bestellte ich mir eine Pizza. Die Lieferung dauerte über zweieinhalb Stunden und ihr könnt euch meine Laune vorstellen… Immerhin hat sie gut geschmeckt und ich ich konnte ohne Bauchknurren schlafen.
Heute, an meinem letzten Tag in Kolumbien, wollte ich nochmals alles aufsaugen. Zum Glück machte das Wetter vormittags noch mit. Mein erster Stopp war das La Alma, denn hier gibt es richtig guten Kaffee. Und auch feines Essen. Flavio hat mir per Videoanruf Gesellschaft geleistet :) Anschliessend lief ich den Hügel hoch und durch mehrere Quartiere, bis es mir irgendwann zu anstrengend wurde und ich wieder Richtung Innenstadt spazierte. Wegen den Feiertagen ist den Tag durch eher wenig los und so suchte ich mir ein Bänkli, um Tagebuch zu schreiben. Leider zog bald darauf wieder ein Gewitter über mich, so dass ich mich bewaffnet mit meinem Schirm auf den Rückweg machte. In einigen Stunden geht mein Rückflug über Madrid und es ist Zeit für einen Rückblick (letzter Eintrag).
Mi tiempo en Colombia…
Lasse ich die sechs Wochen meiner Reise Revue passieren, kommen viele Erinnerungen hoch. Gute und schlechte. Die ersten drei Wochen in Cartagena waren verhältnismässig ruhig, hier bleiben mir vor allem die Ausflüge mit Julia zur Festung und auf die Islas de Rosario, die Gespräche mit Yannik und India, die lehrreichen Spanischstunden, der lustige Trinknachmittag mit den St. Gallern, das Beobachten der Faultiere im Park, die Enttäuschung über meine potenzielle Reisebegleitung, das Lesen in der Hängematte meiner Unterkunft und natürlich die farbenfrohen Strassen der Altstadt. In Santa Marta fühlte ich mich zuerst nicht besonders wohl, was sich dank Alice und Marek jedoch am letzten Abend ändern sollte. Am nächsten Morgen startete ich in das grösste Abenteuer meiner Reise. Die ersten drei Tage der Wanderung zur Ciudad Perdida waren zwar anspruchsvoll, jedoch gut machbar mit meiner aktuellen Kondition. Jetzt weiss ich auch, was 100% Luftfeuchtigkeit wirklich bedeutet ;) Den vierten Tag hätte ich lieber anders erlebt, krank zu sein mitten im Dschungel und ohne Empfang war nicht schön. Selten habe ich mich dermassen hilflos gefühlt. Dennoch bin ich dankbar, denn die verlorene Stadt zu sehen, war ein einmaliges Erlebnis und ich bin stolz auf meine Leistung. Und ich hörte viele aufmunternde Worte von eigentlich Fremden, die in dieser Zeit zu Freunden wurden. Der Costeño Beach war der ideale Ort zum Erholen und gehört definitiv zu meinen Highlights. Im Nachhinein würde ich wohl noch einige Tage länger im Glamping verbringen und die Ruhe und Natur um mich herum geniessen. Der Tagesausflug in den Tyrona-Nationalpark, gekoppelt mit rasanten Motorradfahrten, hat sich absolut gelohnt. Welch wunderschöner Ort! Das anschliessende Pereira hat mich positiv überrascht. Stundenlang durch die hügligen Strassen und über die hohe Brücke zu spazieren, ohne dabei andere Touristen zu sehen, war eine tolle Abwechslung. Auch die grosse Gastfreundschaft und die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen zu spüren, fand ich beeindruckend. Die private Tour ins Valle de Cocora mit den hohen Wachspalmen und die interessante Kaffeeführung haben mich richtig strahlen lassen. Was für ein unvergesslicher Tag! Die lange und kurvenreiche Busfahrt nach Medellín hat mich Energie gekostet, hat mir gleichzeitig aber auch Einblick in eine andere Landschaft gegeben. Eine Woche in der zweitgrössten Stadt Kolumbiens zu verbringen und meine Reise ausklingen zu lassen, war eine gute Entscheidung. So konnte ich nochmals richtig in die Kultur eintauchen und mehr über die Geschichte des Landes erfahren. Hier habe ich auch einfacher andere Reisende kennengelernt und war nicht mehr so oft alleine. Darüber bin ich froh, denn besonders die Weihnachtszeit am anderen Ende der Welt und ohne seine Liebsten zu verbringen kann schwierig sein. Obwohl ich ganz gut alleine sein kann, hat mir diese Reise gezeigt, dass ich Gesellschaft schon sehr schätze. Erlebnisse . gute wie schlechte – mit anderen Menschen zu teilen, ist etwas sehr Schönes. Ich glaube, das nächste Mal buche ich entweder wieder eine geführte Gruppenreise oder schleipfe einfach jemanden mit. :)
Die letzten Tage habe ich im schönen Guatapé und in verschiedenen Teilen von Medellín verbracht. Nun ist es Zeit nach Hause zurückzukehren und ja, ich freue mich sehr darauf! Auch wenn ich ursprünglich dachte ich sei länger unterwegs, so fühlt es sich jetzt absolut richtig an. Es warten viele Menschen auf mich, mein Heimweh wurde auch nicht unbedingt kleiner in den letzten Tagen. Ein Jahr nach dem dunkelsten Kapitel meines bisherigen Lebens bin ich bereit für neue Herausforderungen. Während meiner Reise musste ich viel Schwieriges meistern und auch wenn ich ab und zu gestrauchelt bin, hab ich schlussendlich alles geschafft. Darauf bin ich stolz und es gibt mir Sicherheit, dass ich auch für weitere Herausforderungen gewappnet bin. Meine nächste Reise wird bekanntlich nicht lange auf sich warten lassen, jetzt sind jedoch zuerst mal andere Dinge geplant. Muchas gracias Colombia! Und danke euch, dass ihr dabei wart <3